Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1881-02-09 · Heft 6 (9.2.1881) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 6 (9.2.1881)
Date
1881-02-09
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447850-2447856--17223-2473236
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

146 gleichgiltig sein. Jeder neue Versuch aber, den akademischen Frieden durch Agitationen zu stören, wird uns von Neuem als Gegner auf dem Platze finden." Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien, 14. Scbcbath. (Unlieb verspätet.) Der Mahnruf unserer frommen Alten, das; eine ganze Genossenschaft mit Besorgnis; um einen Ersatz erfüllt sei, wenn ein Mitglied ans derselben getrennt wird, findet fetzt bei uns seine volle Anwendung, denn einem göttlichen Rathschtusse zufolge hat am 11. Schebat eine der ausgezeichnetsten, hervorragendsren, jüdischen Frauen, Frau Fanni Wärndorfer in ihrem 7t. Lebensjahre ihre irdische Laufbahn beschlossen und wurde nach ihrer letztwilligen Verfügung in ihrer Vaterstadt Preschurg zur letzten Ruhe bestattet. Der Verlust ist eine schwer auszufüllende Lücke, ihr Tod hat nicht nur bei ihrer zu den angesehensten Wiens zählenden Familien und andern ihr Nahestehenden, sondern auch weit über die Grenzen ihres Wohnorts hinaus, namentlich in ihrem .l?eimathslande Ungarn, wahre Trauer erregt. Die Hingeschiedene hat mit allgemeiner Humanität die wärmsten religiösen Gesinnungen und eine in unfern Tagen höchst selten gewordene Hingebung an das Jnd'enthum vereinigt; sie beobachtete selbst noch unter den Beschwerden 'des Alters und des Leidens streng die Vorschriften unseres Glaubens und hat nickst nur .Hilfsbedürftige und Gelehrte der rabbinifchen Wissenschaft in reichlichster Weise unterstützt, sondern auch mannigfache, jüdische Wohlthätigkeitsanstalten durch namhafte Beträge zu wiederholten Malen gefördert und in ihrer regen Theilnabme das Erscheinen religiöser und jüdisch-wissenschaftlicher Werke durch materielle Unterstützung möglich gemacht. So wie sie durch die Wahrnehmung der Erkaltung des Glaubenseifers schmerzlich berührt wurde, so gehoben war anderseits ihr frommes Gemüth, so oft das Judenthum über seine äußern oder inner» Feinde einen Sieg errang, zu welcher Stimmung ihr nicht selten die diesbezüglichen Erfolge des „Mainzer Israelit" Anlaß gaben. Die Verblichene hat sich in der Erinnerung Hunderter ein bleibendes Ehrendenkmal gesetzt. Sie ruhe sanft! Jakob Fischer. Feuilleton. Uus dem Hagebuche eines AezirKs- Aabdiners. XI. Hattenfels, im October 1880. Nach dem Morgengebet versammelt sich die Gemeinde an jedem Sabbat in ihren verschiedenen nron; j i i so war es nämlich seit undenklichen Zeiten in Hattenfels gewesen, aber der neuen Aufklärung mußten die alten nnsn zum Opfer fallen; der instinctive Haß, den alle Reformjnden gegen die alten Chevroth haben, hat mich zuerst auf die Betrachtung geführt, welchen Anthcil wohl diese Vereinigungen an der echten, unverkümmerten, jüdischen Gesinnung haben niögen, womit eine Kehille alten Schlags noch ihr letztes Mitglied ausznrüsten verstand und versteht. Die Bedeutung solcher Vereinigungen springt gerade in unserer Zeit in die Augen. Eines der wesentlichsten Momente, welches unser Jahrhuudert vor feinen Vorgängern anszeichnet, ist ja eben daö Streben nach Bildung von Vereinen. Das Bewußtsein, daß Einigkeit stark macht, kommt allenthalben so intensiv zum Ansdruck, daß es heutzutage kaum eine Handvoll Leute von gleicher Gesinnung gibt, die nicht zu einem Verein zusammentrcten, uni so mit vereinten Kräften dieser ihrer Gesinnung nachhaltigeren Ausdruck zu verleihen. Der glänzende Erfolg, der diesen Zug nach Vereinsbildnng überall begleitete, lenkt die Aufmerksamkeit des denkende?! Inden unwillkürlich ans den Einfluß der Vereinigungen, welche sich innerhalb aller alten Kehilloth zn einer Zeit vollzogen, als man in anderen Kreisen noch vielleicht kaum eine Ahnung von der hohen Bedeutsamkeit des Vereinswesens hatte. In Hattenfels hatten sic eine eumn n-on, dann eine cmn -mp man und endlich eine man min tq^p. — Die erste Ehcvrah hatte den Zweck für die religionsgesetzlich vorgeschriebene würdige Behandlung und Bestattung der Verstorbenen zu sorgen: das Ressort der zweiten war die Wohlthätigkeit gegen Armen und speciell Kranke, die dritte hatte die Verbreitung der Thorakenntnis; zum Ziele. — Ich hatte Gelegenheit einen Blick in die Statuten dieser Vereine zu werfen und die organisatorische Weisheit zu bewundern, welche sich in ihrer präcifeu Fassung kund gibt. — Die älteste dieser nran ist über 200, die jüngste ca. 100 Jahre alt; was haben sie verbrochen, daß man sie zwar nicht geradezu auslöste, aber doch vollständig verfallen ließ? Jede dieser nv-on hatte neben ihrem, eigenen edlen Zweck auch noch denjenigen, jeden gemeinschaftlich zum „Lernen" sich zusammenzufinden, bei der m'n hd^i man war dies sogar ursprünglich jeden Abend der Fall. Wenn mit so vollen Händen der Geist der Thora in die Gemeinde gestreut wird, braucht man dann noch zu fragen, warum die bundesbrüchigen Abgefallenen diesen Ehevroth gram sind? Dazu kam noch ein weiteres in der Verwaltung der Gemeinde begründetes Moment. Die Verwaltung der Gemeinde lag lediglich in der Hand eines von der Gemeinde gewählten Vorstandes. Solange der Vorstand dem Vertrauen entsprach, das ihn an die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.