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Der Israelit · 1881-01-26 · Heft 4 (26.1.1881) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 4 (26.1.1881)
Date
1881-01-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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88 solcher Zeugen, selbst wenn sie zufällig zu erlangen wären, keine Notiz nehmen. Trotz der Bemühungen der Junta zu Gunsten der Unglücklichen, die jeden Tag kommen und um Beistand flehen, zeigt sich in der Lage der marroccanischen Israeliten nicht die geringste Besserung. (Die Israeliten von Bulgarien.) Auf die nach Sofia gerichteten Petitionen um Anberaumung des Wochenmarktes auf einen andern Tag als den Samstag, ist bis jetzt noch keine Antwort erfolgt. (Die Israeliten der asiatischeil Türkei und Persiens.) Herr Baron v. Hirsch hatte die Güte, dem Central-Komittz wieder eine Unterstützung für die von der Hungersnoth heimgesuchten Israeliten der asiatischen Türkei zur Verfügung zu stellen, so daß dasselbe am 21. Dec. an den französischen Konsul zu Bagdad, Herr Peretitz, wieder eine Summe von 2000 Fr. zur Vertbeilung an die armen Israeliten von Kerkuk und den kleinen Ortschaften der Umgegend und eine gleiche Summe von 2000 Fr. an den franz. Konsul von Mossul, Herr Siousfi, für die bedürftigen Israeliten dieser Stadt und Umgegend schicken konnte. Die Londoner Times hat am 12. Oct. pr. eine Nachricht aus Teheran vom 11. Oct. gebracht, wonach die Kurden, welche das persische Gebiet überfallen hatten, unter Anderem die Bevölkerung des Marktfleckens Miandäb und 4 großer benachbarter Dörfer niedergemacht hätten. Da diese Ortschaften als Wohnsitze von Israeliten galten, hielt cs das Kentral-Comit5 für geboten, sich über das Schicksal der Letzteren zu erkundigen, und erhielt leider Mittheilungen, welche in der traurigsten Weise die Nachrichten der Times bestätigen; 200 Israeliten von Miandüb sind zugleich mit 1500Persern und Armeniern von den Kurden massacrirt worden, ihre Leichen blieben unbeerdigt, da das Land militärisch von den Kurden besetzt ist. „Man hat mir berichtet, fügt der Korrespondent des Central-Comit«s hinzu, daß isr. Frauen und Kinder in die Gefangenschaft von diesen Wilden geführt worden seien, welche muselmännische Weiber und Kinder lebendig verbrannt und mehr als 500 Dörfer in Azarbaidjan zerstört haben." (Lectionsplan der Alliance-Schulen.) Das Central-Comitö glaubt dem Wunsche einer Anzahl von Mitgliedern und Comitös zu entsprechen, wenn es hiermit einige Mittheilungen über den hebräischen Unterricht in der Vorbereitungsschule und in den Primärschulen macht. Diese Mittheilungen werden im nächsten Semesterbericht weiter ausgeführt werden. In der Vorbereitungsschule umfaßt der Lectionsplan im Ganzen 25 Stunden wöchentlich, wovon 8 St. auf Hebräisch kommen; nämlich: 2. St. Bibelerklärung (die letzten Propheten und Hagiographen), 1 St. Bibel cursorisch (Pentateuch und die ersten Propheten), 1 St. hebräische Grammatik, 1 St. Stilübung, 2 St. Talmud (Mischnah und leichtere Talmudstellen), 1 Stunde jüdische Geschichte. Die Lehrer sind: H. Rabbiner Antoine Levy für Bibelerklärung und hebräische Grammatik und H. Joseph Halevy für Talmud, Stilübungen und Geschichte. — In den Primärschulen ist es überhaupt nicht möglich, den Unterricht nach einemallgemeinen festen Lectionsplan zu ordnen; dieser Plan muß sich vielmehr in Schulen, welche auf Europa, Asien und Afrika zerstreut sind, soviel als möglich nach den localen Bedürfnissen richten. Für den hebräischen Unterricht werden im Allgemeinen folgende Regeln beobachtet: 1) Dieser Unterricht wird den Anfängern überall von den einheimischen Rabbinen ertheilt; an allen Alliance-Schulen sind Rabbiner der betr. Städte angestellt. In den höheren Klassen vervollständigt der von der Alliance geschickte Director den Unterricht der Rabbinen. 2) Der Unterricht der Rabbinen besteht im Lesen und Vortragen, Schreiben und der im Lande üblichen Uebersetzung der Bibel, der Gebete und zuweilen auch gewisser in dem Buch Cliok lejisrael gesammelten talmudischen Stellen. Bis jetzt war es in den meisten Schulen unmöglich, von den Rabbinen die Befolgung einer anderen Methode zu erlangen; der Unterricht ist übrigens derselbe, der in allen einheimischen Talmud-Thora-Schulen ertheilt wird. Der Director unterrichtet die hebräische Grammatik und methodische Bibelerklärung; die Einführung dieses Unterrichts in die Alliance-Schulen ist ein wirklicher Fortschritt gewesen. 3) In den unteren Klassen bleiben die Kinder den größten Theil der Stunden lediglich in den Händen der Rabbinen; der Director unterrichtet dieselben 1 bis 2 Stunden täglich im Lesen und Schreiben einer europäischen Sprache. In der 3. Klasse beträgt das Minimuni des hebräischen Unterrichts 3 St., in der 2. und 1. Klasse 2 St. täglich. Konstantiuopel. — In Folge einer von 2 protestantischen Schulen zu Haskeui gemachten eifrigen Propaganda geriethen die Israeliten in Aufregung und hat auf ihr Gesuch der Großrabbiner und Kaimakam der Gemeinde eine monatliche Unterstützung von 20 Pfd. trk. bewilligt zur Gründung und Unterhaltung von Asylschulen für 300 Kinder beiderlei Geschlechts, welche bisher die Missionsschulen besucht hatten. Ein aus 3 Rabbinen, 2 Alliance-Lehrern, H. Fernandez und H. Felix Bloch, 1 Kaufmann und 2 Aerzten bestehendes Comite ist unter Vorsitz des Großrabbinen selbst gebildet worden und hat 3 Zufluchtssäle errichtet, von denen der eine 150 Mädchen, der andere 70 ganz kleine Kinder und der dritte 80 kleine Knaben aufnimmt.

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