Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1881)
- Date
- 1881-01-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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78 deutet das an, was wir bereits oben gesagt haben, daß nämlich der Sabbat und die Festtage im innigsten Zusammenhänge miteinander stehen und sich gegenseitig ergänzen. Damit ist aber noch nicht erklärt, weßhalb auch die sechs Werktage hier erwähnt werden; in Folge dessen hat man eine andere, geistreiche Erklärung gegeben. Danach soll der dritte Vers des angeführten Capitels sich gar nicht auf die Werktage und die Feier des Sabbats, sondern ebenfalls auf die Festtage beziehen. Es gibt nämlich sieben biblische Festtage: oer erste und siebente Tag des Peßachfestes, das Wochenfest, das Neujahrsfest, der Versöhnungstag, der erste Tag des Hüttenfestes und der achte Tag desselben, das Beschlußfest: an sechs von diesen Feiertagen dürfen mancherlei Arbeiten in Bezug auf Speisebereitung gethan werden, am siebenten aber, am Versöhnungstage, darf keinerlei Arbeit geschehen; er ist ein vollkommener Ruhetag. — So geistreich diese Erklärung nun auch ist, so entspricht sie doch nicht dem Sinne und dem Wortlaute der heiligen Schrift. Wir wollen daher die ursprüngliche Erklärung festhalten und darzulegen versuchen, daß das heilige Schriftwort hier wie überall, vollkommen angemessen und zutreffend ist. Der Sabbat ist vom Anbeginn an von Gott eingesetzt; in sechs Tagen hat Gott die Welt erschaffen und am siebenten geruhet; deßhalb hat Gott den siebenten Tag gesegnet und geheiligt. Die Festtage dagegen wurden, solange Israel im heiligen Lande wohnte, von den israelitischen Behörden, denen die Kalenderrechnung oblag, bestimmt. Sobald der neue Mond sichtbar wurde, traten die Männer, die ihn zuerst gesehen hatten, vor den höchsten Gerichtshof und legten Zeugniß ab; dann sprach der Fürst die Heiligung des Mondes aus, und dieser Tag war dann der erste des Monats, tsnin »tn. Es konnte nunmehr der Fall sein, daß der Mond nicht sofort bei seinem ersten Wiedererscheinen erblickt wurde oder daß die Zeugen sich durch irgend einen Umstand verspäteten oder daß der Gerichtshof durch falsche Zeugen irregeführt wurde oder daß der Gerichtshof, durch irgend eine Rücksicht dazu veranlaßt, die Heiligung des Mondes hinausschob, n'Uw i^s« on« D’VDID Dnfc , DHMD DDN — in allen diesen Fällen galt nur der Tag als Neumondstag, den der Gerichtshof dazu bestimmt und geheiligt hatte. Nach der Bestimmung des Neumondstages aber richten sich die Festtage; es hängt demnach die Bestimmung der Festtage von Israel ab, während die Bestimmung des Sabbats lediglich von Gott abhängig war, ist und bleibt. Dies lehrt uns die heilige Schrift, indem sie in Bezug auf die Einsetzung des Sabbats sagt: nyio nn „diese sind Meine Festzeiten," während es in Bezug auf die Festtage heißt: Dijiloa Dm« iftnpn 10« enip '«->pD 't nmo nb* „Diese sind die Festtage des Ewigen, heilige Festverkündigungen, die ihr benennen sollt zu ihren Zeiten." Es erübrigt uns noch zu erklären, weßhalb auch die sechs Werktage hier erwähnt werden. Das heilige Sohar-Buch erzählt uns in Bezug darauf ein herrliches Gleichniß: Ein Vater hat viele Kinder, die sich den verschiedenartigsten Berufsgeschäften zugewendet haben; die Einen betteiben Handwerke, die Andern bearbeiten das Feld, die Dritten haben kaufmännische Geschäfte. Da spricht der Vater zu seinen Kindern: „Ihr könntet mir entfremdet werden durch Eure mannigfaltigen Arbeiten und Mühen; deßhalb will ich einen Tag bestimmen, an welchem der Kaufmann sein Geschäft schließen, der Handwerker sein Handwerkszeug rasten lassen, der Ackersmann nicht auf dem Felde arbeiten soll. Dieser Tag soll uns Alle vereinen, an diesem Tage sollt Ihr Alle meine Gäste sein." — Der Vater ist der Vater des Weltalls, der Heilige, gelobt sei Er, und Seine Kinder sind wir Israeliten. Deßhalb hat Gott gesprochen: „An den sechs Wochentagen mag Jeder seinen Arbeiten und seinen Geschäften nachgehen; aber der siebente Tag soll sein ein vollkommener Ruhetag, heilig dem Ewigen." (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Cnrrespondenzen. Deutschland. Mainz, 17. Jan. Heute wurde auf dem neueröffneten israelitischen Friedhofe unter den entsprechenden Feierlichkeiten die Leiche eines armen Durchreisenden aus der bayerischen Pfalz, der hier erkrankte und in dem hiesigen Hospital verstarb, zur Erde bestattet. Der alte Friedhof, welcher seit länger als 1500 Jahren der altehrwürdigen israelitischen Gemeinde n Mainz als Begräbnißstätte diente, mußte gechlossen werden, weil er durch die Stadterweiterung innerhalb der Neustadt liegt. Auf demselben ruhen die Leichen vieler großen Männer, die in den Zeiten des Mittelalters und später die israelitische Gemeinde zu Mainz zu einer der hervorragendsten und berühmtesten machten. — Der alte Friedhof ist Eigenthum der Gemeinde und bleibt unberührt. Der neue Friedhof liegt in der Nähe der christlichen Begnäbnißstätte, oder vielmehr des Communal- Friedhofes. Nicht weit davon erblickt man die alten Römersteine, die Ueberreste der römischen Wasserleitung, welche die weltbeherrschende Roma vor mehr als 1800 Jahren hier errichten ließ, zur Zeit als