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Der Israelit · 1881-01-19 · Heft 3 (19.1.1881) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 3 (19.1.1881)
Date
1881-01-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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54 tigt, daß das menschliche Denken sich dem uns geoffenbarten Gotteswort zuwendet. Dem Studium der Gotteslehre soll der siebente Tag der Woche vorzugsweise geweihet sein. Auch Derjenige, welcher mit schwerer Mühe und rastloser Arbeit ringen muß, für sich und die Seinen das tägliche Brod zu erwerben, soll wenigstens am Sabbat Zeit, Ruhe und Muße haben, sich mit den Lehren unsrer heiligen Religion zu beschäftigen. Daher hat Gottes Gesetz mit größter Strenge für diesen Tag jedwede körperliche Arbeit, jedwede geschäftliche Thätigkeit verboten, n« tox' itripp roipn dv, „Nimm dich in Acht, daß du den Sabbattag heiligst". Die niedrigste Stufe des geistigen Lebens iftiesj, das Gemüth, die Verbindung des Geistigen mit dem Irdischen. Daher heißt es am Schlüsse des obenangeführten Verses: n*n piwi ’.-p, „Gott blies dem Menschen die Seele des Lebens ein, dem Menschen, den Er aus Staub von der Erde gebildet hatte, und aus dieser Verbindung entstand die ofpj, und so ward der Mensch -,n sttj". Vom m, dem Geiste, der über den Wassern schwebte, ward dem Menschen damals noch nichts zuTheil; der wurde ihm erst am Sinai verliehen. — u v ra»*? pn^p, „Und du sollst '.eii Sabbat Wonne nennen". Auch »ca, das Genüth.. soll seinen Antheil haben an der Feier des ^abbats. Daher hat Gott diesen Tag nicht zu einem Fasttage, sondern zu einem Wonnetage bestimmt. Der Sabbat soll ausgezeichnet sein in Speise und Trank, er soll geehrt werden durch bessere Kleidung. Aber diese körperlichen Genüsse sollen niemals in den Vordergrund treten bei der Feier des Sabbats, sie sollen dem Geistigen stets untergeordnet bleiben; sie sollen niemals Selbstzweck sein, sie sollen vielmehr vergeistigt werden: Nicht wie die andern Nationen ihre Festtage feiern in rauschenden Vergnügungen und allerlei Zerstreuungen soll Israel seinen Sabbat begehen; die bessere Speise und der ausgewählte Trank und die festliche Kleidung sollen nur unsere Stimmung erhöhen, um das geistige Leben mehr anzuregen. Das ist die wahrhafte Wonne, wenn wir an der Sabbattafel Loblieder dem Ewigen erschallen lassen und Worte der Gotteslehre den Stoff der Unterhaltung bilden. Unsre Weisen vergleichen den Sabbat dem Mittelpunkte eines Kreises. Schon drei Tage vor dem Sabbat soll man an ihn denken, und längerdauernde Vorbereitungen sollen schon am vierten Wochentage, am Mittwoch, beginnen f das sind solche Vorbereitungen, die sich lediglich auf die Beschaffung von irdischen Dingen für den Sabbat beziehen; am fünften Wochentage soll man daran denken, wie die geistige Unterhaftung und Erhebung sich für den Sabbat gestalte, und am sechsten Wochentage sott man alles Nothwendige vollenden, damit das seelische Leben am Sabbat durch nichts gestört zu werden brauche; und ist der Sabbat vorüber, dann zehren die drei kommenden Wochentage gleichsam noch von der geistigen Erhebung, der körperlichen Ruhe und der Vergeistigung des Irdischen, die uns der Sabbat gebracht hat. Daher entspringt auch die religiöse Vorschrift, daß, wenn man aus irgend einem Grunde beim Ausgange des Sabbats versäumt hat, den Sabbatscheidesegen, , zu sprechen, man dieses bis zum Ende des dritten Wochentages nachholen darf. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 9. Jan. Der Luisenstädtische Bezirks- Verein hatte auf seine Tagesordnung für die gestrige Versammlung einen Vortrag desDr. Lang er ha ns über die „Judenfrage" gesetzt. Die Versammlung war auf 8'/- Ilhr Abends nach Baumbachs Kasino in der Prinzenstraße berufen, aber gegen 6'/s Uhr hatten sich Hunderte auf der Straße, dem Hofe und im Tunnel des Lokals eingcfnnden. Der Wirth hielt jedoch den Hauptsaal, der nur etwa 50n Personen faßt, verschlossen, bis der Vorstand erschien. Gleichzeitig forderte er die Anwesenden auf, seine Räumlichkeiten zu verlassen, widrigenfalls er von seinem Hausrechte Gebrauch machen werde. Lebhafte Rufe des Unwillens folgten dieser Erkärung, und erst der sehr energischen Intervention mehrerer Polizeibeamten gelang cs, den dicht angefüllten Hof und den Hausflur zu säubern. Auf der Straße hatten mehrere berittene und Fußschutzleute alle Mühe, die Ruhe aufrecht zu erhalten. Der Vorstand gestattete nur Mitgliedern und sich durch Einladungskarten legitimirenden Gästen den Zutritt. Dennoch gelang es einer größeren Anzahl Antisemiten, sich den Eintritt zu verschaffen. Obwohl der Saal überfüllt war, so nahm der Menschenandrang vor und in dem Hause immer größere Dimensionen an, und da die Massen förmlich mit Gewalt den Eintritt erzwingen wollten, so schloß die Polizei die Hausthüre und stellte einen Doppelposten vor dieselbe. Trotz alledem gelang es der geschickten Leitung des Stadtverordneten Dr. Stryck, die Versammlung und zwar verhältnißmäßig ruhig, zu Ende zu führen'. Der Vorsitzende eröffnete die Verhandlungen mit der Bemerkung: „Angesichts der kleinen Unregelmäßigkeiten, die letzter Zeit in verschiedenen Bezirksvereincn stattgefunden, hat sich der Vorstand zu gewissen Vorsichtsmaßregeln veranlaßt gesehen; ob er darin recht oder unrecht gehandelt, wird der heutige Abend

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