Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1881)
- Date
- 1881-02-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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183 Ferrrlleto». Kkiba. vm. < Jahre zogen dahin. Akiba entwickelte einen Fleiß und eine Lernbegier, welche Alle in Erstaunen setzte, die ihn zu beobachten Gelegenheit hatten, und wenn Nachum seinen Schülern die Worte des Jose den Jotzser mitthcilte: „Trinke mit Durst die Worte der Weisen", so stellte er Akiba als Beispiel auf. Dieser suchte Alles zu lernen, was nur zu lernen war. Wenn er eines Arztes habhaft wurde, so ließ er sich von ihm in der Medicin unterrichten und über den Bau des menschlichen Körpers sich aufklärcn. In der Absicht zu lernen, suchte er Mathematiker, Astronomen und Sprachkundige auf; von Handwerkern ließ er sich die Kunstgriffe ihres Handwerks zeigen, wohl wissend, daß alles Wiffenswerthe ihm bei dem Studium der heiligen Lehre zu gut kommen würde. Jahre vergingen. Vespasian war gestorben; sein ältester Sohn Titus, der Eroberer Jerusalems, der Zerstörer des heiligen Tempels, war der unumschränkte Beherrscher des gewaltigen römischen Reiches geworden. Rur zwei Jahre währte die Regierung des Titus. Schwere Nnglücksfälle betrafen Rom Während dieser kurzen Regierung. Die Hauptstadt des römischen Weltreichs wurde von einem furchtbaren Brande heimgesucht, der unaufgehalten. drei Tage lang wüthete und einen großen Theil der Stadt zerstörte. Dann brach eine furchtbare Pest aus, durch welche eine Zeit lang täglich 10,000 Menschen umkamen, noch schreckenerregender wirkte der große Ausbruch des Besuvs, welcher die Städte Campaniens verheerte. Allgemein erblickte man in diesen schrecklichen Unglücksfällen die Strafe, welche die Zerstörer des heiligen Tempels erreichte. Titus selbst war während der ganzen Zeit seiner kurzen Negierung leidend. In Judäa erzählte man sich eine merkwürdige Geschichte von dem eigentümlichen Leiden des großen Imperators. Als Titus, sagte man, den jüdischen Krieg beendet hatte und über das Meer nach Rom zurückkehren wollte, da sei ein furchtbarer Sturm ausgebrochen, und das Schiff des künftigen Kaisers drohte zu zerschellen. Titus stand auf dem Verdecke und schaute finstern Blickes in die wogende, tobende See. Und als der Sturm innner mächtiger wurde und der Mastbaum krachend niederfiel, da rief der Zerstörer des heiligen Tempels: „Du Gott der Juden, wie mir, so hast Du es einst dem Pharao gemacht und hast ihn und sein Heer in den Gewässern ertränkt; es scheint, daß Du nur Macht hast über die Gewässer. Zu Lande aber bin ich mächtiger als Du, denn ich habe Deine Stadt zerstört und Deinen Tempel verbrannt!" — So rief der übermüthige Cäsarensohn, und plötzlich legte sich der Sturm, und es gelang dem kundigen Schiffsvolk, das Ufer zu erreichen. Als aber Titus in Brundisium ans Land stieg, da schickte der allmächtige Gott das Kleinste seiner Geschöpfe, um den Mitregenten des großen römischen Weltreichs zu bestrafen. Eine Mücke flog herbei und kroch dem Cäsarensohne in eines seiner Nasenlöcher hinauf bis an das Gehirn, um sich dort einzunisten. Die Mücke wuchs, und wurde größer und größer, stets an dem Gehirne des Gemarterten nagend und pochend, so daß Titus keine ruhige Stunde mehr hatte. Einst ging er an einer Schmiede vorbei, als der schwere Hammer mit lautem Getöse auf den Ambos fiel. Dadurch wurde die Mücke stutzig und hörte auf zu pochen und zu nagen. Als Titus das bemerkte, befahl er, daß stets in seiner Gegenwart mit dem Hammer auf den Ambos geschlagen werde. Aber nach' dreißig Tagen war das Jnsect an den Lärm gewöhnt und begann sein Zerstörungswerk aufs Neue. So schleppte Titus, von den fürchterlichsten Schmerzen gefoltert, sein elendes Leben dahin, bis er nach zweijähriger Regierung im Alter von 40 Jahren starb. Als man nach seinem Tode seine Leiche secirte, fand man in seinem Kopfe ein geflügeltes Geschöpf im Gewichte von zwei Goldgulden. Als Titus gestorben war, wurde die höchste Gewalt seinem um zehn Jahre jüngern Bruder Domitian übertragen. Die Juden beschlossen, eine Deputation nach Rom zu senden, um dem neuen Kaiser zu seinem Regierungsantritte Glück zu wünschen, und ihm reiche Geschenke zu überbringen. In ganz Judäa wurde zu diesem Zwecke gesammelt, und es wurde eine große Summe zusammengcbracht, die man in Gold und Diamanten umsetzte und in einen schöngearbeiteten, reichverzierten Kasten legte. Wer aber sollte das Geschenk überbringen? Zum Fürsten war der junge Rabbon Gamliel, der Sprosse des Hillel'schen Fürstengeschlechtes, erwäblt worden; aber er war noch zu jung, als daß man ihm diese schwierige Aufgabe hätte übertragen können. Da fiel die Wahl ans Nachum, den ältesten der damaligen Lehrer Israels. Nachum übernahm gern und freudig den schwierigen Auftrag. Als er sich von seinen Schülern verabschiedete, war Akiba tief betrübt. „Mein theurer Lehrer," sprach er, „soll ich nun Monate lang Deines Unterrichts entbehren?" „So begleite mich," antwortete der Rabbi, „dann können wir auch unterweges mitsammen in der Thora forschen. Außerdem wird es auch in der Hauptstadt der Welt für Dich Wissensdurstigen viel zu lernen geben."