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Der Israelit · 1881-02-02 · Heft 5 (2.2.1881) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 5 (2.2.1881)
Date
1881-02-02
Page
– (sequence 19)
Language
German
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119 unserer Tage und erblickt in dem Niederreißen aller gesetzlichen Schranken das Ideal seiner höchsten Freiheit. Ich hob dann eingehend alle im Texte angeführte Momente hervor, Anmuth, Liebe, Erbarmen, langes Leben, Nahrung, himmlischen Beistand, körperliche Gesundheit, Erleuchtung, Erziehung und legte sie als Maßstab für den Werth der von Gott gewährten und der von Menschen erkünstelten Freiheit an; und als ich nach einftündiger Rede ein unter dem Regime wahrer, göttlicher Freiheit aufblühendes Leben gezeichnet und anderntheils die Eonseguenzen eines auf Principien- und Gesetzlosigkeit aufgeführten Daseins veranschaulicht hatte, da machte ich meiner verblüfften Gemeinde die Mittheilung, daß mein Text und seine Ausführung nicht anders als der übersetzte und erklärte ipms cip* sei, den man als für Hattenfels nicht mehr zeitgemäß aus unfern heiligen Geboten gestrichen habe. Warum hat 'man Ihnen ein Gebet aus Ihrem Gebetbnche wcgescamotirt, das doch nichts enthält, dem nicht der gebildetste aufgeklärteste Mensch das Wort um so wärmer reden muß, je gebildeter und aufgeklärter er eben ist? Es handelt sich hier nicht uni die Wichtigkeit oder etwaige Unwichtigkeit dieses Gebetstückes, sondern um einen vernünftigen Grund, der seine Abschaffung auch nur einigermaßen plausibel erscheinen ließe. Hat man ihn etwa ans den Index gesetzt, weil er in einem anderen Sprachidiom abgefaßt ist, als die Mehrzahl der übrigen.Gebete, so wäre das ja gerade ein Grund ihn recht festzuhalten, ufii mir die Wahrheit zu beherzigen, die uns seine bloße Sprache nahe legt, ohne Rücksicht noch auf den eigentlichen Inhalt. Wie viele von denen, die in hochniüthigem Dünkel den ffnm crp wegen seiner Sprache überschlagen, haben doch eine Ahnung von den Wahrheiten, die uns gerade durch dieses Sprachidiom übermittelt lvordeu sind? Wie viele, wie wenige wissen denn, daß Babylon unser zweites Mutterland geworden ist, daß auf seinem Boden in seiner Sprache der Ausbau der Thorawissenschaft eine noch weit hingehendere erfolgreichere Pflege gefunden, als in dem eigenen heiligen Lande unserer Bestimmung? — Und wenn, eben weil diese Sprache und die in "ihr niedergelegten Schätze der d":up nun unserer Zeit und ihren Kindern fremd und unverständlich geworden sind, wir gerade durch die Sprache des ip-ns Dip> wieder an dasjenige erinnert würden, was uns durch dieses Sprachidiom Großes und Erhabenes übermittelt wurde, wäre das nicht ein Gewinn, dem alle reformjüdischen Streichungen und Aendcrungen zusammengenommen nicht gleickkommen? Und wenn gar unsere systematisch zur Unwissenheit erzogene Generation durch den Zwillingsbruder des jp-nE O'p' erführe, welch' mächtiges Band alle Heimgegangene Lehrer und Meister jener im heiligen Lande und in Babylon wirkenden heiligen Genossenschaft mit allen denen verbindet, die noch heute an ihrem Munde hangen und wie Schüler zu ihrem Lehrer aufblicken, so würde der vielgeschmähte wp' fpms vielleicht allein die Kraft haben, die Sehnsucht, von diesem Bande mitumschlungen zu werden, wieder zu wecken und ihre Befriedigung anzustreben. Wer, dem das Schwinden unserer Thora, unsere Lebensscele ans den Reihen der Zerstreuten nahe geht, möchte nicht aus tiefstem Herzen mit einstimmen in die Bitte, daß mit ihren Leitern und Führern der König der Welt die Pflege und Ausbreitung der Thora segne, berste ihr ganzes Leben geweiht hatten! Wahrlich, es ist ein tiefinniger, treuer Charakter-! zug der Juden, seiner Weisen nicht zu gedenken ohne j ronaS dj-ci sich den Segen zu vergegenwärtigen,! der sich au ihr bloßes Gedächtniß knüpft! Wer möchte j aber Theil an dem traurigen Ruhme haben, dieses , Gedächtniß aus dem Bewußtsein unseres Volkes zu j reißen und ihm so jenen Segensquell zu verschließen, > zu dem sich das bloße Andenken seiner unsterblichen; Großen ihm gestattet? Ich wies zum Schluß darauf hin, daß wenn j die Beherzigung eines Gebets von allerdings nur : untergeordneter Bedeutung schon eine so vollendete j Umwandlung einer ganzen Lebensanschauung ergebe, j wie weitschichtig und tief einschneidend dann erst der- * jenige Abfall erscheine, der sich im practischen Leben j dem göttlichen Gesetze gegenüber vollzogen hat und forderte zu einem neuen Leben auf, in dem jeder Athemzug ein Amen, eine Hingebung an die alte jüdische Wahrheit, eine rückhaltlose Rückkehr zur Erfüllung des Gotteswortes bedeute. lütt -iojoi. Es dürste ein charakteristischer Unterschied zwischen der Form je« nc*uj und?dn nos« bestehen. Im Tischgebet finden sich beide Ausdrücke. Wenn wir für uns um den Segen bitten, niit dem Gott unsere Väter bedachte, so schließt diese Bitte mit lütt -icsui — Wenn wir für Israel um den Frieden bitten, den Gott in seinen Höhen walten läßt, so schließen wir mit svx nbw. Elfterer heißt: Wir wollen Amen sagen, das zweite dagegen enthält imperativisch die Aufforderung: Sagt Amen. — Wo cs sich um den Segen Gottes handelt, da wollen alle Amen sagen, weil jeder den Segen will, der mit dem Amen seine Bestätigung durch uns erhalten soll. Von Gott für Israel Frieden verlangen, heißt aber selbst Frieden in seinem Kreise anstreben, legt daher jedem Einzelnen den unerläßlichen Verzicht auf, zu dem sich Jeder verstehen muß, der eben Frieden erhalten und gefördert wissen will. Daher bedarf es der Mahnung den Frieden trotz der von ihm unzertrennlichen Entsagung anzustreben, deßhalb je« nc«\

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