Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1881)
- Date
- 1881-02-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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178 Erbe erfüllen, welches Gott in Liebe und Wohlgefallen uns hat erben lassen! Aber nicht allein das Gedenken des Schöpfungswerkes, rvartro nstryoS ji-ot, ruft der Sabbat in uns wach, der Tag des Herrn soll uns auch an die Befreiung aus demSclavenjoche erinnern ünso -oi. Wohlan, mein Bruder, wenn du auch die ganze Woche hindurch unter dem Joche schwerer Arbeit seufzest, der Sabbat macht dich zu einem freien Manne pin?2. An ihm entschlage dich aller Sorgen und Kümmernisse und bedenke, daß dieser Tag dem Herrn des Weltalls geweiht ist. Ihm gehört Alles, und Er vermag dir zu geben, was dein Herz nur begehrt: Reichthum, Ehre, Macht, Gesundheit. Er vermag das Alles zu spenden, Er vermag in einem Augenblicke das traurigste Geschick zum Bessern zu wenden, Er ist unser liebevoller Vater, der für uns sorgt, der uns beglückt, wenn wir nur Ihm angehören wollen. — Siehe, vor dir liegen die Zwei Brode; sie sind ein Erinnerungszeichen an das gedoppelte Brod, welches Gott einst unfern Vätern am sechsten Wochentage spendete. Sie waren in die Wüste gezogen, die aus der harten Knechtschaft Befreiten. Nur kurze Zeit hatten die aus Aegypten mitgenommenen Vorräthe ihnen Nahrung gewährt. Nun waren sie in der Wüste, in einem Lande, wo nicht gesäet und nicht geerntet werden kann; sie sahen den schrecklichen Hungertod vor Augen. Da ließ ihnen Gott Brod vom Himmel herniederregnen, und am sechsten Tage sammelten sie für zwei Tage Brod, denn am siebenten Tage, am Sabbat, sollten sie ruhen und vom Geschäfte des Einsammelns verschont bleiben. Siehe, mein Bruder, wie einst Gott unsre Voreltern in der Wüste nicht Mangel leiden ließ, so hat Gott für Sein Volk gesorgt die Jahrtausende hindurch. Jahrtausende lang hat Israel am Sabbat geruht und ist dadurch in seinem Erwerb, in seiner Ernährung nicht verkürzt worden. Erst in neuerer Zeit ist der thörichte Ruf laut geworden, daß die Nahrungssorgen dazu zwingen, den Sabbat zu entweihen. Thörichte, kurzsichtige Menschen! Was hilft alles Sorgen und Mühen, wenn Gott nicht Gedeihen und Segen verleihet! Kann der Mensch nicht in einer kurzen Viertelstunde verlieren, was er Jahrzehnte lang mühsam beschafft und gesammelt hat! Kann Gott nicht m einem Augenblicke mehr geben, als Menschenfleiß ein ganzes Lebensalter hindurch zu erringen im Stande ist? Und ihr meint, verhungern oder verarmen zu müssen, wenn ihr den Tag des Herrn der Ruhe weihet? Schon vom reinmenschlichen Standpunkte aus ist es nothwendig, die gewöhnte Beschäftigung und Lebensweise durch einen Tag der Ruhe zu unterbrechen. Und nun hat Gott diese Forderung des gesunden Menschenverstandes zu einem herrlichen, wundervollen Gebote gestaltet, und wir sollten diese erhabene Gottesgabe verschmähen, sollten verzichten auf dieBeseligung, die sie bringt in dieser wie in der zukünftigen Welt, sollten auf uns laden die furchtbaren Strafen, die Gott auf die Entweihung des heiligen Sabbats gesetzt hat? Aber es ist noch ein anderer Grund, der in unfern Tagen die Vernachlässigung der Sabbatfeier vielfach herbeigeführt hat: es ist der Unglaube, der Abfall von Gott und der heiligen Religion der Väter. Was Jahrtausende lang unser Glück, unsre Freude, unser Trost und die Erhaltung unsres Lebens gewesen, es wird heute bcklügelt und bespöttelt von einem sich weise dünkenden Geschlechte. Wer nicht an Gott, den Schöpfer des Weltalls, glaubt, für den hat die Sabbatfeier allerdings keine Bedeutung. Einen solchen Menschen zur Umkehr zu führen, liegt kaum im Bereiche des menschlichen Könnens. Aber die Schwankenden und Wankenden, die da vermeinen, sie könnten Juden bleiben, selbst wenn sie den Sabbat entweihen, diese aufzuklären und zu belehren, ihnen Halt und Kräftigung zu bieten, das ist noch möglich. Gebe der allgütige Gott , daß diese unsre Worte zu ihnen gelangen und ihnen zu Herzen dringen, dainit sie ihre Läden und Geschäfte schließen am Tage des Herrn, bannt sie eine der Grundsäulen, auf' denen das Judenthum sich auferbaut, wieder fest begründen, damit Diejenigen, die das hohe Gut der Sabbatruhe noch nicht verloren haben, es auch ihren Kindern erhalten. (Fortsetzung folgt.) Iie Schekalimspende. Von Naphtali Simon. pjD Dpcr. non TnvQ ibt« rot m:;x TN .NEOl „Ich will eingedenk bleiben der Handlungen, welche vorgenommen wurden, als ich, unter dem Schirme des hehren Heiligthums geborgen, glücklich weilte — — jetzt bin ich nach allen Himmelsrichtungen hin versprengt — — kann meine Schekel nicht weihen-" so klagt Israel im Galuth, so tönt sein Seufzer im Gotteshause! Das Gottesheiligthum in Trümmern — Juda über die weite Erde zerstreut! Aber in dieser Klage und diesem Seufzer geht Israel nicht unter; es erhebt seine Seele in der Erinnerung, nicht der vergangenen Herrlichkeit, der dahin geschwundenen Größe, — sondern der bedeutsamen Handlungen, welche dort vollzogen wurden; — und aus dieser Erinnerung nimmt es die Predigt der Wahrheit in erneuter Mächtigkeit auf, — die gewaltige Predigt: welche aus diesen Handlungen zum Herzen der Menschheit spricht, — der Wahrheit: