Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1881)
- Date
- 1881-02-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447850-2447855--17184-2473196- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
104 „Wir wollen um Gnade flehen" wollen das Mitleid der Egypter anrufen — unsre Weiber und Kinder sollen sich mit uns ihnen zu Füßen werfen — also der Jammerruf unmännlicher Verzagtheit! n '01 ixu lüKTin niC'O ~i-n Ow mcixr U7 uw '01 cn*>n "k-n o orö -cx cr'.yo} tpj n'C'xr rnc'i»» 1^1 osS orp1 '* nonro r.s-j/j .|VvP"nn dp«! ~~x pJJD nnyj Der große Führer des Volks aber trat diesen rnnI -y.-vx . „diesen vier Parteien," in welche das damalige Israel in der Stunde der Gefahr auseinanderging, entgegen. Den Verzweifelnden rief er zu: „Fürchtet euch nicht!" Ermannt euch, gewinnt die innere Ruhe; „stellet euch hin und schauet die Rettung Gottes, welche Er euch heute gewähren wird!" Ihr wollt verzweifeln, haltet euch verloren, weil euer blödes Auge keine Hilfe erspähen kann! Ist denn euer Werk die junge Freiheit, habt ihr sie euch errungen, habt ihr eure Herren bezwungen? War es denn nicht die unmittelbare Wallung Gottes, welche die Bande sprengte, die euch Jahrhunderte lang in Unterthänigkeit hielt? Ihr war't ohnmächtig und schwach, ihr war't Sclaven noch in dem Augenblicke, wo euch die Freiheit verkündet wurde. Gott wußte das Herz eurer Tyrannen zu treffen, ihren harten Sinn zn beugen — daß sie euch, ihre gebornen Knechte, aus der Dienstbarkeit einließen und die Rechte der Menschen euch gewährten. Gottes allmächtiger Arm trug euch aus der egyptischen Selaverei hinaus der Freiheit entgegen — darum harret geduldig Seiner fernem Hilfe; — **ni oy-rn, richtet euch im Vertrauen auf Gott auf, so werdet ihr die Rettung schauen, die Er auch heute, wie ehedem, euch schaffen wird! Und den in kleiumüthiger Schwäche zur Rückkehr nach Egypten Mahnenden trat Moses entgegen und sprach: Ihr wollet nach Egypten in den früheren Zustand der Knechtschaft zurückkehren, wollt freiwillig wiederum die Fesseln auf euch nehmen, welche Gottes Gnade und Allmacht von euch genommen? Glaubt ihr, Gott habe euch deßhalb erlöst, daß ihr die kaum erlangte Freiheit in einem Augenblicke des Kleinmuths ausopfern sollt, um euch euren Frohnvögten wieder zur Verfügung zu stellen? Nimmermehr! „Ihr, die ihr die Egypter heute gesehen, ihr werdet sie niemals wiederschauen" — so gewaltig und Furcht erweckend sie euch auch heute erscheinen, so mächtig eure Sclavenseele vor ihrem Anblicke zittert — eure Herren werden die Egypter niemals wieder; ihr gehöret Gott an, der über euch, der Ziegel brennenden Sclavenkaste, es ausgesprochen, daß ihr „Sein Kind" seid, „Sein erstgeborner Sohn" — euren ehemaligen egyptischen Eignern werdet ihr nicht verfallen! Den kecken Tollkühnen aber, welche mit der egyptischen Heeresmacht den Kampf aufnehmen wollten, verwies Moses ihre übermüthige Selbstüberhebung. Ihr Thoren vermeint mit Egypten zn kämpfen; — euer Arm vermag wohl die Mauerkelle zu führen, aber nicht das Kriegsschwert; dem gewaltigen Feinde werdet ihr zur Beute. — Ihr wäret verloren, rettungslos verloren, wenn ihr für euch streiten müßtet, cd? crn 'n „Gott wird für euch streiten!" und wenn Er für euch eintritt, so ist die Rettung gewiß. Und für die Klagen der Verzagten, die in unmännlicher Angst des Feindes Gnade anflehen wollten, hatte er nur das ernste Wort der Zurechtweisung. dp«! „Ihr habt zu schweigen!" Weinen und Winseln hat gar keine Berechtigung einem Feinde gegenüber, welcher eure Kinder raubte, um sie in den Fluthen des Nils zu ertränken. So suchte Moses das Volk zu beschwichtigen und wandte sich im Gebete zn Gott, daß Er den Bedrängten Rettung sende. „Und Gott sprach zu Moses: was flehest du zn Mir, sprich zn den Söhnen Israels, daß sie weiter ziehen!" -rpyy pdo „Ich habe bereits dein Flehen erhört," erläutert das Midraschwort; nicht in muthloser Verzweiflung, nicht tu kecker Ueberhebung, — aber auch nicht in unthätigem Hiliausschauen wird euch die Hilfe. „Laß' sie anfbrechen" zum Weiterzuge dorthin, wo ihre Pflicht sie ruft; — dorthin, wo mein Befehl ihnen den Weg zeigt. „Ich werde euch Mir zum Volke nehmen und euch meine besondere Wallung angedeihen lassen; ihr tretet aus der Menschen Dienst, um ausschließlich Mein zu sein — Verkünder Meines Gesetzes für die Menschheit!" — also lenke Ich euer Geschick, also weise Ich euch den Weg — den habet ihr zu wandeln unentwegt ltnb ohne Zaudern — die Erhaltung, die Rettung ist Mein. — Und so führte Gott Sein Volk — trockenen Fußes durch das Meer; die Feinde aber fanden ihr Ende in des selben Meeres Wogen —-— Seitdem wandelt Israel durch die Menschheit, folgend der Spur, welche Gott ihm weist. Durch Wüsteneien über Felsgestein — durch Meeresfluthen, über Bergeshöhen führt sein Pfad. Es schreckt nicht zurück vor dem Dräuen des Sturmes; es bebt nicht vor dem Grollen des Donners — es schreitet seine Bahn Seraphim gleich wohin Gott es ruft, unbekülnmert um sein Geschick, das in Gottes Händen ruht. Was wir zu thun haben in der Gegenwart? — Dasselbe, was wir in der Vergangenheit zu thun hatten: — Gottes Gebot zu erfüllen, Seiner Stimme