Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1881-01-12 · Heft 2 (12.1.1881) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 2 (12.1.1881)
Date
1881-01-12
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447850-2447852--17112-2473121
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Verpflegungsanstalt für Arme wie die unsere, die ihre Segnungen nicht auf den engen Kreis der Heimath beschränkt, sondern ausschließlich Fremden zuwendet, wie keine andere Humanitätsanstalt mehr geeignet, sich überall und dauernd zahlreiche Freunde zu erwerben. Hamburg, 9. Januar. Eine Auction unter seltsamen Umständen fand heute Morgen am Kirchenweg in St. Georg statt. Zu derselben hatten sich in ungefähr gleicher Zahl israelitische wie christliche Handelsleute eingefunden. Als die Auction begann und Conserven ausgeboten wurden, offerirten Mehrere wie üblich, diverse Pallete, um zu kosten, worauf, da die Gebote klein ausfielen, der Gerichtsvollzieher M. ausrief: „Ich will die Juden hier nicht haben. Heinrich, schmeiß die Juden 'raus!" Es entstand natürlich ein riesiger Krawall, wobei auch sämmtlichc anwesende Christen dem M. eine derbe Lection gaben, indem sie riefen: „Raus mit dem Stöcker. Wir sind in Hamburg und nicht in Berlin. Hier sind Juden und Christen gleich" worauf die Auction unter Anwesenheit sämmtlicher Versammelter beendet wurde. Horneburg, im Januar. In Steinkirchen „im alten Lande", tagte vor etwa 14 Tagen der landwirthschaftliche Verein. Am Schluffe der Sitzung theilt der Vorstand den Anwesenden mit, daß auch ihm die Antisemiten-Petition zugegangen sei und forderte diejenigen, welche Lust dazu hätten, auf, zu unterzeichnen. Da erhob sich Herr Lehrer Deicke (Christ) von der Ackerbauschule zu Bremervörde und widerlegte, nach den Aussagen urteilsfähiger Hörer, — ich selbst war nicht dabei — in glänzender Rede die ganze Petition, so daß auch nicht eine einzige Unterschrift kam. Herr D. hob besonders hervor, daß die Juden schon viele unliebsame Eigenschaften, die ihnen die langjährigen Bedrückungen ausgeprägt hätten, abgelegt haben, und daß namentlich die Juden in hiesiger Gegend sich als ehrenhafte, tüchtige Leute der Achtung Aller erfreuen. Amerika. Chicago. Concerte in israel. Reformtempeln, die aber doch nur an Wochentagen stattfinden, sind in Deutschland nichts mehr Neues. Unsere amerikanischen Reformer gehen noch einen Schritt weiter. Vor Kurzem gab die Primadonna der Oper zu Dresden, Frau Julius Rosenwald, im NielliAan- Avenue-Temple dahier zu Gunsten ihres Freundes, des Vorsängers dieses Tempels, Herrn Max, am Freitag Abend eine Concert-Porstellung, die sehr zahlreich besucht war. (Aehnliches ist unlängst auch in Wiesbaen geschehen.) Afrika. Tanger. Die englischen israel. Zeitungen berichten über eine fast unglaubliche von dem französischen Consul Herrn Hecqart an einer Jüdin begangenen Grausamkeit. Eine jüdische Frau, Namens Sara Toletano, speiste an einem Samstag des verflossenen Monats bei einem ihrer Freunde. Daselbst wurde sie auf Anordnung des französischen Consuls arretirt und ohne jedes Prozeßverfahren ins Gefängniß abgeführt. — Hierauf brachte man sie auf einen öffentlichen Platz, woselbst sie in Gegenwart der Bevölkerung von 4 Männern gepeitscht wurde, wobei ein Soldat der französischen Legation beauftragt war, die Hiebe zu zählen. Nachdem dieselbe noch zwei Tage im Gefängniß zugebracht hatte, erklärte der Consul, daß diese Frau aus Jrrthum bestraft worden sei. Es ist sicher zu erwarten, daß die französische Regierung diesen traurigen Fall streng untersuchen und ihren Vertreter zur Verantwortung ziehen wird. digt, und um 10 Uhr schlief ganz Hattenfels; der Nachtwächter ausgenommen, der mich jede Stunde aus dem Schlafe tutete und sein eintöniges „Hört ihr Herren und laßt euch sagen" so oft wiederholte, daß ich einmal Lust hatte, es als Text zu meiner morgigen Predigt zu wählen. Seit vielen , vielen Jahren hatte ich keinen Nachtwächter mehr gehört, sein Ruf weckte daher zuerst mich und dann die Erinnerung an die längst verflossene Jugend, seit welcher ich diesen Ruf nicht wieder vernommen hatte. Damals hatte ich oft ganz eigene Vorstellungen von der Bedeutung oder Bedeutungslosigkeit der Nachtwächter. Für wen sind sie da? Die Schlafenden wollen nicht wissen, was es an der Zeit ist, und die Wachenden brauchen es nicht erst vom Wächter zu erfahren. Das sind natürlich kindische Fragen. Wären sie begründet, so hätte das Fragen gar kein Ende. Dann könnte man noch Vieles fragen. Für wen sind die Feuilleton. Mus dem Iagebuche eines Wezirks- Wabbiners. VIII. Hattenfels, im October 1880. Die Freitagabend-Campagne war glücklich erle¬

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.