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Der Israelit · 1881-01-12 · Heft 2 (12.1.1881) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 2 (12.1.1881)
Date
1881-01-12
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXII. Jahrgang. Zweite Beilage zu Nr. 2 -es Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. D e n t s ch l a n d. Mainz, 9. Jan. Gestern r<2 nens mv, hatten wir das Glück, Hrn. Rabbiner Dr.Hildesheimer ans Berlin bei uns zu sehen. Der Vorstand der israelitischen Relionsgesellschast benützte die Gelegenheit, den verehrten Gast zu ersuchen, in der Synagoge der israelitischen Religionsgesellschaft zu predigen, welcher Aufforderung derselbe in liebenswürdigster Bereitwilligkeit Folge leistete. Herr Dr. H.onahm die Schlußverse der zum Text, dieselben in geistreicher und gedankenvoller Weise erklärend. Die Synagoge war gefüllt bis auf den letzten Platz und waren auch viele Mitglieder der andern Gemeinde erschienen. Mit gespanntester Aufmerksamkeit lauschte das so überaus zahlreiche Publikum den Worten des geistvollen Redners. Ein Jeder fühlte es, daß er hier Gelegenheit hatte, einen großen Denker zu vernehmen, welcher aus den bedeutenden Schätzen seines umfangreichen Wissens, seiner tiefen Beobachtung und Erfahrung dem aufmerksamen und denkenden Hörer viel Köstliches spendete. Es konnte daher nicht fehlen, daß der geehrte Redner alle Hörer enthufiasmirte, und wird der gehabte Hochgenuß uns unvergeßlich bleiben. Herr Dr. Hildesheimer ist bekanntlich Rabbiner der Adaß Jisroel zu Berlin und Rector des orthodoxen Rabbiner-Seminars daselbst; er ist zugleich Gründer des letzteren, und lediglich seiner unermüdlichen Thätigkeit ist es gelungen, die großen, für dasselbe erforderlichen Mittel auf dem Wege der Privatwohlthätigkeit zu beschaffen. Zu diesem Zwecke unternimmt er von Zeit zu Zeit große Reisen nach allen Gegenden Deutschlands, Oesterreichs, Rußlands, Englands, Dänemarks rc. Wie immer entfaltet er auch hierbei eine überaus regsame Thätigkeit, entzieht sich den Schlaf, ebenso wie Speise und Trank, indem er den ganzen Tag seine Besuche macht, und die Nächte meistens zum Reisen benützt, so daß er in unglaublich kurzer Zeit die großartigsten Resultate erzielt; er eilt schnell wieder nach Hause Zurück, um seine rastlose Lehrthätigkeit seinen Schülern nicht zu entziehen. Möge der allgütige Gott ihm die Kraft geben, diese seine lediglich dem Heile des Judenthums gewidmete Thätigkeit bis ins höchste Alter zu erhallen. Afchafferrburg, 9. Jan. Bald ist ein Jahr verflossen, daß uns der unerbittliche Tod unfern hochverehrten und unvergeßlichen Distrikts-Rabbiner Rabbi Abraham Adler y'p'W'j raubte; es war asm o rare, und Sie, verehrter Herr Redacteur, mahnten am Grabe die versammelten Distriktsgenoffen, einen würdigen Nachfolger zu wählen, der in den Fußstapfen des theuern Dahingeschiedenen wandle, damit die heiligen Bundestafeln nicht zerbrochen werden , indem man den modernen Zeitgötzen huldige. — Heute nun gehen wir der Entscheidung entgegen. Donnerstag, den 20. d. M., Vormittags 9 Uhr, soll die Wahl eines Rabbinatsverwesers für den Distrikt Aschaffenburg durch die Distriktsmitglieder stattfinden, und steht noch auf der Tagesordnung, darüber abzustimmen, ob die Stadt Aschaffenburg, d. h. die israel. Cultusgemeinde daselbst, aus dem Distrikts- Verbände ausscheiden könne, um einen eigenen, dem sogen. Fortschritt huldigenden Ortsrabbiner anstellen zu dürfen. — Der Candidat der orthodoxen Israeliten des Bezirks ist der gelehrte und gesinnungstüchtige Herr Rabbiner Simon Bamberger '"j aus Fisch ach, der älteste Sohn des allverehrten Distriktsrabbiners von Würzburg S. B. Bamberger y'p'W'i Herr Rabbiner Simon Bamberger ist der Verfasser mehrerer gelehrter Werke, ein anerkannt tüchtiger Mann, fromm, bescheiden und friedfertig; durch ihn dürfen wir hoffen, die Integrität des Distrikts aufrecht zu erhalten und eine Trennung zu verhüten. Wir richten daher an alle verehrlichen Mitglieder des Distrikts die eindringliche Bitte, ohne Ausnahme am bestimmten Termine sich einzufinden, für Herrn Rabbiner Simon Bamberger aus Fischach und gegen die Abtrennung der Cultusgemeinde Aschaffenburg zu stimmen; es gilt, den ganzen Distrikt für das wahrhafte, unverfälschte und unverkürzte Judenthnm zu erhalten. Möge jeder ernstmeinende Jehudi seine Pflicht thun, und die Hilfe Gottes wir nicht ausbleiben. Nürnberg 3. Januar. Gestern fand in Gründlach eine konservative Versammlung statt, in welcher der bekannte Lieutenant a. D., Beckh, gegen die Juden eine Stöckerrede hielt. Ein konservativer Fichrer aus Fürth, Herr Ott, sprach sich dagegen enschieden gegen die Judenhetze aus, wofür ihm aus den Reihen seiner eigenen Parteigenossen die Prädikate „Jude" und „Judensklave" zugerufen wurden.

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