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Der Israelit · 1881-02-16 · Heft 7 (16.2.1881) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 7 (16.2.1881)
Date
1881-02-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
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164 Cousine. Im Verkehr mit den Dienstboten kehrte; sie nicht die gebietende Tochter des Hauses hervor, , sondern war ganz Liebe und Freundschaft gegen die-! selben. Wie sehr mußte sich jetzt mm Heinrich zu; seiner schönen Cousine herangczogen fühlen, der er : jetzt durch Gleichheit der Gesinnung noch näher ge-; rückt war. S Mutter und Tochter waren hocherfreut, den > jungen Doctor unedcr bei sich zu sehen; er hatte ihnen i viel zu erzählen, und sie hörten ihm gerne zu. Be-! sonders wohlthncnd war cs für die Tante von der Wandelung zu hören, die mit ihrem Neffen vorgegangen war, sie segnete im Herzen die Unduldsamkeit jener exclusiven Gesellschaft in der Universitätsstadt, die dem Juden ihre Thüre verschlossen hatte; war dies ja die erste Ursache, ihren Neffen ans den rechten Weg zu führen, und durfte sie ja jetzt mit freiem Herzen Lieblingsplänen Nachdenken, die sie schon int Geiste entworfen, als der 10jährige Neffe mit dem 6jährigen Cousinchen ihre unschnldvollen Kinderspiele mit einander spielten. Man war in lebhafter Unterhaltung begriffen, als Reicherssohn ins Zimmer cintrat. Cr mußte immer noch über den vorsichtigen und mißtrauischen Posener lachen, diese Aengsllichkeit nmchte ihm gar zu großen Spaß. „Du mußt Dich recht gut unterhalten haben," rief die Frau ihrem Manne entgegen, „sichst ja so vergnügt aus." „Es war wirklich zum Lachen; denke Dir, kommt da der Posener — — doch wir sprechen nachher darüber." „Ei, wie gcheimnißvoll," meinte Frau Reicherssohn, hörte aber ans, weiter in ihren Mann zu dringen, als er einen bedeutungsvollen Blick aus die jungen Leute warf. * „Aproper! habe ich Dir schon gesagt, daß der Graf von Roterskoff heute Abend bei uns zu Tische sein wird?" „Schon wieder?" warf die Hausfrau unwillig ein, „das ist ja der reine Tischschnorrer!" „Frau! Frau! der Mensch soll niemals wegwerfend über seinen Mitmenschen urtheilen, namentlich nicht wenn er ein Graf ist und so viele Brillanten hat!" „Geb' viel auf seinen Grafentitel! und für zehn Thaler kann man sich alle Finger voll mit Rheinkiesel stecken." „Tu sprichst, wie Du's verstehst! So sind aber die Frauen, alles wollen sie kennen, alles wollen sie besser wissen! Ich bin nur froh, daß kein Fremder Dich hört, vor Heinrich hat das nichts zu sagen. Bei Dir ist Jeder ein Betrüger, urtheile nicht zu schnell, man weiß nickt, was in der Hintergründe Zeiten schläft! Heißt es nicht so Emilie?" „Beinahe, lieber Papa," antwortete Emilie verlegen erröthend. „Ist mir auch egal, laß es heißen, wie es will; ich habe jetzt genug darüber gesprochen. Wie ist's Heinrich, ich gehe jetzt aus, willst Du mich ein wenig begleiten?" „Mit Vergnügen, lieber Onkel; ich will hinauf mich ankleiden und' werde gleich wieder hier sein." Nach einer kleinen Viertelstunde verließen die beiden Männer das Haus. Sie waren eben auf die Schloßfreiheit gekommen, als ein höchst elegant gekleideter Herr auf Reicherssohn zueilte und ihm die Hand herzlich drückend einen freundlichen guten Morgen wünschte. Wer den jungen Mann, dessen Gesicht ein schöner Vollbart umrahmte, der nur nock , wenig von einer Schmarre die breit über die Backe i hinlief, sehen ließ, bei seinem Zusammentreffen mit! Reicherssohn genau betrachtet hätte, dem wäre es nicht entgangen, daß er erblaßte und zusammenzuckte, als sein Blick auf Heinrich fiel. Auch dieser schien etwas betroffen, so daß er es fast überhört hätte, als sein Onkel ihm jenen Herrn als den Grafen Roterskoff vorstellte. Herr Reicherssohn konnte sich nicht genug wundern, den Grasen hier zu treffen, da er um diese! Zeit doch gewöhnlich seine Spazierfahrt in den Thiergarten mache? Das erklärt sich ganz einfach, meinte der Graf, er sei heute Geschäftsmann; feine Mutter friere nämlich in einigen Tagen ihren Geburtstag, und so laufe er schon den ganzen Vormittag in allen Jnwelenhandlungen umher, für seine Mutter etwas Exquisites ausznsuchen; er habe wenig nach feinem Geschmacke gefunden, nur bei einem Händler in der Leipziger Straße habe er ein Diadem gesehen, das! ihm schon gefiele, doch scheine ihm der Preis etwas! zu hoch. s Reicherssohn, der sich auf seine Kennerschaft! der Juwelen viel zu gute thai, freute sich, dem Grafen j einen Dienst erweisen, und ihn sich verpflichten zu können; und zugleich seine Kenntnisse in das gehörige Licht ' zu setzen; er bot sich daher dem Grafen als Begleiter zu dem Juwelier, der ihm befreundet sei, an, um ihm den Schmuck zu taxiren. Heinrich lehnte es ab, mitzugehen, da er noch einige alte Bekannte aufsuchen wollte.! Es war in der That ein herrlicher Schmuck, der das Wohlgefallen des Grafen sich erworben hatte; er sollte nur die Kleinigkeit von 800 Thalern kosten, und Reicherssohn fand ihn nicht zu theuer. Dieses Urtheil genügte dem Grafen, der sein Portemonnaie zog, die geforderte Summe zu zahlen. Schon hatte er das Geld hingezählt, als er plötzlich innehielt und um Entschuldigung bat, wenn er sein Wort zurücknehmen müsse. Er trage heute sein ganzes Vermögen, das er flüssig habe, bei sich und sehe eben,

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