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Der Israelit · 1881-01-12 · Heft 2 (12.1.1881) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 2 (12.1.1881)
Date
1881-01-12
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Berlin, 5. Januar. Das Provinzialschulcollegium hat dem bekannten antisemitischen Agitator Henrici die Bestätigung als ordentlicher Lehrer der Victoriaschule versagt. Berlin, 7. Jan. Wie alljährlich so hatte auch diesmal zum 1. Januar die Berliner Stadtverordneten-Versammlung dem Kaiser und König einen warmen Glückwunsch zugehen lassen. Hierauf hat Kaiser Wilhelm folgendes Antwort- und Dankschreiben erlassen, dessen hohe Bedeutung gerade in heutiger Zeit nicht erst besonders hervorgehoben zu werden braucht: „Mit tiefer Bewegung habe Ich die innigen Glückwünsche, welche Mir von den Stadtverordneten Meiner Hauptuud Residenzstadt Berlin beim Antritt des neuen Jahres dargebracht worden sind, empfangen, und gern die erneute Versicherung der unwandelbaren Treue entgegen genommen. Ich hege gleich Ihnen den Wunsch, daß in einträchtigem Zusammenwirken aller Kräfte des nationalen Lebens das Ziel erreicht werden möge, welches in der Wohlfahrt des Ganzen die Wohlfahrt des Einzelnen umfaßt, und theile Ihre Hoffnung, daß unter Wahrnehmung des äußeren wie inneren Friedens die Hingebung des deutschen Volkes zum Segen des Vaterlandes gereichen möge. Indem Ich Ihnen für Ihre Glückwünsche auf's Freundlichste danke, spreche Ich das Vertrauen aus, daß Sie auch ferner die Förderung des Wohlstandes der Bürger begünstigen werden." Frankfurt a. M Gestatten Sie mir, Ihnen eine kleine charakteristische Anecdote zur Veröffentlichung mitzutheilen. — Ein hiesiger Wachszieher (Christ) schimpfte in Gegenwart eines Israeliten weidlich auf die antisemitische Bewegung und deren Führer. Die Epitheta, welche er den Herren Stöcker, Henrici, Förster rc. beilegte, waren für diese nicht sehr schmeichelhaft. Der Jude hörte erstaunt zu und fragte den Mann nach dem Grunde seiner gewaltigen Zornesausbrüche. - Ja, antwortete der Gefragte, Sie können sich nicht denken, was diese.mir für Schaden zufügen! Ueber hundert reiche jüdische Familien, für die ich sonst die Weihnachtsbäume auszuschmücken batte, haben in diesem Jahre keine Herrichten lassen! Colberg. Dem siebenten Jahresbericht über die Verwaltung des jüdischen Kurhospitals im Sool- und Seebade Dolberg im Jahre 1880 entnehmen wir: Trotz des mächtigen Aufschwunges, den die Entwickelung unserer Humanitätsanstalt in den letzten beiden Jahren genommen, ist auch im ablaufenden siebenten Verwaltungsjahre ein Stillstand nicht eingetreten, obschon ein solcher nach den Anstrengungen und nach der so starken Inanspruchnahme der Mildherzigkeit für das Kurhospital namentlich in den letzten beiden Jahren wohl erwartet werden durfte. Nach allen Seilen und Richtungen hin zeigt sich auch am Schluffe dieses Jahres ein langsamer aber stetiger und lebendiger Fortschritt: Das Anstalts-Vermögen wie die zufließenden Mittel haben bedeutend ugenommen, und die Wohlthaten der Anstatt sind o reichlich gespendet worden, wie noch in keinem der Vorjahre. Das Grundvermögen der Anstalt hat sich im Laufe dieses Jahres um 2300 M. vermehrt, indeni die Passiva bis auf 5700 M. gesunken sind. Die Einnahmen schließen mit 8478 M. 83 Pf. Die Ausgaben mit 5932 M. 29 Pf. Die Anstalt war vom 15. Juni bis 17. Sept. in Betrieb. Es haben in ihr 47 Personen (18 Männer 29 Frauen — und zwar je 17 aus Berlin und Pommern, 6 aus der Provinz Posen, je 3 aus Preußen und Schlesien und 1 aus der Provinz Brandenburg) unentgeltlich eine Sool- und Seebadekur gebraucht und zu dem Zwecke an 1418 Verpflegungstagen Wohnung, Verpflegung und ärztliche Behandlung erhalten. Es haben also in diesem Jahre 6 Personen mehr als im vorigen Jahre die Wohlthaten der Anstatt empfangen und die Anzahl der Verpflegungstage überstieg die des vorigen Jahres um 160. In der Anstalt wurden 686 Soolbäder verabreicht, wovon 93 einen Zusatz von Schwefel erhielten. In den städtischen Badeanstalten wurden 289 Seebäder genommen, wozu der Anstalt menschenfreundlich Freikarten zur Verfügung gestellt wurden. Wir statten bei diesem Anlasse hierfür den städtischen Behörden unfern ehrerbietigen Dank ab. Entlassen wurden 14 Patienten als „geheilt," 2 als „sehr gebessert," 24 als „gebessert" und 1 als „mit Erfolg": 6 Personen waren Pfleger von Kindern und schwer kranken Patienten. Ist auch das Anstaltsvermögen in den letzten beiden Jahren durch den günstigen Abschluß des Lotterie-Unternehmens so gewachsen, daß die Passiva von 21000 M. bis auf 5700 M. herabgeminder: sind, — sind auch die zufließenden Spenden, namentlich aber auch die Jahresbeiträge ordentlicher Mitglieder, bedeutend gestiegen: so gilt es noch immer, auch den letzten Rest der Schuld abzuwälzen, ehe noch daran zu denken ist, endlich einen festen, unangreifbaren Fonds anznsammeln, der allein eine Wohlthätigkeits-Anstalt gegen alle Stürme und Führlichkeiten der Zeit sicher zu stellen und den Kreis ihrer Segnungen dauernd immer mehr auszudehnen vermag. Wir leben daher der festen und zuversichtlichen Hoffnung, daß auch in Zukunft die Hilfe Gottes und die 'kräftigste Unterstützung edler Menschenfreunde uns nicht fehlen wird. Ist ja eine Kur- und Kranken-

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