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Der Israelit · 1881-02-23 · Heft 8 (23.2.1881) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 8 (23.2.1881)
Date
1881-02-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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184 Akiba nahm hochbeglückt diesen Vorschlag seines Lehrers an, nahm Abschied von Frau und Kindern — es waren ihm unterdessen noch zwei Kinder, ein Knabe Namens Simeon und ein Mädchen Namens Sulamith, geboren worden — und schloß sich der Deputation an, die außer Nachum noch aus zwei vornehmen Juden, Nikodemos und Abujah, bestand. In Jaffa stiegen die Reisenden zu Schiff, das sie über das mittelländische Meer an die Küste von Italien bringen sollte. Akiba suchte auch hier seinen Wissenstrieb zu sättigen. Bald kannte er das Schiff von oben bis unten, wußte jeden einzelnen Bestandteil desselben zu nennen, und lernte den Ruderführern wie dem Steuermanne ihre Handgriffe ab. Von seinem Lehrer ließ er sich von den Wundern des Meeres erzählen und von den mannigfachen Pflanzen und Thieren, die darin wachsen, leben und tveben. „Siehe," sprach Nachum, „von Allem, was auf dem trockenen Lande existirt, gibt es etwas Aelmliches im Schooße des Meeres: einen Seehund, einen Seelöwen, einen Eisbär, eine Meerkatze, eine Meermaus, ein Seepferd und wie sie alle beißen; nur das Wiesel findet allein sich auf dem trockenen Lande, kein ihm ähnliches Geschöpf lebt im Schooße des Meeres; daher heißt auch das trockene Land in unserer heiligen Sprache Cheled, was mit Chuldah, Wiesel, zusammenhängt." „Wahrlich," antwortete Akiba, „jetzt erst versiebe ich die Worte des Psalmisten: Die da Hinabfahren auf das Meer in Schiffen, die da Arbeit verrichten in den vielen Gewässern, sie haben gesehen die Werke des Ewigen und seine Wunder in der Fluth." Und siehe, es war, wie wenn er durch sein Wort die Fortsetzung des Psalms heraufbeschworen hätte. Es entstand ein furchtbarer Sturm, und die Wellen stiegen hoch empor; sie stiegen hinauf bis zum Himmel; sie sanken hinab bis zum Abgrund, und die Seelen der Reisenden verzagten; diese wankten umher wie die Berauschten und entflohen in den untern Schiffsraum. Nur Akiba blieb auf dem Verdeck, um den Schiffern zu helfen. Diese aber erbebten vor dem schrecklichen Sturme, und alle ihre Weisheit war zu Ende. „Wir müssen sterben," sagte der Schiffshauptmann mit bebenden Lippen. Die Ruderer hatten die Ruder sinken lassen, der Steuermann versuchte nicht mehr das Schiff zu lenken. Entsetzen malte sich auf den Gesichtern aller Matrosen. Ein vornehmer Römer, der sich mit seiner Gemahlin auf dem Schiffe besand, hatte diese in den untern Schiffsraum geleitet, und war jetzt wieder heraufgekommen. Er hörte die Worte des Schiffshauptmannes und Entsetzen erfaßte auch ihn. Da begann Akiba zu reden, und seine Stimme übertönte das Getöse des Sturmes und der Wellen. „Meine Brüder," sprach er, „verzweifelt nicht! Der allmächtige Gott, der Schöpser des Himmels und der Erde, der den Sturm hat erstehen lassen, wird ihn auch wieder schweigen heißen. Im untern Schiffsraum befindet sich mein Lehrer, ein frommer, heiliger Mann, der im Begriffe steht, zum Besten seines Volkes eine heilige Mission auszuführen. Er wird nicht im Meere ertrinken, und um seinetwillen werden auch wir gerettet werden. Beten wir zum Herrn des Weltalls, daß er uns von unseren Drangsalen befreie, daß er dem Sturme Schweigen gebiete und Ruhe den Wogen des Meeres." So sprach Akiba, dann erhob er seine Hände gen Himmel und rief: „Herr des Weltalls, Du Schöpfer des Himmels, der Erde und des Meeres, Du einziger Gott, allgütiger Vater, erbarme Dich unser!" Und in das Gebet Akibas stimmten sie alle mit ein, der Schiffshauptmann und seine Leute, der Steuermann und die Ruderer und auch der vornehme Römer. Da legte sich der Sturm und die Wogen singen an, sich zu besänftigen. Freudig ging die Bemannung des Schiffes wieder an die Arbeit; der Römer aber sprach zu Akiba: „Gelobt sei der Gott Israels, der Dein Gebet erhört hat. Mein Name ist Flavins Clemens; ich bin dem Kaiser nahe verwandt; solltest Du in Rom einer Fürsprache bedürfen, so bin ich gerne bereit, Dir zu dienen." Einige Tage nachher lief das Schiff in den Hafen von Brundisium ein; aber die jüdischen Reisenden waren von der Seekrankheit erfaßt, die sie auch nicht sofort verließ, als sie an das Land gestiegen waren. Wankenden Schrittes mußten sie in die Stadt geführt werden, wo sie in einer Herberge das Ende der schweren Krankheit erwarteten. (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaetton: Dt. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expeditton deS »JSraelit" große Bleiche 45. I. EottSleben'S Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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