Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1881)
- Date
- 1881-01-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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63 ablegte, mit welchem man ihm gefolgt war. Von ganzem Herzen schließen auch wir mit den Worten, mit welchen Hr. Koesterich seinen Vortrag beendete: „Möge unserm geliebten Vaterlande recht bald wieder das zu Theil werden, was ihm sosehr fehlt: der confessio nelle Friede!" Oesterr.-Ungarische Monarchie. Pefiih Dem „N. P I." schreibt man: Die verehrte Direktrice der in der Theresienstadt, Kreuzgasse, befindlichen Industrie-Schule — welche zumeist von erwachsenen Mädchen besucht wird — findet es für angemessen, die Schülerinnen christlicher und jüdischer Confession in der Weise vor gegenseitiger Berührung zu bewahren, daß sie dieselben in zwei verschiedene Säle separirt, wobei es sehr bezeichnend ist, daß Schülerinnen christlicher Confession im Falle eines Vergehens als Strafe in den Saal der isr. Schülerinnen transferirt zu werden pflegen. Eine wettere Jllustrirung dieses Vorgehens ist wohl überflüssig und bleibt es nur zu wünschen, daß die löbliche Unterrichts-Commission sich veranlaßt sehen möge, einem solchen Treiben baldigst ein Ende zu machen. Dänemark. Kopenhagen. Abraham, Isaak und Jakob heißen drei Kanonen, die sich jetzt im Artillerie- Museum zu Kopenhagen befinden — schreibt man der „Presse" — deren Geschichte in jetziger Zeit der beliebten „Judenhetze" recht lehrreich ist. Wie bekannt, entstanden die sogen. „Hepp-Hepp-Krawalle" in den Dreißigerjahren ursprünglich in der ehemaligen Alsterhalle in Hamburg, wo es zwischen einem Juden und einem Christen wegen des Anhäufens von Zeitungen zum successiven Durchlesen zur Schlägerei kam. Dieser Streit nahm unerwartete Dimensionen an und artete in eine wahre Judenverfolgung aus. Wo sich ein Jude zeigte, wurde er vom Pöbel wenn nicht angegriffen, so doch mit dem „Hepp-Hepp-Rufe" begrüßt. Diese unwürdige Hetze blieb aber nicht auf das Gebiet der alten „freien" Hansastadt beschränkt, sondern verbreitete sich weit über die deutschen Staaten. Durch die damals noch zu Dänemark gehörenden Herzogthümer Holstein und Schleswig verpflanzte sich die Verfolgung nach Dänemark und zunächst nach Kopenhagen, wo die Juden kurz zuvor aus Anrathen der Ständeversammlungen in Roeskilde und Wiborg gleiche staatsbürgerliche Rechte mit den Ehristen erlangt hatten. Eines Abends hatten sich Tausende von Menschen unter wildem Geheul und „Hepp-Hepp"-Schreien auf dem größten Platze der Stadt, dem Königs-Neumarkt, versammelt und, drohten, den Juden die Fenster einzuwerfen und ihnen sonst Gewalt anzuthun. Die eben nicht große Mannschaft der Hauptwache, die sich in der einen Ecke des Platzes befand und innerhalb eines eisernen Gitters drei bronzene Kanonen barg, vermochte .nicht, die Menge zu zerstreuen und ebensowenig gelang dies der herbeigeeilten Polizei. Als der alte 65jährige i König Friedrich VI. von der Bewegung benachrichtigt wurde, ritt er, nur von dem dienstthuenden Adjutanten begleitet, nach dem Marktplatze und forderte die Menge auf, sich ruhig zu entfernen. Als man ihm aber mit Geheul antwortete, rief er mit kräftiger Stimme den Versammelten zu, „er werde mit den vor der Hauptwache ausgestellten Kanonen zu ihnen reden, wenn sie auch nur noch einen Juden verunglimpfen würden, und zwar so, daß sie glauben sollten, die Patriarchen Abraham, Isaak und Jacob sprächen zu ihnen." — Seitdem hörte jede weitere Verfolgung der Juden auf — und zum Andenken hat der Volkswitz die Kanonen nach den erwähnten Patriarchen benannt. — Vor einigen Jahren fiel die alte Hauptwache der Verschönerung des Platzes zum Opfer und seitdem befinden sich die drei Kanonen im Artillerie-Museum. Feuilleton. Die Jugendfreunde. Von A. Königshofen. II. Es wird wohl nöthig sein, daß wir uns mit den jungen Männern, die wir von einander Abschied nehmen sahen, näher bekannt machen. Arno von Hauenstein war der Sprößling eines vornehmen altadeligen Geschlechts. Er war der einige Sohn des ebenso feingebildeten wie streng conervativen Ministerialdirektors v. Hauenstein in der mittelstaatlichen Residenzstadt ***, der bei seinem streng exclusiven Wesen es doch verstanden hat, durch seinen unbestechlichen Rechtlichkeitssinn und seinen biedern Charakter sich die Liebe Aller, welche amtlich mit ihm zu verkehren hatten, zu erwerben Der Tag, an welchem er seinen Beamten seinen Austritt aus dem Staatsdienste anzeigte, war für sie ein Tag der Trauer. Er war ihnen immer ein gerechter Herr gewesen, der wohl die Sache von der Person zu unterscheiden wußte, der den Tüchtigen erkannte und beförderte, wenn diesem auch die sogen. „Gesinnungstüchtigkeil", die schon so viele Schmarotzer großgezogen hat, fehlte. Die politische Gesinnung der Einzelnen war für den Ministerialdircctor von Hauen-