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Der Israelit · 1881-01-19 · Heft 3 (19.1.1881) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 3 (19.1.1881)
Date
1881-01-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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64 stein weder ein Empfehlungsbrief noch eine Ursache für Zurücksetzung. Seine eigene wahrhafte Gesinnungstreue hatte ihn zu seinem Rücktritte aus dem Amtsdienft veranlaßt. Als im Anfänge der 60ziger Jahre an dem Hofe, an welchem er wirkte, die Sympathien sich mehr und mehr Preußen zuwandten, und der Fürst selbst sich für das kleindeutsche Programm zu interessiren anfing, da wollte Hauenstein, der in seiner hochconservativen Gesinnung sich Oesterreich zuneigte, weder den Jntriguanten spielen, noch gar eine ihm fremde Gesinnung heucheln, und er legte seine Stelle nieder, so sehr man ihn auch zu bleiben bat, so lebhaft auch der Fürst selbst ihn um Rücknahme seines Entschlusses anging. Er gab seine Würde in die Hand seines Fürsten zurück, ohne Groll, ohne Stachel im .Herzen, denn so sehr er auch von der Richtigkeit seiner Grundsätze überzeugt war, so bestritt er doch keinem Andern das Recht der Meinung. Die Biederkeit und unerschütterliche Wahrheitsliebe des Vaters zeichnete auch den Sohn aus, und dies allein schon genügte, ihm viele Freunde auf der Universität zu erwerben. Dennoch war sein Kreis vertrauter Freunde ein sehr kleiner, und zwar in Folge seiner Wahrheitsliebe. Denn diese war mit einer fast überraschenden Offenheit verbunden; die Klugheit des Verbergens, des politischen Verhaltens kannte er nicht, wenn Lüge oder Gemeinheit sich an ihn heranzuwagen versuchten. Ein Unrecht, eine Gewaltthat ries seine volle Entrüstung wach, sein schönes, männliches Gesicht loderte in edlem Zorn auf, wenn die Bosheit den Schwachen zu Boden werfen wollte, und so friedliebend er sonst war, der Niedertracht gegenüber kannte sein Zorn keine Grenzen. Wohl war er stolz auf seinen Adel, aber nicht in der Weise, daß dieser ihm als Freibrief für jede Ueberhebung galt, daß er auf diesen hin sich berechtigt hielt, der Sitte, dem Anstande, dem Gesetz ein Schnippchen zu schlagen, sein Stolz bestand vielmehr darin, ihn rem zu erhalten, ihn nicht durch gemeines Betragen und Niedrigkeit der Gesinnung zu "bestecken: wenn Andern ihre stolze Abkunft Rechte giebt, die bis zum Mißbrauch des Rechts führen, so legte sie ihm Pflichten der edelsten und schönsten Art auf. Mit Kohn hatte er sich auf der Universität innig befreundet; die Verbindung der beide angehörten, hatten sie einander näher gebracht und gleiche Charakteranlagen, gleiches, ernstes Streben ein inniges Freundschaftsverhältnis; begründet, das auf gegenseitiger Achtung und Liebe beruhte. Bewegten sich ihre Studien auch auf verschiedenen Gebieten, so war doch auch hier bald ein gemeinsamer Anknüpfungspunktgefunden. Hauenstein, welcher Jus und Cameralia studierte, wurde in seinen Studien wesentlich durch seinen Freund Kohn gefördert, welcher ihn mit vielen Dingen aus dem Gebiete der Medizin bekannt machte, deren Kenntniß dem einstigen Richter von großem Nutzen sein konnte; der jjunge Jurist hingegen führte seinen Freund im Rechtsgebiete ein, die dem Mediziner für eine spätere praktische Thätigkeir als eine willkommene Erweiterung seines Wissenkreises erscheinen mußten. Dieses innige Verhäitniß wurde aber noch fester geknüpft, als Kohn mit dem Aufgebot aller seiner Kräfte den in einem Duell schwer verwundeten Freund Tag und Nacht pflegte und nicht eher von seiner Seite gewichen, bis die vollständige Genesung eingetreten war. War nun auch Arno in seinem Charakter noch ganz das Ebenbild seines Vaters, so hatte doch während der Universitätszeit seine politische Gesinnung eine ganz andere Richtung genommen. Von einem großen Theil der deutschen Studentenschaft war die offene Ablehnung seitens des damaligen Prinzregenten von Preußen, des jetzigen Kaisers, einer alleinigen Zusammenkunft mit Napoleon zu Baden-Baden, mit Enthusiasmus begrüßt. In der Forderung mit dem Kaiser der Franzosen nur in Gegenwart anderer deutschen Fürsten znsammentreffen zu wollen, sah man die Gewähr für eine deutsche Politik, welche Sonderbündnisse mit einer fremden Macht perhorrescirt. So wurden die Herzen für Preußen gewonnen; die „neue Aera", die damals für Preußen aufgegangen war, das liberale Ministerium Auerswald "konnte nur zur Befestigung dieser Neigung beitragen. Nun kam noch dazu der Pistolenschuß "in der Lichtenthaler Allee am 12. Juli 1861, welcher mit fluchwürdiger Bosheit auf das Leben des Königs von Preußen, der in Baden-Baden Erholung und Ruhe suchte, zielte, um dem von Gott so sichtbar beschirmten Regenten die Herzen seiner Unterthanen im Sturm zu erobern, um auch bei den aus allen deutschen Ländern sich zusammenfindenden Studenten der deutschen Universitäten die Liebe zu diesem Fürsten tiefere Wurzeln schlagen zu lassen. Arno hatte aus dem Umschwung seiner politischen Gesinnung feinem Vater gegenüber niemals ein Hehl gemacht, er hatte in seinen Briefen freimüthig über die Vorgänge auf der Universität berichtet, obgleich er wußte, daß sein Vater dem Oesterreich gegenüber aufstrebenden Preußen das Gefühl der Antipathie nicht verleugnete, das ihn ja mit der Zeit zum Austritt aus dem Staatsdienste veranlaßte. Weit entfernt, dem Sohne über seineAeußernngen Vorwürfe zu machen — denn auch ihm bestritt er das Recht der eigenen Meinung nicht — ließ er sich mit ihm in feinen Briefen auf eine sachgemäße Erörterung der politischen Tagesfragen ein, wie ein Freund mit dem andern verkehrt; konnte er den Sohn auch nicht umstimmen, so war aber das Resultat dieses Verfahrens ein doppelt erfreuliches: es machte den jungen Mann zu einem selbstständig ur-

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