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Der Israelit · 1881-02-16 · Heft 7 (16.2.1881) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 7 (16.2.1881)
Date
1881-02-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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158 Kaiser. Den Grand-Rabbiner Hazan begleitete der Hofwechsler Ignaz Deutsch. Der Kaiser sprach zuerst in deutscher Sprache mit dem Hofwechsler Deutsch, hierauf mit dem Rabb. Hazan in italienischer Sprache. Der Gratulant wußte bei seiner Abfahrt von Tripolis noch nichts von der Verschiebung der Hochzeit des Kronprinzen, und um seinen hiesigen Aufenthalt nicht so lange hinauszuschieben, bat er um die heutige Audienz, die ihm auch bewilligt wurde. Der Kaiser dankte in freundlichen Worten für die Gefühle der Anhänglichkeit, welche die Israeliten in Tripolis für das kaiserliche Haus bewahren. Die Audienz währte nahezu drei Viertelstunden. XL Prag. Bekanntlich hatte — wie dies auch s. Z. in Ihrem geschätzten Blatte berichtet wurde — die hiesige jüdische Fleischhauerzunft sich über die Anordnungen des Oberrbbinates und die Entscheidung der Cultus-Gemeinde-Repräsentanz bei der Statthalterei beschwert und ist folgender Erlaß des Prager Magistrates herabgelangt, der principiell von höchster Bedeutung ist, und den wir deßhalb seinem ganzen Wortlaute nach folgen lassen. Zufolge Erlasses der hohen Statthalterei vom 30. November 1880 Nr. 57,415 wird dem Vorstande der Josefstädter Fleischhauergenossenschaft über die dortamts überreichte Recursbeschwerde gegen die Entscheidung der isr. Cultus-Gemeinde-Repräsentanz in Prag vom 22. Juni 1880 Nr. 550 wegen verweigerter Enthebung das von der letzteren angestellten Schlächters, Herrn Michael Löwy, so wie des Vorganges bei Anstellung desselben, dann über die weitere Beschwerde des Herrn Heinrich Stein, Vorsteher der erwähnten Fleischhauergenossenschaft gegen die Verfügung des Herrn Oberrabbiners in Prag vom 21. August 1880, betreffend die Gestattung der Ausschrottung des Fleisches für Mitglieder der Prager israelitischen Cultusgemeinde, lediglich seitens zweier Fleischhauer bedeutet, daß die meritorische Entscheidung über diese innere Angelegenheiten der Prager isr. Cultus-Gemeinde, beziehungsweise des Oberrabbinates, als da sind: Die rituelle Schlachtung der Thiere und die Fleischausschrottung im Grunde des Nr. 15 des Staatsgrundgesctzes vom 21. December 186y R.-G.-B. Nr. 142, lediglich der Prager isr. Cultus-Gemeinde-Repräsentanz, als zu ihrem übernommenen Wirknngskreise gehörig zusteht, und diesem nach jede Jngcrenz der Verwaltungsbehörde im vorliegenden Falle eine Ueberschreitnng der Kompetenzspähre derselben involviren würde. Von: Magistrate der königlichen.Hauptstadt. Prag, am 17. December .1880. Im Aufträge des Bürgermeisters. Einige sogenannte antisemitische Flugblätter, die von deutschen an österreichische Buchhändler eingesandt wurden, sind sofort von den Behörden mit Beschlag belegt und vernichtet worden. Bei uns in Oesterreich ist für diese Giftsaat kein Boden, eine gerechte Gesetzgebung betrachtet die Aufreizung gegen Nationalitäten oder Glaubenbekcnntnisse, als das was es in der That ist, als ein Verbrechen und bestraft es als solches. Die nichtswürdige Meute der Kultur- und Judenfeinde, die wie sich jetzt täglich klarer herausstellt, eine ganz belanglose verschwindend kleine Minorität bildet, und durch die Verachtung des ganzen deutschen Volkes und der gefammten civilisirten Welt gerichtet und vernichtet ist, hätte bei uns in Oesterreich nicht eine Minute in des Wortes wahrster und eigenster Bedeutung zu bestehen vermocht. Feuilleton Akiba. VII. Das Dörfchen, in welchem die Lehmhütte Akibas sich befand, hieß Korchah; daher wohl nannten ihn noch in spätern Jahren seine Freunde: Koreach, und nicht wie Andere meinen, weil er im spätern 'Alter sein Haupthaar verloren*). Es war eine niedrige, ärmliche Hütte, die Akiba mit seiner Gattin bewohnte, aus nur zwei Räumen bestehend, von denen der eine als Wohn- und Schlafzimmer diente, während der andere von Rahel als Küche und von Akiba als Studirzimmer benutzt wurde. Die beiden jungen Eheleute besaßen nicht einmal ein Bett; sie schliefen auf dem Stroh, und wenn Morgens Rahel die Strohflocken aus ihren Haaren entfernte, dann schmerzte es Akiba, daß die in Reichthum und Ueberfluß Erzogene ein so entbehrungsvolles Leben führen mußte. — Aber es gab noch ärmere Leute. In Korchah wohnte ein Mann, Namens Elijahu; er hatte bei der Arbeit ein Bein gebrochen, und lag nun seit Wochen auf dem Schmerzenslager; schon war Alles, was er besessen hatte, verkauft; da genas, um das Elend voll zu machen, seine Frau eines Knäbleins. So lagen sie nun Beide, Mann und Frau, krank und *) Aus bcuifclC'cu (inunfee wurde wohl auch sein ^ohu Ben Korchah" genannt.

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