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Der Israelit · 1881-02-02 · Heft 5 (2.2.1881) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 5 (2.2.1881)
Date
1881-02-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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‘H ■ r i;(■ * b 108 strebt dieser Mami, Dich zu ^gewinnen, und ist er erst reich, so wird er seine Reichthümer genießen wollen." „„Du beurtheilst mich falsch/'" sprach Akiba bescheiden. „Ich liebe Deine hochherzige Tochter und würde mich glücklich schätzen, wenn sie arm wäre, wie ich."" „lind wenn sie arm wäre," entgegnete Kalba Sabua, „müßtest Du da nicht angestrengt arbeiten, um Dein Weib und die Kinder, die Dir geboren werden, zu ernähren? Hättest Du da Zeit, Dich mit der Thora zu beschäftigen?" „„Wenn ich arm wäre,"" antwortete Rahel statt der Gefragten, „„so würde ich mit meiner Hände- Arbeit mich bemühen, für den Unterhalt meiner Familie zu sorgen, damit mein Gatte ungestört dem heiligen Berufe sich widmen könnte."" „Du sprichst so, Lhörichtes Kind," antwortete Kalba Sabua, „weil Du die Armuth und die Plage und den Kummer der Armuth nicht kennst. Du hast es nie empfunden, was es heißt, hungrig zu sein und keine Nahrung zu haben, um den quälenden Hunger zu stillen." „„Und wenn ich es nie empfunden habe, mein Vater, so fürchte ich mich dennoch nicht davor. Wenn es mir gelingen möchte, zur Rettung und zur Erhaltung meines schwerbedrohten Volkes beizutragen, so möchte ich nichts Anderes essen, denn trockenes Brod, und auf dem nackten Boden schlafen. Auch Du mein Vater, liebst ja so sehr unser heiliges Volk. Hast Dn doch einen großen Theil Deines Vermögens geopfert, um das belagerte Jerusalem mit Vorräthen zu versorgen. Deine Vorräthe wurden vom Feuer verzehrt. Ich aber möchte meinem Volke seine heiligen Schätze retten, die kein Feuer verzehren kann, die selbst sind ein himmlisches Feuer, wärmend und erleuchtend, Jahrtausende hindurch. Siehe, ich habe dieses Deines Dieners Geist erkannt. Sein Verstand ist mächtig und durchdringend, befähigt, die Tiefen der Gotteslehre zu ergründen und das ganze, weite Gebiet desselben in sich aufzunchmen. Er wird ein Segen werden für unser Volk, wie kein anderer Mensch auf Erden; er wird ein Lehrer werden unsres Voltes und in Erfüllung bringen die Verheißung: Und alle Deine Söhne werden sein Gelehrte des Herrn, und die Fülle des Friedens wird sich ergießen über alle Deine Kinder." " Rahel hatte wie eine begeisterte Prophetin gesprochen, und Abika's Augen hingen an ihrem Munde voll seligen Entzückens. Ja, er fühlte es, um dieses Mädchens willen vermochte er das Höchste zu erstreben und zu erreichen. Kalba Sabua aber sprach: „Ich verstehe und begreife Deine Schwärmerei, die an Wahnsinn grenzt, nicht. Wie willst Du, thörichtes Kind, beurtheilen können, daß dieser unwissende Mann, einst ein großer Gelehrter wird werden! Daher ist es meine Pflicht, für Dich zu denken und zu beschließen. Du, Abika, verlässest noch heute mein Haus, und Du, Rahel, verzichtest vollständig auf den Gedanken, dieses Mannes Gattin zu werden. Ich ^aber werde nach Jabneh reisen und mir unter den Schülern des großen Rabbi Jochanan bcn Sackai einen Schwiegersohn aussuchen." ,,„O mein Vater,"" rief Rahel, flehend die Hände ausstreckend, „ich habe diesem Manne da mein Wort gegeben, und. ich werde es halten. Niemals werde ich die Gattin eines Andern werden!"" Kalba Sabua kannte seine Tochter und wußte, daß sie die Wahrheit sprach. Deßhalb übermannte ihn der Zorn und er rief: „So wisse denn, daß wenn Du Dich meinen Wünschen nicht fügst, Du aufgehörst hast, meine Tochter zu sein. Wenn Du Dich diesem Bettler da au den Hals wirfst, so magst Du auch kosten, wie bitter der Kelch der Armuth schmeckt. Höre mich und vernimm mein Gelöbuiß: Keine Sesterze erhältst Du, von Allen:, was mein ist. Nichts darfst Du mit aus meinem Hause nehmen, als die Kleider, die Du trägst. Dann magst Du mit dem Bettler betteln gehen und die Almosen an den Pforten mitleidiger Menschen erbitten. So wähle denn zwischen ihm und mir." „„Mein Vater/"' sprach Rahel bekümmert, „Gott ist mein Zeuge, daß es mich tief betrübt, Deinen Zorn erregt zu haben. Deine Reichthümer verschmerze ich leicht; Deine väterliche Liebe möchte ich nicht entbehren."" „So bleibst Du bei Deinem Entschlüsse?" „„Ich kann nicht anders."" „So gehe mit diesem Manne; meine Tochter bist Du nicht mehr; meine väterliche Liebe hast Du verwirkt; genug, daß ich keinen Fluch ausspreche und auf Dein starrsinniges Haupt .keine Verwünschungen lade." (Fortsetzung folgt.) Hierzu vier Beilagen. Berautwortl-cbe 'Uebacfbi;: Di. ^eh'.nann tu Mainz. — Verlag u;tb Expedition des „Zäraelit" glotze Bleiche 45. I «v oi tsiebeirS Buchdruckerei (,".ai»zer Anzeiger). /

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