Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1881)
- Date
- 1881-02-09
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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147 Spitze der Gemeinde gestellt hatte, genügte diese Vertretung der Gemeinde vollkommen. Die Gemeinde hatte fast nie nöthig sich in Gemeindcangelegenheiten zu versammeln. Die nnan, in denen bei den allwöchentlichen Zusammenkünften alle Kehillesachen besprochen wurden, waren der treue Ausdruck dessen, was die Gemeinde wunschre und waren für einen Vorstand, der sich im Einklang mit der Gemeinde wissen wollte, der untrügliche Maßstab für den Willen der Gemeinde. Einem Vorstände dagegen, der seine eigene Allüren hatte, waren die man auch schon deßhalb sehr lästig; sie erschwerten alle unjüdischen Neuerungen. Man rüttelte daher an den nP3n selbst und zwar in recht rassinirter Zunächst wurden die nöthkgen Hebel angcsetzt, um den Mitgliedern der nnan die Freude lächerlich erscheinen zu lassen, die jede dieser nnan dadurch bot, daß sie ihrem StiftuugStag festlich beging und rhu Abends mit einem Festessen abschloß. — Dieses Essen und Trinken sei einer Vereinigung, die mir ideale, humanitäre Zwecke austrebe, unwürdig, meinte der Herr Vorsteher alljährlich, wenn die Zeit der Tran rmj?D herankam und die einzelnen Mitglieder Zusammentraten, um nähere diesbezügliche Bestimmungen zu treffen. Herr Waldberg — der mir diese Mittheilungen machte — war dann wieder der Anwalt der alten jüdischen Sitte und wies auf den Kitt hin, den eine so gesellige Zusammenkunft gerade für Mitglieder einer Gesellschaft bedeute, die das ganze Jahr nur durch ernste Anlässe zusammeugeführt wurde, wie gerade Mitglieder einer Vereinigung, an welche im Lause des Jahres die herbsten Bitterkeiten des Lebens heranträten auch ein Recht Hütten, einen Abend im Jahre fröhlich zusammen zu sein. Von dein Werth oder Uuwerth dieser Begründung aber ganz abgesehen hätte keine nnan das Recht ihren~nj/D aussallen zu lassen, ohne sich eine Verletzung ihres Statuts schuldig zu machen, in welchem das Festessen selbst wie die Betheiligung jedes einzelnen Mitgliedes zur unerläßlichen Verpflichtung gemacht war. Und wenn für die mwo gar nichts weiter spräche, als der Werth, den unsere alten n’jpn — so nannte man die Staruten — darauf legen, so mußte das jedem Mitgliede genug sein. Denn wahrlich, so pflegte Herr Waldberg seine Ausführungen zu schließen, unsere Alten haben mit ihrem Essen eine größere nwv geiibt, als wir mit unserem Fasten. Aber alle Beredsamkeit vermochte den unterminirenden Bestrebungen des Herrn Vorstehers gegenüber nichts zu erreichen. Da noch jedes einzelne Mitglied für sein Couvert extra einen Theil zahlen mußte, so war es leicht nach und nach die mnyD der einzelnen nnan abzuschaffcn und so der Betheiligung an den Zwecken der man den äußeren Reiz zu nehmen. — Die Folge war, daß dann die nnan von Jahr zu Jahr an Interesse verloren, daß man zwar noch nach wie vor seinen Beitrag zahlte, aber um die Zwecke der mar, selbst sich nicht kümmerte. Neue Mitglieder traten nicht mehr ein, und die Zahl der alten wurde von Jahr zu Jahr gelichtet. Am längsten war die Dnon man ihren Traditionen treu geblieben. Das kam daher, daß der Herr Vorsteher sich vor ihr und ihren Handthierungen fürchtete, und um keinen Preis an einem alten Herkommen gerüttelt hätte, das mit dem Tode in irgend welcher Beziehung stand. Ein geschmackvoller Leichenwagen war z'. B. einer der sehnsüchtigsten Wünsche des Herrn Vorstehers, aber er hätte^ sich für die beiden Indien nicht entschließen können/ ctitcr derartigen Einführung das Wort zu reden, denn er war voll dem Aberglauben besangen, daß derjenige, aus dessen Vorschlag ein solcher Wagen eingeführt würde, ihn zuerst benutzen müßte. Die Tioereditirung der man besorgte der „selige" Herr Bezirksrabbiner, wie mir Herr Waldberg ebenfalls erzählte, deohalb selber. Derselbe habe einmal auf mn na& die Gemeinde mit seinem Besuche überrascht und eine Predigt über die lleberflüssigkeit des a«a njwn im Besonderen und des Fastens im Allgemeinen gehalten. Das Hiurmelreich sei nahe, Zion läge nicht mehr in Asien, sondern in .g, wo erst neulich eine Synode, Angesichts des Schwindens aller politischen Schranken auch die Beseitigung der religiösen decretirt habe; und dergl. mehr. Alles war entzückt oder doch verblüfft ob dieser neuen Offenbarung, der Herr Rabbiner blieb noch über asa nytrn in der Gemeinde, schaffte die mrp ab, hielt an deren Stelle eine einstündige Festrede, nachdcrn er sich vorher durch ein kräftiges Frühstück gestärkt hatte, und das Gros der Gemeinde folgte dem Beispiele ihres Hirten, wenigstens hinsichtlich des Frühstücks. Aber es gab auch einige hartnäckige Finsterlinge, die sich die neuen Lehren nicht 'zu Herzen nahmen und den Tag der Zerstörmlg unseres Heiligthums fastend begingen. Das betrübte den Herrn Vorsteher selbstverständlich in hohem Grade und er schüttete sein Herz vor seinem Seclenhirtcn aus; vergaß aber über seinem Schmerz nicht hinzuzufügen, wie der alte Waldberg eigentlich die Seele des ganzen Widerstandes sei und wie zunächst dieser für die neuen Heilswahrheitcn gewonnen werden müßte. Der selige Herr Bezirksrabbiner läßt Herr Waldberg zu sich entbieten, Herr Waldberg läßt aber dem Herrn Rabbiner sagen, daß er an ata njwn keine Besuche mache. — Der Herr Rabbiner jedoch, durchdrungen von dem Streben, seine neue Wahrheiten