Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1881)
- Date
- 1881-02-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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131 los dem Gesetze, welches in ihnen wirkt — der Mensch allein vermag seines Schöpfers Gebote. Widerstand zu leisten; — ihm ist Gottes Wille offenbart worden, seiner freien Entschließung aber ist es überlassen, ob er demselben Gehorsam zollen oder zu widerhandeln will. Denn in dem aus irdischem Staub gewobenen Menschenteibe weilt ein unsterblicher Hauch des göttlichen Schöpfers und schaltet frei über des Menschen Thun und Lassen, während die sterbliche Hülle der physischen Nothwendigkeit unterthan ist. Der allgütige Vater hat aber damit nicht sein liebstes Kind, das er so ausgezeichnet und bevorzugt, sich selbst überlassen wollen;"er hat es nicht preisgegeben und seine Wallung ihm entzogen, daß cs ohne Stab und Stütze führerlos durch das Leben wandeln müsse, — vielmehr wacht das Auge der Väterliche über des Menschen Thun und Denken, und Gottes allmächtiger Arm lenkt und leitet ihn auf jeglichem Schritte durch's Dasein. Mit der Geburtsstunde ist das Band nicht gelöst, welches den Menschen mit seinem Schöpfer verbindet: Des Menschen Geschick ruht in Gottes Hand, wie sein Erwachen zum Leben von Gott gefügt'war, wie sein Scheiden von der Erde von Gottes Fügung bedingt sein wird. Durch die Gestaltung des' Geschickes offenbart sich die Nähe Gottes jedem seiner Geschöpfe. Gottes Gesetz ist dem Menschen fuub gegeben worden Zur freien Beobachtung, aber durch den Wechsel des Geschickes will Gott den Sterblichen zum Gehorsam erziehen. Daß wir in jedem Augenblicke unseres Daseins uns als Geschöpf Gottes fühlen, berufen, seinen Willen Zn vollführen, — daß wir in jeder Fähigkeit unseres Leibes, in jeder Kraft unseres Geistes ein Geschenk unseres Schöpfers erkennen, — daß wir in jedem Genüsse, der uns winkt, die Liebe Gottes : erblicken — das wird uns zum freudigen Gehorsam, zur willigen Unterwerfung unter Gottes, unseres liebenden Vaters, Gesetz veranlassen. Der Mensch, welcher also sein Geschick begreift, daß er in jeder Blume, welche seinen Leben i-Pfad schmückt, in jeder Freude, welche seine Brust hebt, in jeglicher Gabe, welche ihm die Erde beut, ein Zeichen der ihn beschirmenden Allmacht Gottes, eine Spende seiner Allgüte dankend empfängt, der wird in liebevoller Hingebung an Gottes Willen sein Thun und Lassen in Uebereinstimmung mit dem Gebote seines Schöpfers zu bringen streben, der wird die r*n*n ms?Q no-izn ,v»jn nma aus ganzem Herzen freudig sprechen, der wird mit jedem Genüsse, mit jeder Fähigkeit zum Schaffen, mit jeder Regung seiner Seele, Gott huldigend, aus freier Entschließung in die Schaar der „Gottesdiener" eintreten, um gleich ihnen D^ai cman o^a cr-nn dtd crinnN! QJip tun nsnai nana in hingebender Liebe,! in lauterer Reinheit, in überwältigender Kraft, des j Schöpfers Willen zu vollführen — er, der einzige, l freie unter den Gott verherrlichenden Wesen des i Weltalls! | Heil dem Menschen, der so durch die sreund-! lichen Gestaltungen seines Schicksals, durch Genuß und Freude, durch das „Glück", wie wir es nennen, zur Höhe seines Berufes sich erziehen läßt! Wir Menschen sind aber schwache, fehlsame Geschöpfe, dem Jrrthume und dem Wahne ausgesetzt. Wir vergessen nur zu leicht unseres Ursprungs, wir verkennen nur zu leicht die Walttmg einer höheren Macht, wir verlieren nur zu leicht das rechte Urtbeil über uns. In gedankenloser Ueberhebung halten wir uns für den Herrn der Welt, welcher keinen Gebieter über sich hat, und setzen unfern Willen als das höchste Gesetz und unsere Einsicht als die höchste Weisheit. Rur jenem beugen wir uns, und nur diese erkennen wir an. Für Gott ist kein Raum in unserer Seele. Wir gewahren nicht seine Waltung in der Natur, wir schauen seine Spur nicht in unserem Geschicke und wir haben kein Ohr für sein Gebot. Aber Gott, der Allgütige, vergißt unser nimmer. Er weiß uns zu finden mitten in dem Taumel unserer vermeintlichen Größe und Macht, mitten im Jubel unseres vermeintlichen Glücks. Von seinem Finger getroffen, fällt das Kartenhaus unseres Ruhms zu Boden, von seinem Hauche berührt, erblindet der falsche Glänz unserer Hoheit, von seinem Willen durchkreuzt, erweisen sich unsere klügsten, kühnsten Pläne als nichtig und eitel. Leiden — Krankheit, Sorge, Kummer, Armuth — treten an uns heran und brechen unfern Stolz und dcmüthigen unfern Sinn und zeigen uns die Hinfälligkeit unserer Macht und die Unzulänglichkeit unserer Kraft. Wir werden unserer Schwäche inne und inne der Kürze unseres Geistes; wir gelangen zum Bewußtsein unserer Abhängigkeit von der Gnade Gottes und unserer Pflicht, seinem Gesetze zu gehorchen; wir wenden uns Ihm zu, der unser Vater und Herr ist, der uns zu seinem Dienste berufen, der uns das Herbe sendet zu unserer Besserung, und wir werden aus dankerfüllter Seele Ihn preisen für den Tropfen Wermuth, welchen er unserm Lebenskelche beimischt ie-bj axa rjrn by o-ik a«n rsnrira na*ön py vccp -pna wie wir Ihm danken für jeden Augenblick der Freude. Die Leiden, welche Gottes liebende Weisheit uns sendet, sind die Erziehungsmittel eines Vaters, welcher durch eigene Erfahrung sein Kind auf den Weg der Wahrheit zu lenken beabsichtigt. Sic sollen uns die Zeichen der besonderen Fürsorge Gottes sein.