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Der Israelit · 1881-01-26 · Heft 4 (26.1.1881) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 4 (26.1.1881)
Date
1881-01-26
Page
– (sequence 18)
Language
German
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94 trag. Der Angeklagte gedachte des Culturkampfes und der Stellung, welche die „Schles. Vlksztg." in diesem Kampfe einnehmen müsse. Die liberalen Blätter hätten seit Jahren die katholische Religion verunglimpft, indem sie ihrem Leserkreise Geschichten aus dem Mittelalter auftischten oder neuerdings angeblich vorgekommene Unsittlichkeiten katholischer Priester mehr als ausführlich behandelten, da sei es der von ihm vertretenen Zeitung wahrlich nicht Zu verdenken, wenn sie diesmal eine ihr von glaubwürdiger Seite zugekommene Nachricht für wahr haltend, dieselbe zum Abdruck gebracht habe. Der Gerichtshof spricht die Verurtheiluug des Angeklagten zu 1 Woche Gefängniß aus. Wenngleich die angebliche Ermordung aus Damaskus herrühre, so sei doch nicht zu verkennen, daß im Allgemeinen eine Beschimpfung der jüdischen Religions-Gesellschaft vorlicge, der Artikel sich also auch auf die in Deutschland lebenden Juden beziehe. Hamburg, 16 Jan. Am verflossenen Freitag wurde uns ein Mann durch den Tod entrissen, welcher in Folge seiner Frömmigkeit und Wohlthätigkeit allgemein in hoher Achtung stand. Herr Joseph Schlesinger n"y hatte schon als kleines Kind seine beiden Eltern verloren; von seinem Vormunde wurde er einer Pensions-Anstalt übergeben, in welcher er eine durchaus unjüdische Erziehung erhielt, so daß er als junger Mann die Vorschriften unsrer heiligen Religion vielfach übertrat. Da fügte es die gütige Vorsehung, daß er bei Glaubensgenossen Wohnung nahm, die in streng jüdischer Weise lebten. Hier erst lernte der nicht mehr in erster Jugend stehende Mann das Judenthum kennen und schätzen. Er brach vollständig mit seiner bisherigen Lebensweise und wurde ein echter, ernster, frommer und eifriger Jude. Nunmehr suchteer, eine gleichgesinnte junge Dame als Lebensgefährtin zu gewinnen. Er fand dieselbe auf einer Reise, in Mainz, und führte sie hierher in sein Haus. Das Ehepaar, mit Glücksgütern reich gesegnet, lebte fast ausschließlich den hohen Pflichten der Wohlthätigkeit. Fast ein Viertel- Jahrhundert währte dieser glückliche Ehebund, den nunmehr der Tod getrennt hat. — Wie ich vernehme, hat Herr Schlesinger n"y reiche Stiftungen für wohlthätige Zwecke gemacht; doch weiß man darüber noch nichts Genaueres, da das Testament erst nach den sieben Trauertagen eröffnet werden wird. — Möge der allgütige Gott der trauernden Wittwe Trost spenden, ro^ pns -or, das Andenken des Frommen wird stets segensreich wirken. n"3"s"j"n Leipzig, 17. Jan. In Bezug auf die antisemitische Agitation ist eine Aeußerung des als Orientalist als erste Autorität geltenden Leipziger Professors der Theologie, Dr. Franz Delitzsch, von Interesse, welche einem Briefe, datirt vom 2. Januar, entnommen ist und lautet: „ . . . Christlicherseits spielt in diese Bewegung ein unchristlicher Haß hinein, welcher zum Himmel schreit, und da die Wurzeln des Christenthums mit denen der alttestamentlichen Religion dieselben sind, das ekelhafte Verhalten eines Vogels darstellt, der sein eigen Nest beschmutzt. Möge dieses unheilige Feuer bald verflackern und ersterben. Ich höre nicht auf, es mündlich und schriftlich zu verurtheilen ..." Amerika. Einer offiziellen Statistik der Juden in den Vereinigten Staaten entnehmen wir folgende Notiz: Im Jahr 1763 wurde die Synagoge zu Newport, Rhode Island, dem Gottesdienst übergeben; damals zählte Newport über 60 jüdische Familien. In der Stadtkanzlei befand sich das Dokument (Dat. 28. Febr. 1677) über den Verkauf eines Stückes Land, 30 Quadratfuß haltend, seitens des Nathaniel Dickens an Mordicai Campannold und Moses Packeckoe, als Begräbnißplatz für die Juden. Die ersten Juden, die sich in Newport niederließen, waren holländischer Abstammung aus Cura^ao. Die Synagoge wurde um 1790 geschlossen, ohne Zweifel, weil eben fast keine Juden mehr dort wohnten, und sie blieb geschlossen bis 1850, zu welcher Zeit der verstorbene Prediger Raphael aus Newport während seines Besuchs in Newport an einem Samstag Gottesdienst darin abhielt. Ueber die Zahl der heute dort lebenden Juden weiß der Bericht nichts zu melden, bringt aber aus einer alten Chronik Details über die hohe Stellung und Achtung die die Juden Newports genossen. Sicher ist, daß die erste Niederlassung von Juden in den Vereinigten Staaten in Newport stattsand. Feuilleton Die Jugendfreunde. Von A. Königshofen. III. Die Gelegenheit, das Judenthum von einer andern Seite, als er es anzuschauen gewohnt war und gründlicher kennen zu lernen, sollte sich Kohn schneller, als er es gedacht, bieten. Nach kurzem Verlauf einer Krankheit war ein mit Kohn befreundeter jüdischer Student gestorben.

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