Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1881)
- Date
- 1881-02-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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136 Thora beginnt. — Aber Gott verwarf das Taw, weil es bestimmt war, zu den Zeiten des Propheten Jecheskel als Zeichen aufgedrückt zu werden, den fündigen, dem Tode geweihten Menschen. — Und das Schin trat hervor und auch es wurde zurückgewiesen, weil mit ihm das Wort Scheker, Lüge, beginnt; da verlangte das Res den Vorang, aber es wurde verworfen, weil es „Ra" böfc bedeutet; und so kamen sie alle, und alle wurden zurückgewiesen, bis das Beth herantrat und sprach: Allmächtiger Gott, möge es Dein Wille sein, mit mir die Welt zu erschaffen; denn ich bin der erste Buchstabe, mit dem der Satz anhebt: „Baruch haschem leolam," gepriesen sei Gott in Ewigkeit. - Und Gott sprach: Gesegnet sei, wer da kommt im Namen Gottes! — Und'Gott erhörte die Bitte des Beth und erschuf mit ihm das Weltall, wie es heißt: Bereschith bara Elohim. — Trauernd hatte sich das Aleph zurückgezogen; es war gar nicht an die Reihe gekommen und hatte seinen Wunsch nicht Vorbringen können. Da rief es der Heilige, gelobt sei er, zu sich und sprach: Aleph, warum schweigst Du? — Und das Aleph antwortete: Wie kann ich es wagen, zu reden, da ich doch nur eins bin und alle die andern Buchstaben zählen mehr als ich! — Und Gott sprach: Fürchte Dich nicht; Du sollst der Erste unter allen sein und gleich einem Könige den Vorrang vor ihnen haben. Du bist Eins; auch ich bin Einer und die Thora ist Eine, und wenn ich mich am Berge Sinai meinem Volke offenbaren werde, so werde ich mit Dir die Offenbarung beginnen, wie es heißt: „Anochi haschem Elohecha." Staunend hatte Rahel ihrem Gatten zugehört. Als er jetzt schwieg, sprang sie auf, umarmte und küßte ihn und sprach: „O, Du mein geliebter Gatte, ich habe mich nicht in Dir getäuscht. Du wirst all die großen und schönen Hoffnungen verwirklichen, die ich in Dich gesetzt habe. Du wirst dereinst ein großer Lehrer in Israel werden!" Täglich wanderte nun Akiba nach Gimso, um den Unterricht seines großen Lehrers zu genießen. Nachum gewann den eifrigen Schüler bald sehr lieb und suchte ihm die Erforschung der heiligen Gotteslehre in jeder Weise zu erleichtern. Es war ein großer Kreis von Jünglingen, der sich um Nachum gesammelt hatte. Akiba war unter ihnen der älteste und unwissendste; der jüngste unter allen hieß Jischrnael Er stammte aus einem vornehmen Priestcrgeschlechte und war noch ein kleines Kind gewesen, als der heilige Tempel zerstört wurde. Der Knabe zeichnete sich durch große Schönheit aus; deßhalb wurde er von den Feinden gefangen genommen und nach Rom geschickt, um dort römischen Wollüstlingen zur Befriedigung ihrer Lüste zu dienen. In der Hauptstadt des Eroberers wurde er in einen: Gefängnisse untergebracht. Da kam einst Rabbi Josua ben Chananja nach Rom, und sein Weg führte ihn an dem Gefängnisse vorüber. Er sah den schönen jüdischen Knaben, dessen Auge so traurig blickte und dem glänzende schwarze Locken das Antlitz umrahmten. Da rief Rabbi Josua laut in hebräischer Sprache: Wer hat zum Raube gegeben Jakob und Israel den Räubern? — Und alsögleich antwortete der gefangene Knabe: Ist es nicht Gott, gegen den wir gesündigt haben? Und sie wollten nicht in seinen Wegen wandeln und auf seine Lehre nicht hören. —Fürwahr, sprach Rabbi Josua, dieser Knabe wird ein großer Mann einst werden; ich werde nicht ruhen, bis ich ihn ausgelöst habe für alles Geld, das nian für ihn fordern wird. — Und er that wie er gesprochen. Zwar gaben die Römer den schönen Knaben nur ungern her, und es wurde eine hohe Summe für ihn gefordert. Aber Rabbi Josua ruhte und rastete nicht, bis er das Geld bei seinen Freunden in Rom zusammengebracht hatte. Dann befreite er den holden Knaben und nahm ihn mit sich nach Judäa. Hier vertraute er ihn der Obhut Nachums aus Gimso an, der ihn in der Gotteslehre unterrichtete. Jetzt war Jischmael ein Jüngling geworden, die Freude und der Stolz seines Lehrers. Ihm, dem viel jüngern, schloß sich Akiba an, und ein inniges Freundschastsbündniß verband die Beiden für das ganze Leben. Während Akiba mit angestrengtem Fleiße lernte und forschte, arbeitete Rahel nicht minder fleißig, um die geringen Bedürfnisse zu erschwingen, mit welchen sie und ihr Gatte sich begnügten. Vergebens hatte sie es versucht, ihren Vater zü versöhnen; derselbe blieb hart und unerbittlich. So mußte denn Rahel. die in Reichthum und Ueberfluß erzogene, nicht allein angestrengt arbeiten, sondern auch manchmal sich die notwendigsten Dinge versagen; denn es galt nicht allein, die Nothdurft des Lebens zu gewinnen, sondern auch für die nächste Zeit kleine Ersparnisse zu machen, da sie einem freudigen Ereignisse entgegensah. Ihrem Muthe und ihrer Thatkraft gelang auch dies. Schon hatte sie ein bescheidenes Sümmchen erspart, als ein Ereigniß eintrat, welches es ihr wieder raubte. (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortüche Redactiou: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des »ISraelit * große Bleiche 45. Z. EottSleben'S Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).