Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1881)
- Date
- 1881-02-16
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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170 untnicht in ihrer Anstalt unentgeltlich crtheilen zu lassen. — Die Schnlsection berichtet, daß sie in nächster Zeit zur Anfertigung eines zeitgemäßen Religionsbuches in ungarischer Sprache — für die Handwerkslehrlinge bestimmt schreiten werde und daß der den Zöglingen crtheilte Religionsunterricht schon seit einigen Monaten in ungarischer Sprache geschehe. — Die Eassasection legte die Bilanz vor, nach welcher im abgelanfenen Jahre die Einnahmen des Vereines auf 4782 fl. 45 kr. und die Ausgaben desselben auf 3604 fl. 36 kr. sich belaufen, demnach sich ein Ueberschuß von 1178 fl. 9 kr. ergibt. Ferner verzeichnet die Cassasection die jüngst eingelaufenen Spenden, als: Wiclünder-Stiftung 60 ft.; Legat Joseph Altmann 50 fl; Bernhard Hirsch ans Wien 25 fl.; Dianorah Herzfelder 25 fl., Dr. Alexander Morgenstern (das Ergebnis; eines Ehrenbeleidigungsprocesses) 20 (1 — Tie Oeconomiesection zeigt an, daß sie im abgelanfenen Jahre 123 Zöglinge mit vollkommener Bekleidung und Leibwäsche versehen habe, welche Gegenstände sie in eigener Regie anscrtigen ließ. Für die Folge jedoch sollen diese Gegenstände im Offertwege beschafft werden. Budapest. Der geachtete, 61jährige Bürger Herrmann Kohn, eine'sehr bekannte Persönlichkeit in der Theresienstadt, Mitglied der meisten Wohlthätigkeits-Vcreine, wurde am 16. in der Generalversammlung des Kranken- und Beftattungsvereins „Fortschritt" mit Acclamation zum Präsidenten gewählt. Kohn wollte gerührt danken, doch in demselben Moment fiel er bewußtlos zusammen. Der herbeigeholte Arzt constatirte einen Schlaganfall, doch gelang es ihm, Kohn für einige Augenblicke zum Bewußtsein zu bringen. Kohn wurde in seine Wohnung gebracht, wo er kurze Zeit darauf verschied. Heute um 4 Uhr Nachmittags fand das Begräbniß unter Betheiligung zahlreicher Vereine statt. Budapest. Man meldet ans der Marmaros, daß daselbst Frau Rachel Lüzürovics im ungewöhnlich hohen Alter von 115 Jahren gestorben ist. F e u i l X t t d n. Ms dem Zagebuche eines ZLezirks- Aabbiners. XI. Hatteufels, im October 1880. Am 2x2 .-wL'n-Nachniittags hatte der Herr Seelsorger — ob mau einen Rabbiner, der das Fasten abgeschafft wissen will, nicht besser Leibsorger nennen würde, möge hier nur fragend angedeutet werden —! am :j*o nMr'-Nachmittag also hatte mein Vorgänger im Amte nichts Besseres zu thun, als die Mitglieder der nk'hp *ran zusammen kommen zu lassen um; sich wegen ihres freiwilligen Fastens mit ihnen zu ■ „besprechen." Herr Waldberg erhielt jedoch keine! Einladung, erschien aber nichtsdestoweniger, da er! gehört hatte, daß irgend ein Angriff auf die x^uri in der Luft liege. Die Anwesenheit des Herrn Waldberg war dem Herrn Bezirksrabbincr nicht sehr bequem, und er machte gar keinen Hehl daraus. Er erklärte sofort, daß es ihn freue, wie seine Anregung die obligaten Fasttage aufzuheben eine so sympathische Aufnahme in der Gemeinde gefunden habe. Die stabilen Stockorthodoxen, die sich jedem Fortschritt mit allen Mitteln entgegenstemmten, würden allerdings einem solchen Vorgehen ihren Widerstand entgegensetzen, aber sie seien zu schwach, um das heranfdämmernde Morgcnroth, das die freiere, lichtere Zeit einleitet, znrückzuhalten. Er habe das voransgesehen; was er aber nicht vorausgesehen habe, das sei die fanatische Art und Weise des Entgegenkommens, die sich der Präses der Chewra, Herr 'Waldberg, heute Morgen gegen ihn und den .Herrn Vorsteher erlaubt habe. Doch lasse er sich durch ein so zelotisches Gebühren nicht in der Erfüllung seiner Pflicht einschüchtern, er habe deshalb die Chewra znfammenbernfen, um den einzelnen Mitgliedern die Erwägung nahe zu legen, wenn schon die allgemein üblichen Fasttage der neuen Zeit weichen müßten, wie dann die freiwilligen, nicht allgemeinen noch viel weniger Bestand haben könnten. Zudem habe es ja auch keinen Sinn, daß gerade Männer, die eine so heilige Pflicht übten, sich eine Erschwerung anferlegen sollten, von der die übrigen Glaubensgenossen befreit sind. Leute, die das Bewußtsein haben durften, nox bv idh in so schöner Weise zu bethätigen, brauchten nicht mehr, sondern brauchten gerade weniger zu fasten, als diejenigen, welche diese mso nicht übten Am meisten, bemerkte treffend Herr Waldberg, als er mir diese Vorgänge erzählte, hätten ihn die jüdischen Brocken rox -jdh und mso verdrossen, mit welchen diese Tiraden untermischt waren. Die waren absichtlich eingestrcut um den Verrath mit frommen Citaten zu spicken, und das verfehlte auch bei den weniger urtheilsfähigen Zuhörern seine Wirkung nicht. Sie sagten sich, ein Mann, der so fromme, gottesfürchtige, jüdische Redensarten im Munde führt, muß es gut mit der Sache meinen, und das hätte auch jetzt den Ansschlag gegeben, wenn Herr Waldj bcrg nicht iutervenirt hätte.! Alles schwieg zunächst und blickten auf Herrn > Waldberg, der nach einer kurzen Pause das Wort