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Der Israelit · 1881-02-23 · Heft 8 (23.2.1881) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 8 (23.2.1881)
Date
1881-02-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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180 als die bedeutendste überschätzen, wie Niemand in schwächlicher Bescheidenheit sich als zu klein und ohnmächtig und arm dünken sollte, so daß seine Leistung für den Beruf der Gesammtheit zu winzig und unbedeutend erscheine, um mitgezählt zu werden beider heiligen Arbeit der Nation. Die Gesammtheit wird von den Einzelnen gebildet; ihre idealen Ziele können nur durch das einmüthige Zusammenwirken aller Einzelnen die entsprechende Förderung erreichen. Es kann und darf sich ihr der Einzelne nicht entziehen. Freilich ist der Einzelne schwach und unbedeutend und all' sein Wirken ist nur Stückwerk. In dem Anschluß an die Gesammtheit aber erlangt er seinen Werth und seine Bedeutung; in der Vereinigung mit der Leistung der Genossen wird auch seine Leistung eine werthbolle und bedeutungsreiche. Der halbe Schekel ist das Symbol der vollen und ganzen Zugehörigkeit zu der Nation, der vollen und ganzen Hingebung an den Nationalberuf, der vollkommenen Gleichheit aller Volksgenossen. Dieser Volksberuf fand aber seinen beredten sinnbildlichen Ausdruck vor Allem in den bedeutsamen Handlungen, für welche das Heiligthum auf Zion errichtet war. In den ms niw»p trat die Nation zu Gott heran und sprach es aus, daß sie keine angelegentlichere Sorge kenne, als die Nähe Gottes zu suchen, als sich in der innigsten Beziehung zu ihrem Herrn und König zu wissen. Ihr ganzes Streben sei Ihm geweiht. Mit Allem was die Erde bietet; mit dem Boden des Landes und seinem Ertrage, mit allem Reichthum und Wohlstände, mit jeglicher Kraft und Freude wolle sie sich Ihm hingcben, wolle sich durchdringen lassen von dem läuternden Feuer des Gottesgesetzes, wolle sich erleuchten lassen von dem Geiste Gottes, der aus diesem Gesetze redet, wolle nichts anderes erreichen, als Gottes Wohlgefallen durch die Verwirklichung des geoffenbarten göttlichen "Willens auf Erden. Daß die my manp also den Ausdruck des nationalen Gelöbnisses in Wahrheit bildeten, daß sie hiefür die Nation in allen ihren Gliedern zu begeistern vermochten, dafür war es nothwendig, daß sie rotton nonno von der Schekalimspende aller Einzelnen herrührten. Dadurch erschienen sie in ihrer bedeutsamen Eigenthümlichkeit als das imposante Bekenntniß des gesammten Volkes in allen seinen Gliedern, als die stete Wiederholung des unter dem unmittelbaren Eindrücke der Offenbarung des Gesetzes in einmüthiger Erhebung abgelegten Schwurs nwjn. Und ebenso wahrten die halben Schekalim die Stellung der die moy vollziehenden Priester. Sie erschienen in Gewändern, welche von der Gesammtheit ihnen gereicht worden waren, als die > echten Repräsentanten der von allen Einzelnen getragenen Nation. } Das jüdische Heiligthum und der jüdische Priester haben nichts gemein mit den Vorstellungen, die in andern Kreisen von Religion und Priesterthum Platz gegriffen haben. Der jerusalemische Tempel umfing kein Mysterium, welches von einer schlauen Priesterschaar bewacht wurde; durch die Opfer sollte nicht eine zürnende Gottheit versöhnt und dem menschlichen Verlangen gefügig gemacht werden; der Priester Mund hatte keine Orakelsprüche zu verkünden, oder durch magische Künste über Segen und Fluch zu verfügen. So nicht. Im Zionstempel wurde die Weihe des Lebens nach Gottes Willen gelehrt. In den Opferhandlungen vollzog sich das Bekenntniß um Gelöbniß für ein Leben nach dem geoffenbarten Gesetze Gottes und der Priester war der vom Volke bestellte Diener dieses symbolischen Gottesdienstes, auf daß derselbe in vollendeter Reinheit und Klarheit diejenigen Lehren und Wahrheiten zum Ausdrucke brachte, welche Gott geboten. Der Geist des Schekalimgesetzcs trug dazu bei, diese Bedeutung und Stellung des Heiligthums und seines Priesters in unverfälschter Reinheit zu bewahren und in dem Bewußtsein aller Volksangehörigen die Hingebung an die einzige Nationalausgabe stets wach und lebendig zu erhalten. Und gerade hierin liegt die hohe Bedeutsamkeit der anderen gesetzlichen Bestimmung der Schekalimspende. Wenn die Ideale, welche das Ziel eines Menschen- oder Volkslebens bilden, in Wirklichkeit erreicht werden sollen; wenn sie nicht zu den Ornamenten, mit welchen das Individuum oder die Nation sich gleitznerisch glorificiren, herabsinken sollen; wenn sie in der That der Leuchtthurm auf hoher Warte bleiben sollen, dessen Licht dem Piloten pfadweisend die Richtung vorschreibt, in welcher er den Cours zu nehmen hat, um den sichern Port zu erreichen, — dann bedarf es der stets erneuten Anregung und Anstrengung, der immer wiederholten Anspannung aller Kräfte, der fortwährenden Erhebung der Seele. Denn die Gefahr liegt nur allzunahe, daß des Menschen Kraft erlahmt, daß er schlaff und matt wird, daß er die rüstige Energie des Strebens einbüßt und seiner Ideale vergißt. Israel aber soll sich stets jung und frisch fühlen im Dienste Gottes. Als njty p ko-, als -ipa p in jugendlicher Kraft hat es freudig und willig der Führung seines Hirten sich hinzugeben, in der Vollkraft der Jugend sicher in den Dienst seines Herrn zu stellen, um mit frohem, frischem Muthe, mit froher frischer Be-

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