Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1881)
- Date
- 1881-02-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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179 welche Israel zu verkünden den erhabenen Beruf hat. j Unsre Alten, gesegnet sei dafür ihr Andenken alle! Zeit, haben es verstanden, diese Erinnerung in der; Seele des Volkes lebendig zu erhalten und den Geist, welcher aus ihr zu uns redet, in Worte zu übersetzen. Der Festcyclus unsrer herrlichen Liturgie ist nichts anderes als die Uebersetzung jener Predigten. Wenn der Frost des Winters zu schwinden beginnt und mit dem Herannahen des Lenzes auch die Frühlingszeit des jüdischen Volkes, in welcher Israel seine Auferstehung von dem Sclaventode, seine nationale Geburtsstunde feiert, heraufzicht — dann regt es sich auch in dem Herzen der Diaspora. Die „vier Paraschoth" bringen ihr den Grub vom Jordanlande und der Frühlingsduft des „heiligen Landes" dringt m die Gotteshäuser und erquickt die L>eclen der zerstreuten Söhne Judäa's. Der erste dieser Grüße ans dem heiligen Lande wird uns au Paraschath Schekalim. in« orpitn by rycE'c. Ehedem, als noch der Tempel sich auf dem Zionsberge wölbte, erging an jedem ersten Adar die Aufforderung zur Leistung der Schekelspende. Ein jeglicher Mann halte einen halben Schekel zu leisten. D’£\XT D’J’äp . D'Ppi O'wov H8I 8'.1 ns-ssp ’j'.n ~üxb *np .o^npo b)D iy> baP psp .o^iper na D^pya \2N-i£\ Für Hohe und Niedere, so heißt es in unsrer Liturgie, war diese Spende gleich festgesetzt; darum erschienen in ihr Reiche und Arme von gleichem Werthe; so daß der Reiche nicht in stolzer Ueberhebung sich mehr dünken und auf seine Schätze pochen konnte, als ob diese ihn zu schirmen vermöchten. Denn diese halben Schekalim umfaßten die gleiche Leistung eines jeden Mannes, vom Könige bis zum Bettler: a-n np-yn p sa-sncn '22 itdn. Selbst der auf die öffentliche Wohlthätigkeit angewiesene Aermste war hierzu verpflichtet; iD'5-.a py^ h-od er hätte selbst das Gewand vom Leibe hierfür ver-! kaufen müssen. j Diese halben Schekalim gelangten zum Heiligj thum nach Jerusalem. Sie dienten zur Bestreitung j der Nationalopfer -os n'::rp und der damit in Verj bindung stehenden Aufwendungen, zur Beschaffung j der priesterlichen Dienstkleidung und sonstiger der Ge- > sammtheit des Volks obliegenden Leistungen. j Bon jedem ersten Nissan an, dem Beginne des! nationalen neuen Jahres, hatte die Darbringung! der Nationalopfer durch die neuen Spenden zu erj folgen; nicnn nonno Tay nuznp N’anP 71s, darum! wurde schon dreißig Tage zuvor jeder Einzelne in! Israel aufgefordert, mit der Erfüllung seiner Schekell Pflicht nicht zu säumen. ' j Wenn wir uns über die Bedeutung dieses Gebots der j Schekalimspende aufzuklären suchen, wenn wir erkennen; wollen, welche Lehre damit ertheilt ist, welche Wahr- ’ heit dadurch zum Ausdrucke gelangen soll, so werden wir die beiden hervorragenden Bestimmungen, durch welche dieses Gesetz sich charakterisirt, näher zu betrachten haben. Es ist dieses zunächst die Vorschrift, daß jeder Mann, unabhängig von seiner Vermögenslage, einen halben Schekel zu leisten hatte. — es durfte Niemand mehr und Niemand weniger als den vorgeschriebenen halben Schekel spenden v'yv' *0 lnm na-v to ■varyn, — und ferner die genaue Jnnehaltung des Termins bis zum ersten Nissan für die Leistung desselben. Durch den völlig gleichen Antheil, welchen jeder Mann zu den Opfern der Nation beitrug, wurde die völlige Gleichheit aller Volksgenossen in prägnantester Weise constatirt. Das von der Gesammtheit zu tragende Heiligthum, die der Gesammtheit gewordene Aufgabe rechnet auf jedes ihrer Glieder. Alle, Alle sind gleich berufen, an der Lösung der Israel ertheilten Pflicht mitzuwirken; auf Alle hat Gott gezählt, als Er die Abrahamssöhne zum Verkünder Seines Gesetzes an die Menschheit erkoren; Alle haben sich in gleicher Hingebung, in gleichem Gehorsam, in gleicher Opferwilligkeit Ihm zur Verfügung zu stellen; Alle stehen zu jeder Zeit vor Gott: die Fürsten, die Stämme, die Oberhäupter, die Beamten, Alle als Männer Israels mit ihren Kindern und Frauen, mit den aus der Fremde in Israels Kreis Getretenen — vom Holzhauer bis zum Wasserschöpfer, als ein einheitlicher, in allen seinen Glieder;: gleichwcrthiger Kreis — auf daß sie Alle in den Einen Gottesbund eingehen und das einzige, einige Gottesvolk auf Erden bilden. Oa’tPJO CD-TW 'n D3P3 CH VI DOSM DHX CP'S-j U2212 ^3 DD’jpj D3'D2!C 1'v'O 380 "iy -psy auno *pno a-ipa ir« "pai ■py n~a ~npx 'n -wx irVrxai pnbx 4n nvaa “pay1? oy1? p o-’n 'inx D'pn d’-vj (5. B. M. 29,9 u. s. w.) Da gilt fein Unterschied des Ranges und des Standes und der Geburt, nicht Reichthum und Macht, — der Fürst wie der Holzhauer zählen nur als „Israels Männer" 5soa" tr\x pa. Die Leistung des Fürsten wiegt nicht schwerer, als die Spende des Holzhauers. Und auf Alle erhebt Gott den gleichen Anspruch, Sein Heiligthum kann Niemanden entbehren. Die Nation ist nicht ein abstracter Begriff; sie setzt sich aus allen jüdischen Seelen zusammen und findet die Erfüllung ihrer Aufgabe nur in der Leistung eines jeden ihrer Angehörigen, in der sich gegenseitig ergänzenden Mitwirkung eines jeden ihrer Genossen. Niemand vermag ein Ganzes zu leisten, Jeder trägt nur sein Scherflein bei, „einen halben Schekel". Dieses Bewußtsein sollte in lebendigster Gegenwärtigkeit das Herz eines jeden Mannes erfüllen. Es sollte Niemand in stolzer Ueberhebung sich als den besonders Bevorzugten und seine Wirksamkeit