Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1881)
- Date
- 1881-02-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1J0 Haben der Gemeindebund und Herr Dr. Rosenzweig etwa als Berthcidiger des Judenthums geschrieben, als sie ihre obige Petita zur Sprache gebracht haben? Es sind wiederholt Fälle vorgekommen, daß Juden an ihrem heiligsten Festtage, am Bersölmangstage, als Geschworene fungiren sollten. Um dies für die Zukunft zu verhindern, hat sich der Gemeindebund an den Reichskanzler mit einer diesbezüglichen Bitte gewandt, deren Erfüllung allerdings eine staatliche Anerkennung des Versöhnnngstages bedingen würde und die daher auch abgeschlagen wurde. Was in aller Welt hat dies mit der Maßlosigkeit der Judenvertheidiger zu thun? Ein Stabsarzt hält die Einführung der Beschneidung — vom medicinischen Standpunkt — für so wünschenswerth, daß er dem Gegenstand eine Schrift widmet, iu welchem er durch die Gesetzgebung diese nach seiner Ansicht gebotene Gesundheitsrücksicht gefördert wissen möchte. Was in aller Welt hat dies mit der Maßlosigkeit der Judenvertheidiger zu thun? Das ist ja noch widersinniger, als die Behauptung Henne-Am-Rhhu sei ein Judeufreund! Die Judenfreundschaft dieses edlen Kämpen ist übrigens bereits in diesen Blättern in einer ganzen Serie von Artikeln beleuchtet worden. Betreffs des Nosenzweig'schcn Vorschlags die Beschneidung durch die Gesetzgebung ciuzusühreu — uns ist von der Existenz einer derartigen Schrift erst bei dieser Gelegenheit etwas bekannt geworden — möge es gestattet sein, Herrn Portiz ans eine Stelle in Börnes Tagebuch zu verweisen, woraus man ersehen wird, daß diese Maßlosigkeit schon älter als seit 18<8 ist. — Dort erzählte Börne seine ersten Erlebnisse in Paris, welches er als politischer Flüchtling aufgesucht hatte. „Darauf ging ich zu einem Deutschen," beißt es dort, „dem ich bekannt war, der in Paris wohnte und Handel trieb. Ich bat ihn um die Erlaubnis;, einen'Koffer an ihn adressiren lassen zu dürfen, da ich nicht wisse, ob ich meine gegenwärtige Wohnung behalten würde und also keine sichere Adresse nach Hause schreiben könne. Der Mann war schon in Verlegenheit als er mich sah; da ich aber um die Benutzung seiner Adresse bat, erschrak er und verwirrte sich, daß es zum Erbarmen war. Er beschwor mich, ihn mit meinem Koffer zn verschonen, denn er habe in den heutigen Blättern gelesen, daß ich in politischen Händeln verwickelt sei und in dergleichen lasse er sich nicht gern ein. Je suis pere de famille, jammerte der Narr. Ich hatte ihm freilich zu viel zugemuthet; er war nicht blos ein Deutscher, sondern ein Jude; ich ließ ihn laufen. Aber Minister können daraus lernen, daß, j um mit ihren widerspänstiaen Liberalen j fertig zn werben, sie nichts Klügeres thun! könnten, als sie alle beschneiden zu lassen! und Juden aus ihnen zu machen. Dann i würden ne folgsam wie die Schafe werden" 2c. Was werden die Juden freunde Henne, Portiz und Eonsorten gegen diese Znmuthnngen des Judenfeindes Börne erst sagen? Curhafen, 46. Jan. Dem „Ctternboner Wochenblatt" wird geschrieben: Die Agitation gegen die Inden wird von Seiten der Antisemiten rechr lebhaft betrieben. Die bekannte Petition an den Reichskanzler, in welcher um Beschränkung der staatsbürgerlichen liechte der Inden gebeten wird, wird jetz? durch das ganze Land verbreitet und in einem Begleitschreiben zur Unterzeichnung und Verbreitung de? Petition anfgefordert. Es scheinen alle möglichen Kräfte in Anspruch genommen zu werden, denn es heißt in dem Begleitschreiben: „Wir werden die Petition in mehr denn hunderttanseild Exemplaren snecemoc versenden und zwar an alle unsrer Sache geneigten Redaetwuen, Bürgermeistereien, Superintendnren, landwirthschastliche Vereine, an alle Landräthe, Ober, örster, an sämmtliche Steuer- und Wirtbschaftsrcformer. viele Richter, Aerzte?c" Wir zweisten nicht, daß diese Petition viele Tausende von Unterschriften finden werde, wer aber weiß, wie solche Unterschriften erlangt werden, von Wollenden und Nichtwollenden, von Wissenden und Richtwiffenden, der wird sich auch sagen, wie wenig ans derartige Petitionen zn geben ist. ' Ein Exemplar dieser Petition mit dem Begleitschreiben war auch Herrn Pastor Paff zu Osterbruch zngcgangen, statt sie aber, der Aufforderung im Begleitschreiben entsprechend zn unterschreiben und zu verbreiten, hat er dieselbe an den Herausgeber Dr. Förster in Eharlottenbnrg mit einem Erwidernngsschrciben znrückgesandt, in welchem er sich entschieden gegen diese antisemitische Agitatition ansspricht. Wir theilen in Folgendem einige Stellen aus diesem Erwidernngsschreiben mit. Nachdem Pastor Pfaff diese Agitation, vom religiösen wie vom politischen Standpunkte aus, als eine unsittliche und ungerechte bezeichnet, beißt es weiter: „So lange die Vormundschaft der Kirche über den Staat dauerte und nachwirkte, mochte es Sinn haben, den seit fast 2000 Jahren bei uns angesiedelten jüdischen Stamm als fremd zu betrachten und zu behandeln; nachdem es aber endlich der Vernunft gelungen ist, den Staat von dieser zweideutigen Vormundschaft zu befreien, ist es eine Verkehrtheit, diesen Stamm noch immer mit einem Maße zu messen, das im Uebrigcn als unberechtigt zur Seite geworfen wird. Der Hanptgrundsatz des Staats