Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1881)
- Date
- 1881-01-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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29 schönen Erfolge, welche beweisen, was guter Wille und ein gutes Herz selbst in kurzer Zeit zu leisten vermögen, ein Beispiel zur Nachahmung für andere Orte sein, eingedenk des Schriftwortes: piso oj« p t>j> p4<n 3-ipo p'Itt v-in' *6 o *p' n« nnen nna ->v-rv Würzbur^ Die in jüngster Nummer Ihres gesch. Blattes nntgetheilte dahier stattgefundene Gerichtsverhandlung hatte für Metzger M. dennoch die nachtheilige Folge, daß sich das Rabbinat nach weiteren Erhebungen veranlaßt sah, demselben das religiöse Vertrauen zu entziehen, resp. ihm den Koscherfleisch-Verkauf nur im Beisein eines vom Rabbinate ernannten rraaro bis auf Weiteres zu gestatten. Berlin, 4. Jan. Seitdem die sogen. Antisemitenbewegung Dank der Führung der Herren Henrici und Ruppel auf die Straße hinabgestiegen ist und die Anhänger dieser Agitation selbst durch Nachbarschaft des kaiserlichen Palais nicht abgehalten werden konnten, ihren „Raddau", wie der Berliner Kunstausdruck liebt, lärmend in Scene zu setzen, seitdem hat den intellectuellen Urheber dieser schmachvollen Hetze, den Oberhofprediger Stöcker, denn doch das Gefühl seiner Verantwortlichkeit in ganz besonderem Maße ergriffen. Schon die letzten Nummern der „Kreuzzeitung" und des „Reichsboten", der Hauptorgane des Fanatismus, ließen erkennen, daß man in den Kreisen, in welchen diese Blätter ihre Inspirationen zu schöpfen pflegten, sich dieser Straßen- Gefolgschaft zu schämen beginne. Dazu kam noch, daß Fürst Bismarck sowohl, wie auch der Cultusminister, Herr v. Puttkammer, es an verständlichen Winken nicht hatten fehlen lassen, wie diese Art der christlich-socialen Bewegung, welche sich für einen Hofprediger nicht schicke, geradezu unter das Socialiften- Gesetz zu fallen beginne — eine Perspective, die für einen Hof- und Domprediger allerdings nichts Verführerisches haben konnte. Nimmt man noch dazu, daß auch der Kaiser sehr wenig erbaut war, von dem Spektakel der Neujahrsnacht in seiner nächsten Nähe (Caf6 Bauer), und daß er mit seiner scharfen Mißbilligung solcher Vorkommnisse nicht zurückgehalten hat; so wird man es begreiflich finden, daß Herr Stöcker die erste sich ihm darbietende Gelegenheit ergriff, um in seinen christlich-socialen Vereinen, die demagogischen Agitationen, die sich seinen antisemitischen Bestrebungen angeschlossen, kaut und öffentlich zu verleugnen. Das ist denn nun auch gestern Abend wirklich geschehen und man muß nun abwarten, welchen Einfluß jetzt das abwiegelnde Wort dieses Predigers der Liebe auf die mit allen Hilfsmitteln volksverführerischer Beredtsamkeit. aufgeregten Gemüther noch wird haben können. Es ist schwer zu glauben, daß die unbequem gewordene Geister sich gleich dem ersten Beschwörungsrus unterordnen und zur Ruhe zurückkehren würden. Die studentischen Kreise, welche bereits von der Epidemie ergriffen wurden, scheinen jedenfalls sehr wenig Lust zu verrathen, sich dem neuen Commandoruf zu fügen. Die aestern hier ftattgehabte Versammlung von Delegirten der deutschen Studentenschaft, behufs Organisation der „nationalen", d. h. antisemitischen Bewegung, war freilich aus Süddeutschland sehr schwach besucht, worüber die süddeutschen Eommilitonen manch hartes Urtheil über sich ergehen lassen mußten — aber die Zahl der Erschienenen suchten durch entschiedenes Auftreten wenigstens durch Wort und Lied das relative Fiasco zu verdecken. Eine Sammlung für die Zwecke der Bewegung ergab bei 400 anwesenden Studenten einen Ertrag von 90 Mark, woraus zu schließen, daß die Opferwilligkeit der Versammelten den Betrag von 25 Pfg. pro Person nicht erreicht, ein Ergebniß, welches an das Berliner drastische Sprüchwort: „Viel Geschrei und wenig Wolle" einigermaßen erinnert. (F. I.) Graudenz, 2. Schebat. Wie der Hintritt hervorragender Männer der jüdischen Wissenschaft den Schmerz und die Trauer aller Israeliten rege macht, so verdient auch das Hinscheiden von Männern, welche ihr Leben der Ausübuug der Gottesgebote und der Förderung der öffentlichen Institutionen des Judenthums weihten, die schmerzliche Theilnahmc aller Gottesfürchtigen von Nah' und Fern. Ein solcher Mann verstarb hier am mvLnana amp mv: der Mühlenbesitzer, Herr Moritz Hirschberg, in seinen! 73. Lebensjahre. Der Verstorbene, welcher seine Jugend dem Thoraftudium gewidmet hatte, blieb während seines ganzen Lebens ein gottesfürchtiger, gesetzestreuer Jehudi, ein wahrhafter min an:« und ein treuer, hingebender Freund aller Thorakundigeu. Ueberaus fleißig besuchte der Verblichene den täglichen Gottesdienst, war ein streng rechtlich denkender Kaufmann und im Umgänge mit seinen Nebenmenschen, sowie in seiner Lebensweise von großer Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit. Unsterbliche Verdienste hat er sich um die hiesige Synagogengemeinde als langjähriger erster Vorsteher derselben erworben: seiner Thatkraft und seinem unermüdlichen Eifer ist es in erster Linie zu danken, daß hier schon vor mehr als dreißig Jahren, obwohl die Gemeinde damals noch klein und wenig leistungsfähig war, ein würdiges Gotteshaus und ein rituelles Frauenbad erbaut, eine Religionsschule errichtet und der Friedhof mit einer massiven Mauer umgeben wurde. Die Beerdigung des Verblichenen fand am Montag, den 25. Tebeth unter zahlreicher Betheili-