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Der Israelit · 1881-02-16 · Heft 7 (16.2.1881) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 7 (16.2.1881)
Date
1881-02-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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es uicht unbescheiden von mir finden, wenn ich als Laie es wage, ihnen die Umrisse eines solchen Bildes hiermit in folgenden Thesen vorzusühren: 1. Es ist ein dem Berliner L>eminarvereiu ähnlicher Verein zu gründen, dessen Ausschuß und Agenten für die Aufbringung der Mittel zu wirken hätten. Dieser allerdings selbstständige Punkt ist darum hervorzuheben, weil man um Schüler zu bekommen, das Augenmerk aut arme Knaben ’ja wird richten müssen, welche durch reichliche Unterstützungen heranzuziehen wären. 2. Diese Knaben müßten bei noch möglichst frühem Lebensalter — etwa zu 10 Jahren — gewonnen und mit ihnen die Vorbereitung nach beiden Richtungen p« rn dj> m-.n ernstlich begonnen werden. 3. Man darf zu nächst nicht an einegroße centralisirte Anstalt denken. Abgesehen von den Schwierigkeiten, welche eine solche bezüglich der Genehmigung und Aufsicht der Behörden finden würde, erforderte sie auch so viele Mittel, daß die Ausführung des Planes lange, lange nicht möglich werden dürfte. Außerdem stehen einer solchen Anstalt — die Schüler zwischen dem 10. bis 20. Lebensjahre umfassen würde — sehr schwerwiegende pädagogische Bedenken entgegen. 4. Die von dem Vereine zu unterstützenden Knaben sind an Plätzen unterzubringen, wo sich ein Rabbiner befindet, der Zeit und Willen hat, den Thoraunterricht zu ertheilen, aber an solchen Rabbinatssitzen, die eine Lateinschule (Progymnasium) haben; denn mein Plan setzt voraus, daß diese Knaben während ihrer ersten vier Studienjahre, die noch in das Alter der Volksschulpslichtigkeit fallen, die Lateinschule besuchen. Unmaßgeblich und ohne andere Plätze ausschließen zu wollen, nenne ich beispielsweise als geeignete Plätze in Bayern: Aschaffenburg, Kitzingen, Schwabach, Würzburg. 5. Diesen oder allenfalls zu wählenden andern Orten würden die Schüler nach einem festzustellenden Turnus derart überwiesen, daß z. B. im ersten Jahre Aschaffenburg, im zweiten Kitzingen, im dritten Schwabach, im vierten Würzburg aufnehmen würde, und jeder Ort seine Schüler vier Jahre behielte. Dieser Modus hätte den Vortheil, daß jeder Thoralehrer nur eine einzige Klasse zu unterrichten hätte, und jeder Schüler seinen Thoralehrer vier Jahre behielte, was wegen des Zeitgewinns und aus pädagogischen Gründen sehr hoch anzuschlagen wäre. 6. Das Lehrziel im Thoraunterrichte, welches während dieser vier ersten Studienjahre anzustreben wäre, müßte den Anforderungen entsprechen, welche die israel. Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg für den Eintritt in dieselbe fordert. Hierauf beruht mein Plan für die nächsten zwei Jahre (drittes und viertes Studienjahr.) 7. Ich denke nämlich, daß nach zurückgelegtem 14. Lebensjahre, beim Beginn des fünften Studienjahres, der Thoraunterricht dermaßen auszudehnen ist, daß ein mit der Lateinschule und dem Gymnasium gleichlaufender Gang nicht mehr möglich ist. Darum schlage ich vor, die Schüler sollen während ihres fünften und sechsten Studienjahres den Thoraunterricht in der israelitischen Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg mitgenießen und den auf nur ein Jahr bemessenen Lehrstoff der fünften bayer. Lateinschulklasse durch gemeinschaftlichen Privatunterricht in zwei Jahren absolviren. Für diesen Privatunterricht finden sich in Würzburg wohl Lehrkräfte, und wegen der Theilnahme an dem Thoraunterrichte an der Lehrerbildungsanstalt, mehr wird nicht verlangt, müßte man sich mit deren Vorstandschaft verständigen. 8. Inzwischen hätten die Schüler das 46. Lebensjahr vollendet; sie hätten den Pentateuch mit dem Commentar Raschis, a\:w*n d\xoj und einen großen Theil von D':nn« dw’dj, etwa die Hälfte des bin "r>, vier d’-hd Mischna, wohl über 200 Blatter:: (im letzten Jahre mit n rcin und ar«"-)) gelernt und die Reife zum Eintritt ins (Ober-)Gymnasium erlangt. Von da ab dürfte eine eigene Anstalt (Vorseminar) mit 3 oder 4 Jahrescursen, je nachdem die abschließende Vorbereitung für das Berliner Seminar es erfordert, sich empfehlen. Ein Freund, der sich für diese Sache interessirt, nannte mir Frankfurt a. M., dki als den für eine solche Anstalt geeigneten Platz. Ich nenne diesen Namen und zeige überhaupt diese Krönung des mir vorschwebenden Gebäudes nur aus der Vogelschau, da wir bis dahin noch einen weiten Weg haben und vorerst für den Unter bau sorgen müssen. 9. Es sei mir gestattet, mein Bild in seiner praktischen Ausführung hier noch vorzuführen. Angenommen, der Verein beginnt sein Wirken mit 5 theils vollständig, theils halbunterstützten Schülern, so hätte er im ersten Jahre für fünf, im zweiten für zehn, im dritten für fünfzehn u. s. f. im zehnten für fünfzig Schüler zu sorgen. Hiernach sind die Kosten, resp. die nöthig werdenden Mittel zu bemessen. Rechnen wir den sicher durch freien Entschluß oder andern Veranlassungen nicht ausbleibenden Abgang auf durchschnittlich 20°/o, so könnten dem Seminare in Berlin vom eilften vielleicht zehnten Jahre an jährlich vier Schüler deutscher Zunge wohlvorbereitct übergeben werden. 10. Ich verhehle mir nicht, daß Mancher dieses Resultat im Verhältniß zu den Mühen und Kosten, durch welche es herbeigefnhrt werden soll, geringe finden wird. Allein das liegt in unseren heutigen

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