Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1881)
- Date
- 1881-02-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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111 muß sein: gleiches Recht itub gleiche Pflicht, und demnach mutz auch den Juden als deutschen Staatsbürgern neben der gleichen Pflicht auch das gleiche Recht im vollen Umfange und mit voller Aufrichtigkeit gewährt werden." — „Die Antisemiten," heißt es in dem Begleitschreiben, „wollen ihren Kamps nicht eher beendet sehen, bis sie ihr Ziel, dieZurückdränguug des jüdischen Einflusses auf ein der deutsche!: Eultur und Gesittung ungefährliches Maß, erreicht haben. Herr Stöcker und seine Kampfgenossen müssen eine sehr schlechte Meinung vom deutschen Volke haben, wenn sie im Ernste glauben, daß 40,000,000 Deutsche von kaum 600,000 jüdischen Mitbürgern „verjudet" werden, oder daß einige jüdische Beamte den „Ton" des deutschen Beamtenlhums herabsetzen und die politischen Institutionen gefährden konnten. Was aber die Gesittung der Juden betrifft, so wird eine unbefangene Würdigung des jüdischen Lebens darthun, daß die Bekenner des Judenthmns ailderen Staatsbürgern nicht nachstehen und durch ihre Glaubensvorschri,neu an den Pflichten des Menschen und des Staatsbürgers nicht verhindert werden. Ja sie zeichnen sich vielfach von vielen Ehristen aus in den Tugenden der Nüchternheit, Sparsamkeit, des Mitleids gegen Arme und Kranke, der Heilighaltung der Familienbande n. s. w." — -„Ich kann nur wünschen," heißt es dann weiter, „daß diese antisemitische Agitation recht bald im Sande verlausen möge, damit Deutschland der Welt beweise, wie weniges die Angriffe verdient, rvelche einzelne christliche ^taatsreformer durch ihr unsinniges Benehmen heransbeschworen haben. Tie Seandalscencn in der Hauptstadt des deutschen Reiches, deren Schauplatz die Reichshallen waren, haben es in erschreckender Weise gezeigt, wohin diese antisemitische Agitation führt. Dieses wüste Treiben der Judenfeinde ist ein Schandfleck, von dem sich jeder wahre Vaterlandsfreund schmerzlich ergriffen und niedergebeugt fühlen muß. Ist das das Licht der Aufklärung, welches in der Stadt der Intelligenz leuchtet, ist das die gute Zucht und Sitte, welche dort wohnt? Einer Agitation, die in ihrem nächsten Gefolge solche Früchte trägt, kann ich mich nicht anschließen :c." — Sesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien, 21. Jan. In der heutigen Sitzung des Hauses der Abgeordneten sprach der Aba. Tr. Haase wie folgt: In der letzten Sitzung des Hauses kam die antisemitische Bewegung zur Sprache. Der Jude ist natürlich der Wucherer. Ich bin kein Jude und habe kein Mandat, die Inden zu vertreten, aber ich habe so viel Gerechtigkeitsgefühl in mir, daß ich inich verpflichtet halte, auf Ausfälle zu antworten,! welche in dieser Beziehung gegen ein ganzes Volk ' gemacht worden sind. Allerdings habe ich aus dem Munde des Monsignore Greuter das Wort gehört: „Durch die Emanripation anerkennen wir den Juden I als gleichberechtigt, und erkennen wir dieselben nicht 1 mehr als Fremde unter uns." Aber er hatte doch vorher gesagt: „Es gelingt nicht mehr, das nothleidende Volk in Stadt und Land, es gelingt nicht mehr den nothleidenden Bauernstand von dem Gedanken abzubringen, daß ein anderer Exodus jenes herzlosen Wnchervolkes für fie besser und vortheilhafter wäre." So wird hier ein ganzes Volk als herzloses Wnchervolk bezeichnet. Ich werde nicht leugnen, daß es, wie unter den Ehristen, so unter den Juden viele Wucherer gibt, und wenn sich ein ganzes Volk mit dem Handel beschäftigt, so wird unter diesem es gewiß relativ mehr geben, die sich des Mißbrauches desselben schuldig machen, als unter Richthandeltreibenden. Allein niemals wird man ein Volk, welches durch die Schuld der christlichen Bevölkerung Jahrhunderte lang gedrückt und gepeinigt worden ist (Rufe rechts: Sho!), dessen Charakter-Schattenseiten zun: Th eile auch auf diese Verfolgung zurückzuführen sind (Rufe rechts: Nicht wahr!), in Pansch und Bogen als ein herzloses Volk verurtheilen dürfen. Ich muß diese Bewegung als Schmach für das Ehristenthnm bezeichnen, aber auch als protestantischer Seelsorger als Schmach für den Protestantismils, von dessen Metropole diese Bewegung ansgegangen ist (Bravo! links.) Ich hege die Hoffnung, daß das wahre Ehristenthnm die Grundsätze der Religion auch in der antisemitischen Frage zur Geltung bringen werde und daß die Liebe endlich den Haß überwiegen werde. Die antisemitische Bewegung ist nicht genug zu verdammen vom christlichen Standpunkte ans, und ich hege die feste Ueberzengnng, daß sich diese meine Anschauung in immer weiteren Kreisen Geltung verschaffen und daß man endlich aufhören werde, ein ganzes Volk in Pansch und Logen zu verurtheilen. (Lebhafter Beifall links. Zischen rechts.) S e r b i e n. Belgrad. Unser Glaubensgenosse Herr A b r a h. Sser wurde zum Senator ernannt. S ch w e i z. Lt. Gallen, im Januar. Unsere Gemeinde ha: leider einen recht herben, schmerzlichen Verlust erlitten durch den unerwarteten plötzlichen Tod einer