Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1881-02-09 · Heft 6 (9.2.1881) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 6 (9.2.1881)
Date
1881-02-09
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2447850-2447856--17222-2473235
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zweite Beilage zu Ilr. 6 -cs Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 8. Februar. Unsere geehrten Leser werden sich erinnern, daß das in Berlin erscheinende judenfeindliche Witzblatt „Die Wahrheit" in Nr. 50 des vorigen Jahres eine gehässige bildliche Darstellung brachte, die ein angebliches Citat ans dem „Israelit" illustriren sollte. Wir haben bereits in Nr. 1 des „Israelit" dagegen protestirt und das angebliche Citat als eine von der „Wahrheit" ersonnene Unwahrheit bezeichnet. DieRedaction des genannten Blattes schreibt uns nun Folgendes: „Hierdurch theilen wir Ihnen mit, daß wir jene Aeußerung: „Binnen zwei Dezennien wird der Ackerbau in Galizien sich zum großen Theil in den Händen der Juden befinden. Auch hierin sehen wir das Walten der Vorsehung mit dem beständigen Schutz für unser so viel duldendes Volk (Aus der Zeitschrift: „Der orthodoxe Israelit", Jahrg. 1878)", erst selbst einer andern Quelle entnommen haben und sie in dieser als dem „Israelit" entnommen bezeichnet wird, ferner, daß die Urquelle keine Lüge, sondern nur einen Jrrthum begangen hat, da sich diese Stelle vorfindet in Philippsons „Allgemeine Zeitung des Judenthums" 1878, Nr. 27, S. 426." Wenn dem so ist, wie die Redaetion der „Wahrheit" in Vorstehendem mittheilt, so hat sie allerdings jene Lüge nicht ersonnen, sondern blos nachgeschrieben: nichtsdestoweniger bleibt der andere Vorwurf an ihr haften, daß sie durch ihre gehässige bildliche Darstellung die Schmähungen des Abgeordneten Schöffel und vieler Anderer in ganz unberechtigter Weise gegen uns hervorgerufen hat. Täglich erhalten wir Briefe, in denen wir aufgefordert werden, uns gegen jene Beschuldigung der „Wahrheit," die in alle judenfeindlichen Blätter übergegangen zu sein scheint, zu vertheidigen. Außerdem haben wir hieran noch zwei Bemerkungen zu knüpfen: 1) Wir finden es sehr auffällig, daß die Redaction der „Wahrheit" die „Urquelle" nicht näher bezeichnet, aus der sie den „Jrrthum" geschöpft haben will. 2) Wir können es kaum glauben, daß in der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" der in Rede stehende Satz so, wie die „Wahrheit" ihn angeführt hat, gestanden habe. Die betreffende Nummer des genannten Blattes ist uns nicht zur Hand. Wir werden uns Aufklärung darüber zu verschaffen suchen und dann unseren geehrten Lesern das Nähere mittheilen. Mainz. Auf Verfügung des Großherzoglichen Ministeriums ist die Gemeinde Partenheim, in welcher jüngst verschiedene Ausschreitungen gegen die dort wohnenden Israeliten vorgekommen sind, auf die Dauer von vier Wochen mit einem Gensdarmerie- Wachposten, aus zwei Mann bestehend, belegt worden. Berlin, 2. Februar. Das Comits zur Bekämpfung der antisemitischen Agitation unter den Studenten erläßt folgende Erklärung: „An die Commilitonen!" „Das Unterzeichnete Comitä hat von Anbeginn seiner Unternehmungen an stets nur das eine Ziel verfolgt: den akademischen Frieden und die akademische Ehre, die beide durch die offenkundige antisemitische Agitation auf das Tiefste verletzt waren, wiederherzustellen. Dies Ziel ist nunmehr erreicht. Es gibt in der Berliner Studentenschaft wohl noch antisemitische Gesinnung, — die wir Niemanden anfcchten, die zu beseitigen vielmehr Sache der Zeit sein wird, — aber keine antisemitische Agitation mehr. Daß eine solche aus dem Boden der Universität unhaltbar ist, haben selbst die hartnäckigsten Träger derselben eingesehen. Sie haben außerhalb des akademischen Verbandes einen „Verein deutscher Studenten" gebildet, der seine wahre Flagge nicht zu zeigen wagt, sondern hinter dem täuschenden Aushängeschild verbirgt: „Pflege nationaler Gesinnung und des Bewußtseins der Zusammengehörigkeit." Dieser Verein hat in seiner ersten Publication offen eingestanden, daß er sich im Widerspruch mit dem herrschenden Geist an der Universität befinde, d. h. mit dem Geist, der am Festabend des 18. Januar in der Rede des Herrn Rectors und dem lauten Beifall der überwiegenden Mehrzahl der Commilitonen seinen Ausdruck fand. Wir verschmähen es, mit einem solchen, außerhalb der Universität und in ausgesprochenem Gegensatz zu ihr bestehenden Verein, der sich überdies einem ehrlichen Angriff durch geschickte Verdeckung seiner eigentlichen Absichten entzogen hat, in irgendwelche Gegnerschaft zu treten. Welche Tendenzen er im Geheimen in seinem abgeschloffenen Kreise verfolgt, kann uns

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.