Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1881)
- Date
- 1881-02-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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vorbereiten, wenn Sic in Eintracht und Frieden mit einander und neben einander Ihren Studien nachgehen (Bravo!), wenn ein Jeder von Ihnen, unbeirrt von seinen politischen und religiösen Ansichten, seine ganze Kraft einseßt für die Erreichung der großen Aufgabe, die er sich gestellt. (Beifall, Zischen.) Es ist kein Zufall, daß sich die Worte Friede und Eintracht immer wieder und wieder über meine Lippen drängen; täuschen wir uns nicht, die Saat des Unfriedens droht unsere Reihen üppig zu umschlingen (Bravo, verstärktes Zischen); möchte doch ein Jeder von uns in feinen Kreisen und nach seinen Kräften dazu beitragen, den Frieden, den goldenen Frieden auf unserer Hochschule zu erhalten. (Stürmischer Beifall.) Helfen Sie uns, meine jungen Feunde, dem Fluche der Zwietracht und des Hasses, der von Außen über uns hereinzubrechen droht, einen festen Damm entgcgenzusetzen (Beifall, vereinzeltes Zischen); werfen Sie Ihre ganze, frische, frohe, göttliche Jngendkraft in die Wagschaie, denn es handelt sich darum, Auffassungen und Ansichten entgegenzutreten, welche dem akademischen Leben vollkommen fremd sind. (Beifall, Zischen.) Ich hoffe, daß diese Feier der errungenen deutschen Einheit auch ein Fest sein werde der bekräftigenden Eintracht, des gestärkten Friedens, der neu besiegelten Brüderlichkeit unter den Studirenden der bstlckeiieiana G-uilielma. (Bravo). In diesem Sinne bitte ich Sie, einen urkrästigen Salamander zu reiben und dabei zu geloben, für die Eintracht und den Frieden unserer Hochschule unser Bestes einseiM zu wollen." (Stürmischer Beifall.) Nach dem dritten allgemeinen Liede ergriff unter nngetheiltcm Beifall der Anwesenden Pros. Moniinsen das Wort, um den Kronprinzen zu feiern. Die sichwache Stimme Mommsen's, vor Allem aber die allmählich beginnende Fidelitas ließen seine Worte selbst den Rächststchcndcn fast völlig unverstanden verhallen. Er wies darauf bin, wie der Kronprinz, der Rector der Universität Königsberg, ein deutscher „Bursch" sei; wie er bei Wörth bewiesen, was „kühne That" sei; wie er erst kürzlich gezeigt, das; er ein „weies Wort" liebe (große Unruhe); wie seine stattliche Erscheinung mehr wie alles Andere „Männerkraft" zeige: wie man sich schmücke, die Hochzeit des Landes zu begehen; wie mau den „Landesfürsten" nicht feiern könne, ohne des Sohnes zu gedenken, und wie der Kronprinz so recht eigentlich zu „Berlin" gehöre. Mit einem Hoch auf den Gefeierten schloß Mommsen unter erneutem Beifall der Anwesenden. Leider ist es trotz der so eindringlich zu Frieden und Eintracht mahnenden Rede des Rectors gegen Schluß des Eommerses zu bedauerlichen Scandäl - Scenen gekommen, zu denen wieder die „Antisemiten-Frage" den Anlaß gab, und selbst Thätlichkeiten sind nicht ausaeblieben, zu geschwcigen von zahlreichen Forderungen. Breslau. Der fünfzehnte Jahresbericht des Vereins „Ababath Jerusalem" weist eine Einnahme von 13C>o M. und eine Ausgabe von 946 M. aust wovon 616 M. nach Jerusalem geschickt wurden. Minden, 23. Jan. Im benachbarten Oeynhausen, dem Wohnorte des Herrn Generals v. d. Goltz, woselbst dessen Parteigänger für die Antisemiten-Liga thätig sind, veröffentlichen laut der gestrigen Nummer des dortigen „Allgemeinen Anzeigers" mehrere der ersten Bürger christlicher Eonfessiou des Badeortes einen entschiedenen Protest gegen dieses Treiben, und zugleich einen Aufruf, worin, gegenüber dem Versprechen: daß sie für das Wohl der kleinen Leute sorge, dargethan wird, daß. durch das Agitiren dieser Partei, gerade das Interesse der kleinen Leute empfindlichen Schaden erleide. Lirrrbirrst, 27. Januar. Ihre geehrten Leser werden sich erinnern, daß vor einiger Zeit gegen den Herrn Kreisrabbiuer Dr. Wormscr von Wcilburg eine verwerfliche Jntrigue in Scene gesetzt wurde. Derselbe, welcher im vorgerückten Alter sich zum zweiten Male und zwar mit einem ganz jungen Mädchen verhcirathet hat, lebt mit seiner Frau in Unfrieden. Auf die Aussage dieser Frau bin, wurde Herr Dr. W. zu acht Tagen Gefängniß vernrtheilr, weil er in einem Frankfurter Gasthose Gläser gestohlen haben sollte. Heute wurde die Angelegenheit beim hiesigen Landgerichte nochmals verhandelt, wobei sich die Unschuld des Angeklagten herausstellte, worauf denn auch Freisprechung erfolgte. — Wir ersuchen die verchrlichen Redactionen der Zeitungen, welche die Verurteilung des Herrn Dr. W veröffentlichten, nunmehr von dessen Rechtfertigung und Freisprechung Kunde zu geben. Frankfurt a. M. Ans dem Bericht über Dr. H. R eh n's Kinder - Poliklinik in Sachsen- Hausen ans den Jahren 1876, 1879 und 1880 thcile Ihnen den folgenden Schluß desselben, der für Ihre geschätzten Leser von Interesse sein wird, mit; derselbe lautet: Allen diesen Gönnern der Anstalt danke ich hiermit herzlichst und wenn ich noch bei dieser Gelegenheit diejenigen Eltern, welche bei mir Unterstützung für ihre Kinder gefunden haben, darauf aufmerksam mache, daß sie dieselbe zum hervorragenden Theil gerade ihren Mitbürgern israelitischer Konfession zu danken haben, so wird dieser Hinweis in seinem heutigen Grund von ihnen verstanden und von anderer Freundes - Seite nicht mißdeutet, d. h. als Zurücksetzung empfunden werden. Ich hoffe vielmehr, daß mir die bisher erzielten Erfolge nicht nur die alten Freunde erhalten, sondern auch neue zuführcn werden.