Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1881)
- Date
- 1881-02-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXII. I ahrg 6II g. Erste Lcilagc,» tlc. 8 des Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. rp'j; 'ino pN:n"n ron ,'iw P77-. 'j*d p-vt t£D D p"pO ''-r,: Durch mehrere Jahrtausende hat uns die Geschichte die Züge derjenigen Männer aufbemahrt, die als Helden des Charakters durch alle Zeiten leuchteten.^ Sie berichtet uns von Männern, die durch die Krait ihres Geistes heroorragten; sie nennt uns diejeirgen, die wohlthätig auf ihr Zeitalter gewirkt, die durch ihren scharfen Geist und ihr klares Crkenntuißvcrmögen die dunklen Pfade des Wissens uns erleuchtet. Und dennoch gibt es noch Männer, die iu edlem Streben und schaffen ihre Tage verlebt; Männer, die selbstlos und hingebungsvoll in ihrem Berufe gewirkt; die in Treue, Charakterfestigkeit und Chrlichkeir selbst zu einer Zeit verharret, in der Alles wankend und schwankend war; die durch unerschütterliches Vertrauen und felsenfeste Bewährung ihrer edlen, frommen Gesinnungen znm Nutzen und zum Frommen der menschlichen Gesellschaft gelebt und gestrebt — ohne daß die Nachwelt an sie denkt. Zn jenen granitnen Gestalten gehören zumeist diejenigen Männer, die, obgleich sie niit höherm Lichte hervorglänzten und auf ihr Zeitalter wohlthätig veredelnd wirkten, diese ihre fromme Wirksamkeit in stiller Zurückgezogenheit, in einsamem Kämmerlein übten; dann wieder, weil die meisten dieser Edlen ihren Seelenadel in andern Dingen suchten und fanden, als diejenigen sind, die heutzutage als Ideale gelten. Wenn sich heute ein Mann seiner Nächte Schlaf versagt, um die Fülle seines ohnehin reichen talmndischen Wissens zu erweitern und zu vermehren; wie viele erkennen heute das Edle eines solchen Strebens an? -- Wenn sich henre einer vom Geräusche des alltäglichen Lebens in sein stilles Kämmerlein zurückzieht, um da mit unermüdlicher Ausdauer nach dem Erwerb jener Güter und Schätze zu forschen und zu suchen, deren Besitz, nach den Worten des königlichen Psalmisten, den von Gold und Edelsteinen überwiegt; wieviele sind es heute, die da das Ruhmvolle eines solchen Lebenszieles erkennen? wie viele haben denn heute das Bewußtsein der Thatsache, daß nur allein das Leben dieser Männer, die für Gott und Seine Lehre leben und wirken, der Menge die Existenzberechtigung geben? Der Verfasser des in der Ueberschrift genannten Buches war einer derjenigen Männer, die, wie eben gesagr, obgleich ihr Leben rein und makellos, ihr ganzes Wesen von Gottesfurcht, Sitte und Rechtlichkeit durchtränkt; kurz, obgleich ihr ganzes Streben für das öffentliche Wohle ans - und niedergegangen, — dennoch von der Menge wenig gekannt und erkannt worden sind. Man würde sich täuschen, wenn man das Leben und Wirken solcher Männer nach den schriftlichen Denkmälern, die sie hinlerlassen, beurtheilen wollte. Tenn, so wenig der Werth eines Menschen nach seinen Gcfichtszilgeil beurtheilt werden kann, ebensowenig kann er es in Bezug auf seine Werke, obgleich sich in letztern doch ein großer Theil seines Geisteslebens wiederspiegelt. Wenn wir heute, durch das Erscheinen obigen Werkes angeregt, der Reminiscenz an den edlen Verfasser desselben seinem Walten und Wirken folgen; wenn ich an die Zeit znrückdenke, in der ich zu seinen Füßen gesessen, um feinen Worten zu lauschen, Muster und Vorbild aus seinem Leben zu gewinnen, den lichten Spuren seines bedeutungsvollen, aber stillen Waltens für Thora und Jiroh zu folgen: da entrollt sich mir ein Bild, so imposant, so groß, gleich geiftwie herzcrhebend; ein Bild, das weder durch die kunstgeübteste Feder gezeichnet, noch durch die Veröffentlichung seiner Geistesschätze auch nur annähernd wiedergegeben werden kann. Wer würde auch ans dieser Schrift, die nichts als agadische Erörterungen enthält, erkennen, was der Vers, derselben gewesen; wer wurde in diesen von edlem Forschergeiste getragenen rmn 'enm die Individualität des Mannes erkennen, dessen Geist und Herz sie erfüllt; wer erkennt in diesen einfachen Schrifterklärungen den Held und den Kämpfer, der die Waffen der Thora und der Jiroh mit unermüdlicher Ausdauer und muthiger Unerschrockenheit bis an seines Lebens Ende geschwungen? Ist es mm auch nach obiger Schilderung der Person des Verfassers ~p"'sr unnöthig, auf den lehrreichen Inhalt des Werkes hinzuweisen, nm es weiteren Kreise zu empfehlen; so wollen wir dennoch auch dies nicht unterlassen. Wir können diesbezüglich nur unsere, über den ersten Theil desselben in diesen