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Der Israelit · 1881-02-09 · Heft 6 (9.2.1881) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 6 (9.2.1881)
Date
1881-02-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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130 s l i\: i f M ... t i i >- ■ :f i •r-: ■ erbarmen wird. Und den Schluß der Vorbereitungen bildet das erhabene Sabbatlied des Psalmbuches. Es ist Sabbat, da ist es gut, dem Ewigen zu danken und den Namen des Höchsten zu preisen; da ist die Schöpfung vollendet, und das gewaltige Werk des Allmächtigen fordert uns auf, die Größe Seiner Thatcn und die Tiefe Seiner Gedanken zu bewundern. Wohl liegt es in dem Plane des Allweisen, daß auch das Böse in der Welt Gestaltung annehme, ja daß es zeitweise grüne und blühe. Aber Gott, der Allmächtige, der Ewigdauernde, wacht darüber, daß das Böse nicht überhandnchme und daß es der Vernichtung entgegengeführt werde. Die Frommen aber, gepflanzt in die Vorhöfc Gottes, grünen und blühen für alle Zeiten; mögen auch die mächtigen Gewässer noch so wilb anftürmen, Gott ist's, der sie bändigt, Gott, der Ewigdauernde. In dem Sabbat - Abend - Gebete tritt uns eine Aenderung in der Berachah ua’aan entgegen. Die Worte "idop HDD ij’by tpnBi, „und breite über uns aus die Hütte Deines Friedens," die sich schon am Anfänge der Berachah finden, werden am Schlüsse derselben wiederholt, und dementsprechend gestaltet sich der Schluß; es ist die heiße Bitte um Frieden, die gerade am Sabbat doppelt nothwendig ist; denn am Sabbat, da alle Arbeit ruht, da die Glaubensgenossen sich versammeln, tritt nur zu häufig die Lust an Streit und Hader zu Tage. So deuten' auch die Weisen im Midrasch den Ausspruch der heiligen Schrift: rajpn dp2 02^21010 ^22 rat njon „Ihr sollt nicht lodern lassen das Feuer der Zwietracht am Sabbattage an allen euren Wohnplützeu". Wenn die Israeliten den Tag des Herrn dazu mißbrauchen, Zank und Streit zu beginnen, wenn sie gar das Gotteshaus dadurch entweihen, wie cs namentlich in kleineren Gemeinden nur zu häufig geschieht, so beweisen sie dadurch nicht allein, daß sie die gottgcwcihte Ruhe nicht verstehen und nicht begreifen, sondern sie tragen auch dazu bei, den Namen Gottes zu entweihen vor den Augen der Nationen. Der wiederholten Bitte um Frieden schließen sich die Worte der heiligen Schrift an, in welchen es ausgesprochen ist, daß wir den Sabbat beobachten sollen als einen ewigen Bund; als Zeichen hat ihn Gott eingesetzt Zwischen Sich und uns, daß Er Himmel und Erde in sechs Tagen erschaffen und am siebenten geruht hat. Drei große Sabbate, lehren die Weisen, bezeichnen die drei größten Ereignisse der Weltgeschichte. Der erste ist der Weltensabbat, der Labbat der Schöpfung, nw-a rc^; der zweite ist der Sabbat der Offenbarung am Linai, r.-vn n:rvj r2272; der dritte wird der Sabbat der Erlösung sein, 212 r\2v r.i’ra p2*p. Dem ersten Sabbat entspricht die Bcrachah im Sabbat - Eingangs - Gebet, wi pp-sp nns*, „Du hast geheiligt den siebenten Tag Deinem Namen, den Endzweck des Schöpfungswerks und hast ihn gesegnet vor allen Tagen, und ihn geheiligt vor allen Zeiten." — Dem Sabbat der Offenbarung entspricht die Berachah im Schacharith-Gebet: "2; nro noscn „Moscheh freut sich seines Antheils, da Du einen treuen Knecht ihn nanntest: eine Krone des Ruhmes Haft Du auf sein Haupt gesetzt, da er vor Dir stand auf dem Berge Sinai und zwei steinerne Tafeln herniederbrachte in seiner Hand, aus welchen geschrieben stand das Gebot der Sabbatruhe." — Dem Sabbat der Erlösung entspricht die Berachah im Minchab- Gebet: nlix -22-1 mx nr.x. „Zur Zeit der Erlösung wird die Einheit Gottes von der ganzen Menschheit anerkannt werden, dann wird Gott einzig und Sein Name einzig fein." Fügen wir noch einige Worte über das i’P’nc .222 hinzu, welches den Reformern ein Dorn im Auge ist, und das sie deßhalb aus ihren Synagogen verbannt haben. Wir können den Ordnern unsrer Gebete nicht dankbar genug sein dafür, daß sie auch einige Stücke aus der Mündlichen Lehre in unsre Geber- Ordnung ausgenommen haben. Viele Tausende von Glaubensgenossen würden von der mündlichen Lehre gar nichts erfahren, weim nicht durch den fünften Abschnitt des Traktats Lebachim io*.po or*, den zweiten Abschnitt des Traktats Labbat ppöio noa und durch die Sprüche der Väter, 022 ’pn?, dafür gesorgt wäre, daß sie einige, wenn auch geringe Kunde davon erhielten. Und doch ist das Erforschen der schriftlichen wie der mündlichen Lehre jedem einzelnen Israeliten heilige Pflicht. 122 „Und du sollst von ihnen reden". Die alten Weisen haben in dem Worte c2 eine Andeutung gefunden, die uns die ganze Größe der Pflicht därstcllt. Das Beth ist der erste Buchstabe der schriftlichen Lehre, wie es heißt: '■x to2 r.irra; das Mem ist der letzte Buchstabe der mündlichen Lehre, da der Traktat p^pm mit den Worten schließt: owr'a v2_y pk -qo, so erkenne demnach, 2"2 m2-n und du sollst lernen und forschen vom ersten Buchstaben verschriftlichen bis zum letzten Buchstaben der mündlichen Lehre. (Fortsetzung folgt.) Ale Schule des Leids. Von Naphtali Simon. Aus den Myriaden der Wesen, welche das allmächtige Schöpferwort zum Dasein ries, hat Gott den Menschen hcrausgeboben, nur ihm das höchste Gnadengeschenk: die Freiheit des Willens, zitz gewähren. In dieser Freiheit beruht des Menschen Göttlichkeit. Alle übrigen Geschöpfe gehorchen willen-

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