Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1881)
- Date
- 1881-02-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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i oa LJV Schweiz. Aus der Schweiz. Erlauben Sie, Herr Rcdacteur, einem Leser Ihres gesch. Blattes, Ihnen zu Händen eines größeren Publikums einige Nachrichten über schweiz.-jüd. Verhältnisse zugehen zu lassen. Ist ja der „Israelit" bekannt dafür, daß er, wann und wo Uebelstände in religiöser Hinsicht einreißen, stets bei der Hand ist, unjüdische Einrichtungen in Synagogen zu bekämpfen, werden doch durch Beweise aus unfern Gesetzbüchern den Leuten, welche über die Bedeutung der Einführung unjüdischer Institutionen nicht im Klaren sind, die Augen geöffnet und ihnen dargelegt, daß man mit derartigen, den fremden Kirchen nachgeahmten Gebräuchen den Anspruch auf den Namen einer echt-jüdischen Gemeinde verliert. Einer solchen Gefahr geht die jüd. Gemeinde Basel entgegen. Bis anhin galt Basel im Auslande als eine wnservative Gemeinde, wenngleich diese Bezeichnung nur einer solchen Gemeinde gehört, in welcher alle indische Institutionen vorhanden sind; — es soll nämlich - en paranthese —■ kein rituelles Bad in Basel sich befinden, — ob heute eine solche Bezeichnung noch am Platze ist, überlasse ich dem geehrten Leser. Die Gemeinde Basel hat seit einiger Zeit in der Synagoge zur Erweckung der Andacht (?) ein Harmonium aufgestellt und wurde schon einige Mal Freitag Abend bis gespielt. Cb diese Einrichtung nur temporär oder für immer beschlossen worden, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Immerhin ist der Beweis erstellt, daß in Basel einem streng-religiösen es nicht mehr möglich sein wird, den Gottesdienst ^n besuchen, und ist es sehr fraglich, wir in der Schweiz vielleicht auch Anstritrsgemeindeu erhalten. Hoffen wir, daß in Basel sich auch Männer finden, welche mnthig eintreten für eine gerechte Sache, diese Einrichtung mit allen gesetzlichen Mitteln bekämpfen, und wird ihnen die Hilfe Gottes sicherlich beistehein Sollte aber der Vorstand bei dieser unjüdischen Institution verharren, so müssen die crnstmeinenden Jehndim aus dem Gemeindeverband austreten und zur Gründung einer orthodoxen Ncligionsgesellschaft schreiten. .r. P a l ä st i n a. Jerusalem. Erlauben Sie mir Ihre Aufmerksamkeit auf eine Institution zu lenken, die es auch verdient in weiten Kreisen von den Zionsfreunden sreudigst begrüßt zu werden. Auf Veranlassung des Herrn Cberrabbiner Diskin ist ein Waisen- Jnstitüt errichtet worden. Herr Rabbiner Diskin hatte zu diesem Zwecke die Vorstände der sämmtlichen Aschkenafim-Gemeinden zu sich beschieden, ihnen das traurige Loos der hiesigen armen Waisenkinder, welche ohne jede Beaufsichtigung dem Elend und der Verwahrlosung preisgegeben sind, sehr an's Herz gelegt, und die Versammlung ersucht, die nöthigen Mittel ausfindig zu machen, diesem Nebel Abhilfe zu verschaffen. Daraufhin eonstituirte sich sogleich ein Eomittz, welches mit dieser Angelegenheit betraut wurde. Die Herren Salomon N. Lewin, M. Meinest, Abr. Gutmann, A. E. Sachs, A. Robinsohn, I. Jacob wurden von der Versammlung als Comite-Ausschuß gewählt. Das Eomite hat sogleich seine heilwirkende Arbeit begonnen. Es ließ von jeder Gemeinde ein Verzeichniß der in derselben befindlichen Waisenkinder anfertigen, und sollen diejenigen Kinder, die zum Thora-Studium fähig sind, unter Beaufsichtigung des Eomittzs und durch Gewährung der nöthigen Mittel, zu diesem Berufe erzogen werden, während die Knaben, die sich einer Profession oder einem Handwerk widmen wollen, diesbezügliche Anstalten, welche unter Aufsicht des Eomite's zu stehen haben, übergeben werden. Das Institut erfreut sich bereits der allgemeinen Sympathie in der heiligen Stadt; hoffen wir, daß auch unsere Brüder im Auslande der heil. Sache ihre Dheilnahme und Mitwirkung nicht versagen werden. Nächstens hoffe ich Ihnen .-."2 Näheres über das Gedeihen unserer Anstalt mittheilen zu können. L. D. Cohn. § t 11 i I I e t p n. Die Jugendfreunde. Von A. Königshofen. V. „Nun setze Dich lieber Junge und laß uns ein wenig von Deinen Erlebnissen plaudern," begann Reicherssohn, nachdem er fich^ über die Dummheit seines Johann beruhigt hattest „Du wirst viel erfahren haben. Bor allem aber zünde Dir eine Cigarre an, es plaudert sich gemüthlicher dabei." Indem Kohn in das offen dastehende Kiftchen griff und die Cigarre anbrannte, nahm der redselige Cnkel gleich die Gelegenheit wahr, die Sorte zu loben. „Sie ist gut, ich versichere Dich, und gar nicht rheuer, durchaus nicht, kostet nur hundert Thaler das Mille." Es war das eine löbliche Gewohnheit des gebildeten Cnkels, allem was er Freunden reichte, einen Preiscourant anzuhängen.