Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1881)
- Date
- 1881-01-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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81 derselbe die Weihe des Heiliathums. Hierauf sprach Herr Dr. Vogelstein. Derselbe knüpfte seine Rede an das Bild vom goldenen Leuchter und zwei Oelbäumen zu seiner Seite aus Sacharja 4 an, und schildert mit hinreißender Beredsamkeit, in fein durchdachter Rede und in meisterhafter Diction die sittliche Aufgabe der Menschen nach Erkenntniß und Wahrheit (Oelbaum zur Rechten) und nach Frieden mit Gott und Menschen (Oelbaum zur Linken) zu trachten, wie beides aber nur geschehen könne in rechter Gottesfurcht und diese ihr Licht empfange von dem Leuchter in der Mitte. Zum Schluß hielt Prediger Rackwitz das Gebet für den Kaiser und König, für das königl. Haus, die Regierung und die Obrigkeit. — Möge die Feier der feiernden Gemeinde und ihren Ehrengästen in dankbarer Erinnerung bleiben und den Bekennern verschiedenen Glaubens bei aller Mannigfaltigkeit in der Gottesverehrung eine Mahnung zur gegenseitigen Toleranz und zum friedevollen Zusammenleben mit einander sein. Weimar, 15. Jan. Die antisemitische Bewegung wirft ihre Wellen jetzt auch in das von ihr bis jetzt verschont gebliebene Thüringen. Die bekannte Dr. Förster'scho Petition liegt hier in einem öffentlichen Lokale zur Unterzeichnung auf; sie soll jedoch wenig Unterschriften finden, trotzdem 3 hiesige Bürger „jeden braven Deutschen" auffordern, die Petition zu unterzeichnen Besonders tritt ein hiesiger bekannter Maler, mit mehr Fanatismus als Gründen ausgerüstet, für die antisemitische Bewegung ein, denn er spricht von „jüdischem Terrorismus, unter dessen Druck wir Alle leben." Gewiß eine Behauptung, zu der sich die eifrigsten «schürer der antisemitischen Bewegung noch nicht verstiegen haben. In den Jnseratentheilen hiesiger Zeitungen hat sich eine förmliche Polemik für und gegen die Juden entwickelt, die von beiden Theilen mit vieler Schärfe geführt wird. Uebrigens ist Thüringen für die Antisemiten-Bewegung ein ungünstiger Boden, das werden die Herren Antisemiten-Apostel bald erfahren. Oesterr.-Ungarische Monarchie. Man schreibt der „Neuen fr. Presse" aus Mährischj Weißkirchen, 17. d.: Hat die Weltstadt an der Spree; ihre Antisemiten - Bewegung, so muß sie die „Welt-! stadt" an der Beczwa doch auch haben. Seit vielen! Decennien leben die Christen- und Judengemeinde (letztere ist eine politische) im besten Einvernehmen, ohne daß sich die eine oder die andere geschädigt gefühlt hätte: da erscheinen seit circa drei Wochen in! einem clericalen Olmützer Blatte längere Artikel! unter dem Titel: „Jerusalem an der Beczwa", welche - die christliche Bevölkerung gegen die jüdische aufhetzen, i und schon wird in allen öffentlichen Lokalen über j die Ausschreitungen der Juden debattirt. Einer hetzt! den Andern auf, und es wäre kein Wunder, wenn i wir demnächst Scenen ähnlich wie in Berlin erleben! würden. Der größere Theil der Bevölkernng steht! der unzeitgemäßen Bewegung freilich ferne und sucht : dieselbe im Keime zu ersticken, die israelitische Be- > völkerung aber zieht sich zurück und bleibt von allen! öffentlichen Unterhaltungen ferne. Vielleicht gelingt j es den Bemühungen der Einsichtigen, den unnützen j Hader rechtzeitig zu verhindern, bei dem keine Partei! gewinnen könnte. Budapest im Januar. Vergangenen Freitag! haben wir hier ein Mann zu Grabe getragen, welcher : noch dem vorigen Jahrhundert angehörte. Herr Jos. s A lt m an n, ein höchst ehrenwerther, wirklich frommer l Mann, ist im hohen Alter von 90 Jahren von uns! gegangen. Den Versio--.'nen schmückte während seines! schönen Lebens eine z.W.'ache Krone, die Krone der! Gelehrsamkeit und die -es guten Rufes. In allen! Fächern der jüdischen Wissenschaft hatte er mit Er- > folg geforscht und sich den heutzutage seltenen Namen! eines großen Talmudisten errungen. Der edle Verklärte war mit Glücksgütern bedacht, die er nach Anleitung seines warmfühlenden und für Wohlthun erglühenden Herzens auss Beste verwendete. Er war bereits vor einem halben Jahrhundert der Waisenvater der Israeliten - Gemeinde zu Nagy - Abony, welches Ehrenamt er volle 25 Jahre höchst segensreich verwaltete. Von seinen Nachkommen sind ihm blos 15 Enkel und 6 Urenkel geblieben, die nun den wackern Ahnherrn aufrichtig bedauern. — Wien, 19. Jan. Die „Presse" hört, daß im Augenblicke ziemlich ernste Verhandlungen stattfinden zum Behufe der Gründung eines antisemitischen Journals in Wien. Die Namen der Proponenten waren nicht in Erfahrung zu bringen, doch scheine es, daß sie über reiche Geldmittel verfügen, denn im Falle die Zeitung zu Stande komme, werde beabsichtigt, dieselbe durch eine Reihe von Wochen in einer täglichen Auflage von 30,000 Exemplaren zu verbreiten. Die bekannten hauptstädtischen Bürger Mayer Krauß und Armin Neuwelt sind, wie„P. N." meldet, vom Könige in den ungarischen Adelsstand erhoben worden. Ersterer erhielt das Prädicat „Ludünyi." Frau Therese Steiner, geb. Jonas, hat im Mädchen-Waisenhause des Pester israel. Frauen- Vereins zum Andenken an ihren verschiedenen Gatten Herrn Joseph Steiner eine Stiftung im Betrage von 3000 fl. in österr. Papierrente errichtet. Der Ausschuß dieses Vereins hat beschloffen, den Namen