Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1881)
- Date
- 1881-02-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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107 ich würde mich noch glücklicher fühlen. Dann würde mir auch die schwere Aufgabe nicht zu Theil werden, Deine Hand von Deinem Vater zu verlangen. Wie kann ich es wagen, mit solchem Ansinnen vor ihn zu treten! Er wird mich für wahnsinnig halten, weil ich, sein Knecht, ein armer, ungelehrter Hirte, die Kühnheit habe, sein einziges Kind zu begehren. Er wird mich aus seinen Diensten jagen und seine Tochter auf das Schnellste an einen Andern verheirathen wollen, der ihm würdiger erscheint als ich. Und doch muß es geschehen. Hilf mir, allgütiger Gott, hilf mir, die Hand meiner Rahel zu erringen, und ich gelobe es Dir mit heiligem Eide, daß mein ganzes, künftiges Leben nur Dir, nur Deinem Dienste, nur der Erforschung Deiner heiligen Lehre gewidmet sein soll!" Akiba war ein viel zu pflichttreuer Diener, als daß sein Liebestramn ihn hätten veranlassen können, den Dienst seines Herrn zu vernachlässigen. Er ging an seine Arbeit und suchte die Interessen seines Herrn nach allen Seiten hin zu wahren; kein Knecht, keine Magd, wagte es. sich der Trägheit hinzugeben, oder gar etwas zu veruntreuen. Akiba war überall, und nichts entging seinem aufmerksamen Auge. Die Heerden gediehen unter seiner Leitung, und ersichtlich wuchs der Reichthum seines Herrn. So vergingen die Tage und Wochen. Rahel sprach er nicht wieder, aber er war glücklich, wenn er sie von weitem erblickte, wenn er fühlte, daß ihr Auge liebevoll auf ihm ruhte. Noch hatte er nicht gewagt, vor seinen Herrn hinzutreten und ihm die Bitte vorzutragen, die diesem als eine, alle Grenze überschreitende Kühnheit erscheinen mußte. Da sprach Kalba Sabua eines Tages zu ihm: „Akiba, ich bin mit Dir zufrieden, Du mühst Dich ab in meinem Dienste, und mein Eigenthum gedeiht unter Deiner Hand. Du hast mir aber noch nicht gesagt, welchen Lohn Du für Deine Dienste forderst." Akiba erzitterte; jetzt war der Augenblick gekommen, in welchem er mit seinem Herrn reden mußte. Er nahm all seinen Muth zusammen und sprach: „Du hast, o Herr, diese Frage schon einmal an mich gerichtet. Damals trat gerade Deine Tochter herein, und als ich sie erblickte, dachte ich in meinem Herzen: Könnte ich doch sprechen, wie einst Bater Jakob sprach: Ich will Dir dienen sieben Jahre um Deine Tochter Rahel! — Jetzt, o Herr, möchte ich dieselbe Bitte, aber in anderer Weise an Dich richten. Entlasse mich aus Deinen Diensten, damit ich, dem Wunsche Deiner Tochter entsprechend, mich dem Studium der heiligen Lehre widme; denn unter dieser Bedingung hat Deine Tochter versprochen, mein Weib zu werden." Kalba Sabua glaubte, nicht recht gehört zu haben; er sah den Jüngling mitleidig an und sagte: „Ich verstehe Dich nicht, Akiba. Ist Dir vielleicht ein Dämon in der Gestalt meiner Tochter erschienen und hat Dir Dinge vorgespiegelt, die gar nicht in den Bereich der Möglichkeit gehören?" „„Ich begreife recht wohl,"" antwortete Akiba, „„daß Dir das, was ich sage, als eine nicht zu rechtfertigende Kühnheit erscheinen muß, und nicht hätte ich es gewagt, mit einer solchen Bitte vor Dich hinzutreten, wenn Deine Tochter es nicht verlangt hätte."" Kalba Sabua öffnete die Thüre des Gemaches und rief einem Diener zu, daß er seine Tochter herbeischeide. Es währte nicht lange, so erschien Rahel. Festen Schrittes ging sie auf ihren Vater zu, ergriff dessen Hand, küßte sie und sprach: „„Du hast befohlen, mein Vater!"" „Mein geliebtes Kind," sagte Kalba Sabua. „Du bist mir stets eine gehorsame und liebevolle Tochter gewesen; es hat bei Dir nie der Befehle und Verbote bedurft; meine Wünsche waren auch stets die Deinigen. Als Papus erschien und um Dich werben wollte, da gefiel er weder Dir. noch mir, und ich schickte ihn fort, ohne daß ich Dich erst befragt hätte; denn ich wußte, daß Du nie seine Gattin hättest werden wollen." „ „Ich weiß es, mein Vater" ", antwortete Rahel. „„Du warst stets so gütig und liebevoll gegen mich, daß es mir immer eine Freude war, Dir zu gehorchen." " „Deßhalb kann ich auch nicht glauben, mein Kind, was dieser Mann da spricht; er behauptet. Du habest ihn aufgefordert, bei mir um Dich zu werben. Ich will nicht davon reden, daß er arm fit, und von heidnischer Abstammung; aber er ist ein Unwissender, und Du, meine Tochter, hattest doch immer den Wunsch, die Gattin eines Mannes zu werden, der aus den lebendigen Quellen der heiligen Gotteslehre geschöpft hat." „„Höre mich, mein Vater! Der Geist dieses Mannes ist kein ungewöhnlicher. Akiba hat mir versprochen, alle seine Tage und seine Nächte der Erforschung der heiligen Gotteslehre zu weihen. Bei seinen Geistesgaben wird er die Großen Israels übertreffen und einer der Größten werden. Um ihn für die erhabene Aufgabe unsres Volkes zu gewinnen, habe ich mich ihm versprochen."" „Thörichtes Kind," sprach Kalba Sabua, „wird der Mann noch einzuholen vermögen, was der Knabe zu lernen versäumt hat? Und wenn auch, meinstDu, er würde sein Versprechen erfüllen? Unter Dreien, sagt der weise König, erbebet die Erde, unter dem Knecht, wenn er Herrscher wird. Um Deines Gutes willen I, A