Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1881)
- Date
- 1881-02-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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157 send. Die sämmtlichen Herren Bürgermeister des Amtsbezirkes haben in 8 Tagen pflichtgemäß und wahrheitsgetreu anher anzuzeigen, ob und welche Versuche in ihren Gemeinden behufs Anschlusses an die antisemitische Bewegung bereits gemacht, insbesondere ob bereits Unterschriften zu diesem Zwecke gesammelt worden seien. Nürnberg, 7. Februar. Gestern versuchten die hiesigen Antisemiten unter Führung der Herren Erhard und Meyer eine Judenhetzversammlung in Unterweihersbach abzuhalten. Die zahlreich erschienenen Arbeiter gingen den Herren Einberufern aber so scharf zu Leibe, daß diese unverrichteter Sache wieder abziehen mußten. Wnrrbnrg. nt.owo Welche Vorsicht man in religiöser Beziehung gewissen Geschäftsmanipulationen gegenüber zu beachten hat, beweist die Thatsache, daß Leute, welche nichts weniger als auf religiöses Vertrauen Anspruch zu machen berechtigt sind, Süßwein für -itco und auf nos brauchbar nach dem fernen Osten Deutschlands versenden, indem sie einen ->&on von einer unbekannten (fingirten) Persönlichkeit beifügen. Das heißt doch die Gewinnsucht auf's Höchste bringen und mit dem Vertrauen schändlichen Mißbrauch treiben. Mögen diese Zeilen dazu beitragen, die Einen zu größerer Vorsicht zu mahnen, und sie zu veranlassen, rn->L-r-Artikel nur von solchen Firmen zu beziehen, deren eigene Religiosität, sowie etwa vorgelegte -^--Briefe die nöthige Garantie bieten, die andern hingegen zu warnen, ihr gewissenloses Treiben einzustellen, um nicht nebst der Gewissensbelastung sich auch eine öffentliche Brandmarkung ihres Namens und Geschäftes zuzuziehen. 8 Hobebach (Württemberg), 2. Febr. In dem Städtchen Schwaigern, Oberamts Brackenheim, gibt der dortige Pfarrer Carl Weitbrecht eine Wochenschrift, unter oem Titel „Neues deutsches Familienblatt" heraus, welche den Verfolgungen der antisemitischen Gesellschaft mit aller Macht in die Hände arbeitet. Daher nehme ich heute Veranlassung, alle unsere Glaubensgenossen davor zu warnen, auf dieses Schmähblatt zu abonniren. I. L. Sänger, Schullehrer. Witten a. d. Ruhr, 6. Febr. Wie gerne unsere hochl. Regierung gerechte Ansprüche aller Konfessionen, dem Prinzipe der Gleichberechtigung entsprechend, bereitwilligst zu berücksichtigen geneigt ist, beweist folgender Vorfall. Nachdem sowohl die hiesige städtische Schuldeputation als die Königl. Regierung zu Arnsberg mein Gesuch um Dispensation meiner, die hiesige evangelische Volksschule besuchenden Kinder, von der Theilnahme am Unterrichte an unfern heil. Sabbaten — für unsere o^d o-o* hatte ich solche bereits erwirkt — abschlägig beschiedeu worden war, wurde ich der hohen Wichtigkeit der Sache halber nochmals und zwar bei dem Königl. Ministerium für Cultus- und Schulangelegenheiten vorstellig und erhielt von diesem zu meiner Freude nachstehenden genehmigenden Bescheid: Die Königl. Regierung ermächtige ich hierdurch, den Kaufmann S. K a h n zu Witten, welcher nach der nebst Anlagen mitfolgenden Vorstellung vom 7. October c. besondern Werth darauf legt, seinen die evangelische Schule daselbst besuchenden Sohn auch an den Sabbaten an dem Schulunterrichte nicht theilnehmen zu lassen, von dieser Verpflichtung in der Voraussetzung zu entbinden, daß sich hieraus keinerlei Unzuträglichkeiten für den Unterricht der übrigen Kinder ergeben. In Vertretung gez. G o ß l e r. An die Königliche Regierung zu Arnsberg. Vorstehende Abschrift lassen wir Ihnen unter Rückgabe der Anlagen als Bescheid auf Ihre bezügliche Vorstellung zugehen. Witten, 18. Januar 1881. Die Schuldeputation gez. R. Brixenstein. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Am 3. d. ist der Chacham-Baschi (Großrabbiner) von Tripolis in der Berberei, Elia Hazan, in Wien eingetroffen, um Sr. Majestät im Namen seiner Gemeinde, die sich des besonderen Schutzes Oesterreichs erfreut, zur bevorstehenden Hochzeit des Kronprinzen eine Beglückwünschungs- Adresse zu überreichen. Rabbi Elia, welcher 1874 zum Chacham-Baschi von Tripolis ernannt wurde, spricht geläufig Italienisch, Spanisch, Arabisch und Türkisch. In der nächsten Woche wird der Großrabbi von Sr. Majestät in Audienz empfangen werden. Die Adresse ist in hebräischer und italienischer Sprache abgefaßt, trägt die Unterschriften des Ueberbringers, als Chacham Baschi, und des österreichischen Konsuls in Tripolis, Saul Löwy, und ist mit drei Siegeln — dem der Gemeinde, des Rabbinats und des Konsulats — versehen. Rabbi Elia hat die Absicht, bis zur Hochzeit des Kronprinzen in Wien zu bleiben. Die Reise nach Wien hat er — mit Frau und Kindern — über Malta, Sicilien, Rom und Livorno zurückgelegt. Am 7. d. M., Vormittags zwischen 10 und 11 Uhr hatte der Grand-Rabbiner Hazan aus Tripolis Audienz beim