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Der Israelit · 1881-02-09 · Heft 6 (9.2.1881) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 6 (9.2.1881)
Date
1881-02-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXII. Jahrgans. Erste Leilage;» tlr. 6 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. D e n t s ch l a n d. Mainz, 3. Febr. Herr Dr. Fr. Müller in Würz bürg hat eine gediegene, ausführliche und wissenschaftlich gehaltene Broschüre, „Stöckers angeblich ethisch-sociale Judenfrage" herausgegeben, die es verdient in den weitesten Kreisen verbreitet zu werden. Sie widerlegt die auf der Tagesordnung stehenden gehässigen und intoleranten Angriffe gegen die Juden in ganz entschiedener Weise. Dem Verfasser wurde vom deutschen Kronprinzen in anerkennendster Weise Dank für das Werk ausgesprochen. Die Broschüre, 77 Seiten groß, ist zum Preise von 1 Mk. 20 Pf., 20 Stück 20 Mk., beim Eigenthümer, Herrn Moritz Baum in Würzburg, Domerpfaffengaffe zu beziehen. Auch uns sind IO0 Exemplare zugeschickt worden, deren Ertrag Herr Baum für die Armen des hl. Landes spendet. Aus Rheinhefsen. Auch in unserer Provinz hat die Antisemitenbewegung böse Früchte gezeitigt. In den beiden, meistens von Protestanten bewohnten Dörfern Partenheim und Jugenheim ist die bekannte antisemitische Petitition fast von allen protestantischen Bewohnern derselben unterzeichnet worden. — „Was von Berlin kömmt/ sagte ein Bürgermeisterei- Adjunkt, „ist gut und muß unterschrieben werden." Dabei ließen es aber die Herren Antisemiten nicht bewenden. Sie warfen den Juden die Fenster ein; schwere Steine wurden auf die Dächer geworfen, die natürlich großen Schaden gelitten haben. Schon haben sich einige Israeliten entschlossen, diese beiden Dörfer zu verlassen und nach Mainz oder Bingen zu ziehen. — Gegen die in den genannten Dörfern wohnenden Juden liegt nicht die geringste Beschwerde vor; es sind fleißige, friedliche Menschen, und unter ihnen befinden sich keine Wucherer. Der Haß ist ein künstlich geschürter, lediglich durch die von Berlin ausgehende Antisemitenbewegung angefacht. Während der großen Kälte in den verflossenen Wochen hatte man, um den Juden einen Schabernack zu spielen, auf das Strengste verboten, für die Inden am Sabbat Feuer anzumachen und die Wärmeöfen zu bedienen, so daß die Armen gezwungen waren, bei 12 Grad Kälte in ungeheizten Zimmern zu sitzen. Nach den hier geltenden Gesetzen sind die politischen Gemeinden verpflichtet, für den durch Ruhestörung verursachten Schaden aufzukommen und werden beide Gemeinden die eingeworfenen Fenster und die zerstörten Dächer wieder Herstellen müssen, wenn die Thäter nicht zu eruiren oder nicht im Stande zu bezahlen sind. Die Anzeige ist bereits bei der Staatsbehörde gemacht. Die Herren Stöcker, Förster 2c. können auf diese Erfolge stolz sein. Wie wir vernehmen, sind von der Behörde energische Maßregeln ergriffen worden, um die Wiederkehr der Exceffe zu verhindern. Nürnberg, 23. Jan. Die deutsch-konservative Partei läßt sich vorläufig nicht abhalten, die Judenhetze weiter zu betreiben und die Landbevölkerung zu diesem Zweck zu bearbeiten. So fand der„Augsb. Abendztg." zufolge heute in dein benachbarten Dorfe Wetzendorf eine von konservativer Seite arrangirte Versammlung statt, in welcher Herr Buchhändler Erhard von hier (in dessen Geschäftslokal auch die Antisemiten - Adresse aufliegt) als Redner austrat. Die Ausführungen des Redners gipfelten in dem Satze: „Wählet keinen Juden." Die von etwa 50 Personen besuchte Versammlung verlief im Ganzen ruhig. Berlin, 10. Januar. Die hiesige Studentenschaft feierte das zehnjährige Bestehen des deutschen Kaiserreiches durch einen Festcommers, der am gestrigen Abend auf Tivoli stattfand und dem etwa 3000 hiesige und auswärtige Studirende beiwohnten. Erschienen waren der Rector Professor Hoffmann, die Professoren Mommsen, Weierstraß, Förster, Weber, Magnus, Timann, Fritsch, Koppe, Sell, Breßlau und zahlreiche Privatdocenten. Gegen 9 Uhr nahm der Eommers mit dem ersten allgemeinen Liede: „Sind wir vereint" seinen Anfang. Alsdann hielt der Präses die Festrede. Für den Toast auf die Professoren dankte der Rector Professor Hofmann, bei Beginn seiner Rede mit stürmischem Beifall begrüßt, aus welcher wir folgende Stellen hervorheben : Ein großer Theil der deutschen Eintracht und Arbeit, welche das deutsche Reich gegründet und erhalten soll, meine jungen Freunde, wird dereinst aus Ihre Schultern fallen, und wenn Sie sich für diese große Aufgabe in würdiger Weise vorbereiten, so erfüllen Sie am besten die Pflicht der Dankbarkeit, welche Sie der .Alma rnater schulden. (Bravo!) Sie werden sich aber am besten für diese Aufgabe

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