Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1881)
- Date
- 1881-01-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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79 Moguntiacum (Mainz) eine römische Stadt war. Die mächtigen Trümmer dieses altrömischen Bauwerks blicken nunmehr auf den israelitischen Friedhof hernieder. Die römische Weltherrschaft ist längst zerfallen; aber das kleine, so oft und hart von ihr bedrängte Juda lebt, blüht und gedeiht und harrt der verheißenen großen Zukunft entgegen. Mainz, 20. Jan. Die israel. Lehrer der hl. Stadt Jerusalem richteten neuerdings an uns eine dringende Bitte um Unterstützung; sie schildern uns in ihrem Schreiben ausführlich ihre Lage, die, dem Briefe zufolge, eine hartbedrängte sein muß. Es bedarf gewiß nur dieses Hinweises, um wohlthätige und edle Glaubensgenossen zu veranlassen, den Jugendbildnern Jerusalems nachhaltige Hilfe zu gewähren. Mainz, 21. Jan. Unsere geehrten Leser werden sich der in Nr. 1 dieses Jahres mitgetheilten Eorrespondenz, datirt „Mainz, den 30. December" erinnern. Daselbst haben wir die Befürchtung ausgesprochen, daß ein von dem judenfeindlichen, in Berlin erscheinenden Blatte, welches die Kühnheit hat, sich „Wahrheit" zu nennen, ersonnener Ausspruch, der fälschlich dem „Israelit" zugeschrieben wurde, von der Tribüne des Hauses der Abgeordneten in die Welt geschleudert werde. Diese Befürchtung ist eingetroffen. Am 18. d. M. hat im österreichischen Reichstage der Abgeordnete Schöffel diese Unwahrheit der sogen. „Wahrheit" von der Tribüne herab verkündet. Wir haben in Folge dessen an den Herrn Abgeordn. das nachstehende Schreiben gerichtet: „Hochgeehrter Herr! Mit Gegenwärtigem beehre ich mich, Ihnen die Nr. 1 meiner Zeitung „der Israelit" zu übersenden; Sie wollen gütigst darin die angestrichene Correspondenz, datirt „Mainz, den30.December", Nachlesen. Sie werden daraus ersehen, daß die von Ihnen in der Debatte am 18. d. M. gethane Aeußeruug, welche meine Ehre so schwer verletzt, auf einer von der sogenannten, in Berlin erscheinenden „Wahrheit" gebrachten „Unwahrheit" beruht; ich erwarte von Ihrer Ehrenhaftigkeit, daß Sie die erwähnte Aeußerung öffentlich im Reichstage berichtigen." München, 14. Jan. Wie man dem Nürnberger „Korrespondent" schreibt, hat sich das Staatsministerium des Innern veranlaßt gesehen, in Folge des Umstandes, daß die von Berlin ausgehende antisemitische Bewegung auch in Bayern Boden zu gewinnen sucht, durch die k. Regierungen die Distrikts- Polizeibehörden zu beauftragen, und dafür Sorge zu tragen, daß veranlaßten Falles durch ausklärenoe Belehrung und, soweit nöthig, durch Geltendmachung gesetzlicher Mittel der Bewegung im ersten Entstehen wirksam entgegengetreten werde. München, 17. Januar. Der Reichsrath v. Haubenschmid hat als Referent im ersten und zweiten Ausschüsse der Kammer der Reichsräthe über den Gesetzentwurf die Aufhebung der unter dem Namen Neujahrsgelder und drgl. bestehenden Abgaben der Israeliten betr." Vortrag erstattet und den Gesammtantrag gestellt, „dein hohen Hause die Zustimmung zu dem Gesetzentwürfe in der Fassung, welche er durch den Beschluß der Kammer der Abgeordneten erhalten hat, zu empfehlen." Aschaffenbrrrg, 20. Jan. Herr Rabb. S. Bamberger aus Fischach ist heute mit großer Majorität zum Districts-Rabbinats-Verweser gewählt worden. Berlin. Am Tage vor dem Weihnachtsabend stand an einem vor dem Schönhauser Thore belegenen Auktionslokale eine abgehärmte Frauengestalt in ärmlicher Kleidung, in deren von vielem Weinen stark gerötheten Gesicht die bittere Armuth ihre Furchen eingegraben hatte. Eben wurden die letzten entbehrlichen Habseligkeiten abgeladen, die ihr der Gerichtsvollzieher, unter Beisein des Gläubigers, abgepfändet hatte. Die Aermste stellte sich dorthin, um an der Psorte der Pfandkammer womöglich noch den Gläubiger zu erweichen, daß er ihr die wenigen Wirthschaftsstücke belasse — aber diese Hoffnung erwies sich als eine trügerische und bittere Thränen stürzten der Frau aus den Augen, als der flehentlich Gebetene ein für alle Mal: Nein! sagte. In diesem Augenblick trat von der anderen Seite der Straße ein ältlicher Herr hinzu, welcher sich sofort mit der Frage an den Gläubiger wandte: .Wieviel haben Sie von der Frau zu fordern?" „Zweiunddreißig Mark und die Kosten der Pfändung," lautete die etwas kleinlaut gegebene Antwort des Angeredeten. Der alte Herr zog sein Portefeuille und übergab der hochaufhorchenden Frau drei Zwanzigmarkscheine mit den freundlich gesprochenen Worten: „Das wird wohl ausreichen; bezahlen Sie den Mann damit und nehmen Sie Ihre Sachen wieder nach Hause." Kaum hatte die Frau noch so viel Zeit, dem Braven zu danken, der schnell in eine vorüberfahrende Droschke stieg und davon fuhr. So wurde der Aermsten plötzlich ein schönes Weihnachtsfest bereitet und jeder wahre Menschenfreund wird hoffentlich nichts darin finden, daß die so reich beschenkte