Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1881)
- Date
- 1881-02-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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154 soll der Mensch zu jeder Zeit den aufsteigenden Zorn mit aller Kraft seines Willens bekämpfen. Um wie viel mehr ist das unsere Pflicht am Sabbat, am heiligen Tage des Herrn. Da sei Friede unser Loosungswort, Friede mit uns selbst, Friede mit unfern Mitmenschen, Friede mit unfern Angehörigen, Friede mit unfern Gegnern und Feinden. Und wenn dann der Friede eingekehrt ist in des Menschen Brust, so begleiten ihn Engel Gottes in sein Heim, mag dieses nun in einem Palaste oder in einer Hütte sich vorfinden. Der Tisch ist festlich gedeckt; auf ihm leuchten die Sabbatlichter, und Blumen schmücken ihn. Freundlich tritt dein Hausherrn die festlich augethane Gattin entgegen und bietet ihm liebevoll den Sabbatgruß. Es nahen die Söhne und Töchter, die Schwiegersöhne und Schwiegertöchter, die Enkel und Enkelinnen. Er legt segnend die Hände auf das Haupt des Sohnes und spricht: Möge Gott Dich machen wie Ephrajim und Menasche, auf denen der Segen unseres Vaters Jakab ruhte; er legt segnend die Hände auf das Haupt der Tochter und spricht: Möge Gott Dich machen wie Sara, Riwka, Rahel und Leah, die heiligen Stammmütter unseres Volkes. — Dann begrößt er die Engel des Friedens, die ihn nach Hause geleitet haben, und diese sprechen: „Möge es Gottes Wille sein, daß Du am kommenden Sabbat ebenso froh und glücklich in Dein Haus einkehrest." Wahrlich, welcher jüdische Mann fühlt sich nicht beglückt in solchen weihevollen Augenblicken! Und deßhalb preist er den hohen Werth der jüdischen Frau, der treuen Gefährtin seines Lebens, mit den herrlichen Worten des weisen Königs: Ein biederes Weib, wer findet es! Köstlicher als der werthvollste Schmuck ist ihr Erwerb. Es vertraut auf sie das Herz ihres Gatten, und an Gut wird es niemals fehlen. Sie thut ihm Gutes und nicht Böses alle Tage ihres Lebens. Siehe, sagte der weise Abaja im Talmud, wie unschätzbar ist der Besitz eines guten Weibes! Sind die Worte der heiligen Schrift, die das gute Weib so hoch stellen, im Wortsinne zu nehmen, so ersiehst Du daraus das hohe Glück, ein gutes Weib zu besitzen; bezieht sich aber die Schilderung Salomo's auf die Gotteslehre, so magst Du daraus erkennen, wie unschätzbar das gute Weib ist, da man mit ihr die Gotteslehre vergleicht. O, wüßten doch unsere von Gottes Gesetz abgefallenen Brüder und Schwestern, welche unschätzbaren Güter sie durch die Entweihung und Verletzung der Sabbatruhe aufgcgeben haben! Alle ihre Vergnügungen, nach denen sie so sehr streben, Bälle, Gesellschaften, Besuch des Theaters, Ausflüge?e. können ihnen nicht die seelische Weihe und den geistigen Genuß der Sabbatfeier ersetzen. Und das innige jüdische Familienleben, die heiße Liebe der Eltern zu den Kindern, die innige Hochachtung, Ehrfurcht, und Treue der Kinder für die Eltern — das Alles findet in der Sabbatfeier Nahrung und Gedeihen. Die Sabbatruhe ist das köstliche Band, welches Gatte und Gattin in Treue und Liebe vereint und erhält, nicht blos während des flüchtigen Traumes der Jugendliebe, sondern '"n alle Tage ihres Lebens. Es gibt nichts in der Welt, was unseren modernen Brüdern und Schwestern die Sabbatruhe zu ersetzen vermöchte. Ihnen verfließt ein Tag wie der andere, und nur zu oft entfremdet die Geschäftigkeit des Mannes und die Vergnügungssucht des Weibes sie einander und beide ihren Kindern. Dann gibt es unglückliche Ehen, Zwist und Streitigkeiten vollauf. — Die Sabbatruhe ist eine der Grundlagen des Judenthums; wer sie verletzt führt für sich und und die Seinen den Zusammensturz des ganzen Gebäudes herbei. Nur, wer den Sabbat heiligt, hat Antheil an dem Erbe unsres Vaters Jakobs, onso ein Erbtheil ohne Grenzen. (Fortsetzung folgt.) Zur AMinerbildungsfrage. Aus Bayern. Sie haben in Nr. 5 des „Israelit" eine Eorrespondenz aus Bayern gebracht, und derselben eine Redaktionsbemerkung beigefügt, welche der im Artikel geforderten Vorbereitung das Nabbinerseminar in Berlin als Ziel anweist. Durch diese Ihre Bemerkung haben Sie in dieser Angelegenheit eine sehr wesentliche Vorfrage gelöst. Da nämlich dieses Seminar ein gewisses Maß auch classischer Vorbildung fordert, so enthält Ihre Aeußerung implicite das Zugeständniß, daß diese profane Vorbildung gleichzeitig mit der Thorakenntniß zu erstreben ist. Für diejenigen, welche nicht Utopien suchen, die nicht vergessen, daß das Beste des Guten schlimmster Feind ist, wäre damit ein Standpunkt gezeigt, auf welchem sich gewiß sehr viele die Hand reichen werden, um für die Lösung der Rabbinerbildungsfrage mit Rath und That einzutreten. Denn es gibt, Gott sei Dank, noch immer viele Herzen, die den herbsten „Judenschmerz," die Vernachlässigung des Thorastudiums, sehr lebhaft empfinden. Ich danke daher dem Herrn Anreger der Sache; doch glaube ich, daß ihr mit frommen Wünschen, wenn auch noch so beredt und eindringlich, wenig gedient äst, so lange nicht au anschaulichen Bilden; die Art und die Möglichkeit der Ausführung gezeigt wird. Mögen die verehelichen Leser des „Israelis,