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Der Israelit · 1881-01-19 · Heft 3 (19.1.1881) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 3 (19.1.1881)
Date
1881-01-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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57 dem Vorstande, die Versammlung auflösenzu müssen, wenn nicht die Ruhe bewahrt wird.) Vorsitzender Dr. Stryck: M. H., ich habe bisher Ihre Ruhe bewundert; lassen Sie mir diese Bewunderung. (Heiterkeit.) Ich bewahre doch gewiß die größte Unparteilichkeit. (Bestätigung.) Zeigen wir doch, daß wir gebildete Leute sind, die sich parlamentisch bewegen können. Belohnen Sie doch unseren Muth, diese Frage hier zu diskutiren, durch recht große Ruhe! (Allseitiger Beifall.) Schulvorsteher Vogeler: Wer bei uns Bürger erster und zweiter Klasse will, der bringt das deutsche Reich auf die Stufe von Rußland und Rumänien. Welches Armuthszeugniß stellen wir Germanen uns ans, wenn wir uns vor dieser Hand voll Menschen fürchten! (Beifall) Die ganze Judenfrage wäre nicht so aufgebauscht worden, wenn man den Kantorowicr- Fall ein wenig mehr ignorirt hätte. (Sehr wahr!) Als ich in den Reichshallen die Rede des Dr. Henrici hörte, da habe ich mich zum ersten Male geschämt, ein Berliner zu sein. (Stürmischer Beifall und Oho!) Jgnoriren Sie die antisemitische Bewegung und (zu den Juden) verineiden Sie möglichst Alles, was Anstoß erregt; achten Sie namentlich in Ihrer Geschäftstätigkeit unseren christlichen Sonntag! (Lebhafter Beifall.) Stadtverordneter Löwell bespricht das Bündniß der Antisemiten mit der kirchlichen und politischen Reaktion und geißelt den in der evangelischen Kirche herrschenden Zelotismus, Herr Raab bietet Herrn Stöcker 1000 Mk, wenn er ihm nachweist, was die Antisemiten eigentlich wollen. (Heiterkeit.) Herrn Bendler ist die ganze Gesetzgebung zu liberal. (Laute Unterbrechung.) Herr Bendler: M. H., ich spreche nach der Aufforderung des Vorsitzenden ganz von der Leber. Dr. Stryck: Ich hatte allerdings nicht von der „Leber" sondern vom „Schnabel" gesprochen, habe aber nichts dawider, wenn Ihnen auch vom Standpunkte Ihrer Leber aus die Gesetzgebung als zu „liberal" erscheint. (Stürmische Heiterkeit.) Damit ist die Diskussion geschlossen und die Versammlung votirt dem Dr. Langerhans für seinen Math den Dank durch Erheben von den Sitzen. Der Vorsitzende dankt den Gästen für die bewiesene Ruhe und verspricht unter diesen Umständen das Schauspiel einer solchen Diskussion bald zu wiederholen. (Beifall.) Persönlich verwahrt sich Herr Barenthin gegen den Vorwurf der Unwahrheit. Die von ihm citirte Bemerkung des Herrn Dr. Langerhans gegen die freie Meinungsäußerung der Antisemiten sei einer Rede des Abgeordneten Strosser in der Kammer entnommen. Dr. Langerhans: Maßgebend ist für mich nun der amtliche stenographische Bericht der Stadtverordneten - Versammlung. Herr Strosser hat schon mehr als eine Unrichtigkeit behauptet! (Große Heiterkeit.) Der Schluß der Verhandlung trat gegen 12 Uhr Nachts ein. Bis zum Schluffe patrouillirten in der Nähe des Lokals zwei reitende Schutzleute, außerdem waren noch 8—10 Schutzleute zu Fuß am Platze. Berlin, 16. Januar. Sie haben in voriger Nummer unter den Ländern, welche Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer zu besuchen pflegt, auch Rußland genannt; in Bezug darauf beehre ich mich Ihnen mitzutheilen, daß die Reise des Hrn. Dr. H. nach Rußland lediglich den Besuch seines in Odessa wohnenden Sohnes bezweckte. Würzburg, 16. Jan. Ein schönes, ergreifendes Fest wurde am Sonntag, den 2. Januar dahier begangen. Zwei Lehrer an der hiesigen israelitischen Erziehungs- und Unterrichtsanstalt Hr. Unna und Hr. Blum, feierten nämlich ihr 25jähriges Dienstjubiläum. Mehrere hervorragende Schüler, die das Glück hatten, die Anstalt früher zu besuchen, hatten ein Comitö gebildet, um ihren alten Lehrern als Zeichen der Dankbarkeit und Anerkennung eine Freude und ein Vergnügen zu bereiten. Dieselben veranstalteten daher am Sonntag Abend 128 Uhr ein Fest, das in erhebender Weise vor sich ging, und bei welchen: sowohl mehrere Mitglieder der Verwaltung als auch mehrere des Schulausschusses und viele andere ehrbare Herren der Gemeinde erschienen. Das Fest wurde durch eine schwungvolle Anrede des Hrn. Dr. jur. Freudenthal an die Jubilare eröffnet. In derselben setzte Hr. Dr. jur. Freudenthal klar und treffend den mühevollen und schwierigen Beruf des Lehrers auseinander, ferner hob er die Thätigkeit, welche die israelitische Schule bisher entfaltete und noch immer entfaltet, in rühmlicher Weise hervor, und daß auch er in derselben den Grund seiner Bildung erreicht habe. Zuletzt sprach Herr Dr. jur. Freudenthal noch von den Verdiensten, die sich beide Jubilare während des langen Zeitraumes von 25 Jahren erworben hätten, worauf von 2 Mitgliedern des Eomitss, Herrn Heinrich Meier und H. Isidor Schwabacher, den Jubilaren das Festgeschenk überreicht wurde. Die beiden Herren waren sehr überrascht, als sie das Geschenk erhielten und Herr Unna sprach gerührt und in sehr ergreifender Weise seinen früheren Schülern bei: innigsten Dank aus, der ungefähr folgenden Inhaltes war: „Wo finde ich Worte, um den Gefühlen des Dankes

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