Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1881)
- Date
- 1881-02-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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159 hilflos da. — Als Akiba gegen Abend von Gimso heimkehrte, wo er den Tag über bei Nachum Thora gelernt hatte, hörte er in der Hütte des Elijahu weinen und klagen. Er ging hinein und sah das schreckliche Elend vor Augen. Betrübt kam er nach Hause. „Ach," sagte er zu seinem Weibe, „wenn ich Geld hätte, wie wüßte ich es jetzt so gut zu verwenden!" Und er erzählte von der Noth und dem Elende, welches in der Hütte Elijahu's herrschte. — Da zog Rahel einen Beutel mit Silbermünzen aus ihrem Gewände und reichte denselben ihrem Gatten. „Sich hier," sprach sie, „was ich von meiner Hände Arbeit erspart habe für die Zeit, welche bald herannahen wird und in der ich nicht arbeiten werde können. Nimm dieses Geld und trage cs in die Hütte des armen Elijahu. Uns aber wird Gott in anderer Weise helfen." „Du edles Weib," sprach Akiba, „nicht allein, daß Du die größten Opfer gebracht hast, um mich für das Thoralernenzu gewinnen, nicht allein, das;Du, die reiche Tochter des Kalba Sabua, Dir die größten Entbehrungen auflegst. Du beraubst Dich auch noch Deiner Sparpfennige, um das Elend Anderer zu lindern. Dein Vertrauen zu Gott ist so groß wie Deine Liebe zur Thora, und Dein Mitgefühl für das Leiden Fremder läßt Dich die eigene Noth vergessen! O, ich bin ein reicher Mann, da ich ein solches Weib besitze; ich beneide nicht den römischen Kaiser um seine Schätze! Aber sollte nur Gott einst Geld und Gut bescheiden, so sollst Du geschmückt wie eine Fürstin einhergehen, und zur Erinnerung an diese Stunde soll ein goldenes Diadem Deine Stirne zieren, in das der geschickteste Künstler das Bild der heiligen Stadt Jerusalem hineingraviren sott!" „Schwärmer!" antwortete Rahel lächelnd. „Jetzt aber gehe und bringe den Leidenden die heißersehnte Hilfe." Akiba ging. Geflügelten Schrittes eilte er der Hütte des armen Elijahu zu und brachte ihm die Ersparnisse Rahels. Dann ersuchte er eine Nachbarin, die nöthigen Einkäufe zu machen und die Unglücklichen mit Speise und Trank und allem Notwendigen zu versorgen. Die Bewohner von Korchah waren arm und konnten weder mit Geld noch mit Lebensmitteln aushelfen; aber sie waren gefällig, und da jetzt Geld vorhanden war, übernahmen sie es gern, alles Fehlende herbeizuschaffen. Es war eine Freude zu sehen, wie die armen, hnngcrilden Leute erquickt wurden, wie sie gleichsam auflebten unter der Hand ihrer Pfleger. Sie begrüßten Akiba als ihren rettenden Engel. Er aber lehnte den Dank ab. „Nicht mir seid ihr verpflichtet," sprach er, „sondern dem edlen Weibe, das ich so glücklich bin, mein eigen zu nennen. Sie hat das Geld mit ihrer Hände Arbeit erworben -und es sich pfennigweise erspart. Es ist zwar nur wenig; doch wird es für die nächsten Tage ausreichen, und Gott wird weiter helfen." Am andern Tage trat Akiba vor seinen Lehrer und bat ihn, ihm zu gestatten, einige Stunden des Tages vorn Lehrhause fern zu bleiben. „Bisher," sprach er, „hat mich mein Weib ernährt und die Kosten des Haushaltes bestritten, so baß ich ungestört mich dem Studium widmen konnte. Nun aber wird sie für einige Zeit nicht im Stande sein, zu arbeiten. So muß ich denn daran denken, so viel zu erwerben, wie wir gebrauchen. Aber ich werde dem Studium deßhalb nicht minder eifrig obliegen; ich werde einen großen Theil der Nacht zu Hilfe nehmen." „Gestatte mir," entgcgnete Nachum, „daß ich Dir mit dem Meinigen aushelfe; ich bin wohlhabend, und cs ist mir ein Leichtes, Dir so viel zu gewähren, wie Du gebrauchst, um Dich und Deine Familie zu ernähren/' „Das sei fern von mir," antwortete Akiba, „daß ich Geschenke annehme, solange mein Arm noch kräftig ist, um mein Brod zu erwerben; ich würde dadurch nur Andere berauben, die arm und krank sind und nicht im Stande, für sich selbst zu sorgen. Siehe, Rabbi, da ist in meinem Dorfe ein armer Mann, Namens Elijahu; er liegt seit Wochen auf dem Schmerzenslager, denn er hat ein Bein gebrochen, und nun hat seine Frau am gestrigen Tage ein Knäblein geboren. Willst Du für diese Elenden und Armen sorgen, Rabbi, so wirst Du ihnen in der größten Noth ein Retter sein. Diese bedürfen dringender Hilfe, nicht ich." „Du bist ein edler Mensch, Akiba," sagte Nachum und reichte seinem Schüler die Hand. „Gott segne Dich. Wenn sich solche Männer wie Du, der Erforschung der heiligen Gotteslehre widmen, so ist Israel nicht verwaist. Gehe in Frieden und gewinne durch Deiner Hände Arbeit die Nothdurft Deines Hauses." „Mein theurer Lehrer," antwortete AkibS, „Dein Segen ist mir mehr werth als Tausende Goldes und Silbers." Akiba kehrte nach Hause zurück und bat Rahel, daß sie nunmehr von der Arbeit lasse und sich so schone, wie cs ihr Zustand erheische. Dann ging er in den Wald und sammelte Kienholz, das er in kleine Stücke zerschnitt, in Bündel zusannncnband und auf dem Markte zu Gimso verkaufte. Einen! Theil davon jedoch behielt er für sich. Das Holz