Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1881)
- Date
- 1881-02-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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112 unserer besten edelsten Frauen, nämlich der Frau Clemence Brettauer, geb. Dreyfus, Gattin unseres gekehrten Vorstandsmitgliedes, des Herrn Bankier Ludwig Brettauer, welche in der Blüthe ihres Lebens, in ihrem 28. Lebensjahre von hinnen geschieden und auch in Ihrem gesch. Blatte einen Nachruf wohl verdient. Als Tochter des in weiten Kreisen rühmlichst bekannten vielverdienten Herrn S. Drevfus-Neumann in Basel streng religiös erzogen und ausgestattet mit dem reichen Schatz hoher Geistes- und Herzensbildung vereinigte sie in sich die schönsten Tugenden, die nur von einer nvst hervorgehoben werden könne. Durchdrungen von den Wahrheiten und dem Werthe unserer heiligen Religion war sie stolz darauf, Jüdin zu sein und als solche ihr Hauswesen nach Gesetz und Vorschrift zu führen; und wie sich ihre tiefinnerliche Frömmigkeit und Gottergebenheit tagtäglich im inbrünstigen Gebete offenbarte, so bethätigte sich auch ihr Mild- und Wohlthätigkeitssinn, so oft es galt Roth zu lindern und Glend zu mildern in gleich erhebender Weise. Ihr gutes Herz war voll 'Mitgefühl für ihren Nebenmenschen, voll Freundschaftsgefühl für Alle, die mit ihr zu verkehren das Glück hatten, und ihre hingebende aufopfernde Liebe zu ihrem Gatten, mit dem sie in einer achtjährigen, wenn auch kinderlosen, so doch überaus glücklichen Ehe lebte, zu ihren Eltern, an denen sie mit ganzer Seele hing, wie zu ihren Geschwistern und Verwandten, war eine wahrhaft beglückende und beseligende. Sie war im strengsten Sinne des Wortes der Stolz des Gatten, der Liebling. der Eltern, eine Zierde der Familie und eine Zierde unserer Gemeinde. Wie segensreich hätte die Verewigte mit ihrem regen Sinn, für altes Gute und Edle, mit ihrer treuen Anhänglichkeit an unserm Judenthum, vermöge ihrer socialen Stellung, durch ihr anregendes Beispiel und herzgewinnendes Wesen in und für unsere Gemeinde noch wirken können! Doch der Herr über Leben und Tod hat es anders gewollt — moy rrcsj. — Donnerstag, den 6. c. wurde sie uns zu unser aller Schmerz und Bestürzung entrissen und Sonntag, den 9. c. unter überaus zahlreicher Betheiligung zu ihrer letzten Ruhestätte begleitet. Der imposante Leichenzug gab Zeugniß von der Achtung und Liebe, deren sich die Heimgegangene in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen zu erfreuen hatte. Möge der Allgütige dem tiefgebeugten Gatten, den trauernden Eltern, Verwandten die Kraft verleihen, den herben Schmerz zu ertragen und den Trost gewähren, der aus seinem Worte uns so reichlich zufließt. E. Türkei. Im Gubernium Smyrna sind neuerdings Gerüchte aufgetaucht, wonach die Juden einen christlichen Knaben ermordeten, um das Blut für nos zu gebrauchen. Schon waren die Juden in Gefahr, als auf telegraphische Anzeige der Generalgouverneur Midhad Pascha anordnete, den Juden ausgiebigen Schutz zu ertheilen und die Verbreiter des falschen Gerüchtes zu bestrafen. Feuilleton. Me Jugendfreunde. ' Von A. Königshofen. IV. i Wie Arno mit andern politischen, so kehrte Kohn! mit andern religiösen Gesinnungen in sein Elterni Haus zurück. Während aber jener mit seinen ge-! änderten Ansichten nicht auf Widerstand stieß, soni dern dieselben höchstens ab und zu den Gegenstand einer ruhigen und leidenschaftslosen Discussion bildeten, warteten feiner heftige Kämpfe und erregte Auseinandersetzungen, bei denen es auch an Vorwürfen gegen ihn nicht fehlte. Seine Mutter zwar fand sich ruhig in das Unvermeidliche, und wenn sie auch im Herzen gewünscht hatte, einen recht ..aufgeklärten" Sohn aus der Fremde wieder heimkehren i zu sehen, so war sie doch zu sehr die liebende Mutter, um ihrem einzigen Kinde durch eine unvorsichtige Aeußernng einen Herzenskummer zu bereiten. Zudem hatte sie ja noch nicht ganz mit dem Alten gebrochen, hatte so Manches in Erinnerung an ihren „Seligen" beibehalten, wollte noch in manchen Dingen als die „fromme" Frau gelten, und so ließ sie die Gesinnungsänderung ihres Sohnes sich ruhig gefallen. Anders stand es mit seinem Onkel Reicherssohn, in dessen Haus die alleinstehende Mutter Kohns nach dessen Abgang auf die Universität ihre Wohnung genommen hatte. Reicherssohn besaß alle die Vorzüge und Schattenseiten eines echten Parvenü. Mit unbedeutenden Mitteln war er kurz nach seiner Verheiratung nach Berlin übergesiedelt, hatte mit einigen Loosen zu handeln angefangen, es aber auch nicht verschmäht, allerlei kleine Nebenverdienste durch An- und Verkauf von Ringen, Uhren u. dergl. sich zu verschaffen. Er mußte es sich sehr sauer werden lassen, scheute keine Anstrengung und erwarb sich durch Fleiß undSparsamkeit nach und nach ein kleines Vermögen. War erst ein kleines Capital beisammen, so ging es von da ab sprungweise mit dem Anwachsen desselben, das Glück begünstigte ihn zusehends, und als ihm dazu das große Loos in den Schoß fiel, war er plötzlich