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Der Israelit · 1881-02-16 · Heft 7 (16.2.1881) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 7 (16.2.1881)
Date
1881-02-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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163 Wien, 23. Jan. Obgleich der Neichsrcrth seit acht Tagen wieder beisammen m, intcrcffircn die parlanrentarischcn Vorgänge bis jetzt doch nur wenig. Weder in den Plenarsitzungen noch bei den Ausschußberathungen kam es 31t politischen Nccontres von Bedeutung. Bei der Wuchergesetzdebatte traten hie und da Gelüste nach einer Anti-Scmitenhetze hervor und der fortschrittliche Abgeordnete Schöffel machte in dem Versuche dazu dem Monsignore Greuter erfolgreich Konkurrenz, aber Wien ist nicht der Boden für einen derartigen Sport. In Böhmen, wo die Ezechen schon in der Mitte der Sechsziger Jahre blutige Judenhetzen inseenirten, wäre das Terrain dafür schon geeigneter. Es erschienen dort in letzter Zeit auch mehrere ezechische und deutsche Flugschriften, welche die Juden für alles Elend verantwortlich machten; aber diese Pamhplete wurden von der Staatsanwaltschaft ohne Weiteres eonfiszirt; die Behörde erblickte darin Aufreizung zu Haß und Verachtung gegen eine anerkannte Religionsgesellschaft und den Versuch, die Staatsbürger zu gegeufeitkgen Gewalttbätigen aufzuhetzeu, eine Auffassung, welche durch Gerichtsbeschluß bestätigt wurde. Tie Pamphlete wurden „objectkv" zur Einstampfung verurrheilt. In der isr. Gemeinde Krnrhegyes (Ungarn), in welcher der Kampf zwischen den Parteien bereits nach Decennicn zählt, herrscht nunmehr Friede und Einigkeit. Am 9. dss. hat sich die ganze isr. Gemeinde auf Grundlage des autonomen, orthodoxen, isr. Landesorganisationsstatutes Ungarns und Siebenbürgens constituirt. Unter Vorsitz des Gefertigten wurden die Specialstatuten der Gemeinde im Geiste des Schulchan-Aruch sestgestellt und zugleich der Beschluß gefaßt, eine Talmud-Thora-Schule zu gründen und eine Mikwa zu bauen. Die Vorsteher der Gemeinde: die Herren Jonas Maß, Jg. Ehrlich, David Schwartz, Ignatz Weiß, Jacob Feuer und I. Waltner haben zu diesem verdienstlichen Werk viel beigettagen. ^alomon Schück, Bezirksrabbiuer. Amerika. New-Orleans, 26. December. Der hiesige Vertreter der strengen katholischen Richtung, Herr Pater Oertel, der in Anerkennung seiner Leistungen für den Katholicismus vom Pabst Pius IX. in den Ritterstand erhoben wurde, tritt mit aller Energie in der von ihm redigirten Zeitung gegen die deutschen Judenhetzen auf; in der neuesten Nr. derselben veröffentlicht er ein Gedicht, welches den Antisemiten die derbsten Wahrheiten sagt. — Mögen j die Lerussgenossen des ehrwürdigen Paters sich an! dessen Verhalten ein Beispiel nehmen, damit siesich! nicht von blindem Haffe verleiten lassen, der Juden-! hetze Nahrung zu geben.! Feuilleton. Die Jugendfreunde. Von A. Königshofen. VI. Während Herr Reicherssohn in seinem Zimmer dem Ehcbnndstister Posencr seine Ideen über die Zukunft seiner Tochter anseinandersctzte, und diese im Geisteschon als Baronin, Gräfin, Fürstin die Augen der Welt ans, sich ziehen sah, die leise Hoffnung zugleich hegend, daß von all' dieser Pracht und all' diesem Glanz auch ein kleiner Strahl auf ihn, den noch immer mit Adel und Titel nicht Bedachten, fallen werde: saß Kohn im gemächlichen Gespräch mit seiner Tante und Eonsine begriffen, in dem eleganten Familienzimmer des Ncicherssohn'scheii Hauses. Was kümmerte ihn aber die Eleganz und Pracht, die sich um ihn her entfaltete, sein Blick wurde nur von einem Wesen in diesem Zimmer gefesselt; Emilie war es, die ihn ans nichts anders blicken ließ und seinem Geiste eine Perspektive einer lichtvollen und freudigen Zukunft eröffnete. Schon vor zwei Jahren, als Heinrich die Ferien zu Hause zubrachte, hatte er für seine Cousine eine tiefere als verwandtschaftliche Neigung empfunden. Er hatte oft Gelegenheit gehabt, den Geist und Witz des eben zur Jungfrau erblühten Mädchens zu bewundern, der sich launig und frei kundgab, ohne von dem Bleigewicht blaustrümpsiger Pedanterie beschwert zu sein. Sie prunkte nicht mit ibrem Wissen nnd suchte nicht durch wohlberechnete Schönrednerei Effekt zu machen; wenn sie eine geistreiche Bemerkung machte, wenn ihr Gespräch eine Bekanntschaft mit wissenschaftlichen Dingen verrieth, so kam das alles so ungesucht, so ungekünstelt zum Vorschein, daß auch der strengste Kritiker keine Spur von Koketterie hätte entdecken können. Lagen diese Vorzüge Jedem offen, der ilftden Gesellschaftskreis des Reicherssohnschen Hauses gezogen wurde, so konnte Heinrich vor allen Andern die edlen Vorzüge des Herzens seiner Cousine erkennen. Ihres Vaters Gegentheil in religiöser Gesinnung, war und blieb sie doch die gehorsame Tochter, die manchen Vorwurf ihres Vaters, eben ihrer Gesinnung wegen ruhig und ohne Widerspruch hinnahm. Noch zu der Zeit, als Heinrich den Standpunkt seines Onkels theilte, bewunderte er trotz alledem die Seelengröße seiner

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