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Der Israelit · 1881-01-12 · Heft 2 (12.1.1881) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 2 (12.1.1881)
Date
1881-01-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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26 geworden ist. So ist denn der Sabbat ein Bundeszeichen für uns; wir bezeugen durch die Feier desselben, daß wir Gott als den Schöpfer und Herrn des Weltalls anerkennen; er ist uns eine Bürgschaft für das ewige Leben, nor c”, gleichsam hienieden schon eine Vorahnung der ewigen Seligkeit, indem jede körperliche Arbeit verboten ist und das geistige Leben des Menschen das Vorrecht gewinnt. Daher ist der Sabbat von so großer Wichtigkeit, daher nimmt er eine so hohe Stellung ein innerhalb unsrer heiligen Religion. Wer den Sabbat entweihet, lehren die Weisen, gleicht den Götzendienern; er leugnet ja durch diese Entweihung, daß Gott der Schöpfer des Weltalls ist, daß Gott in sechs Tagen die Welt erschaffen und am siebenten geruhet und heßhalb uns befohlen hat, uns der körperlichem Arbeit zu enthalten. Wer den Sabbat entweihet, lehren die Weisen, verletzt dadurch alle Gebote unserer hl. Religion; denn die Beobachtung dieser Gebote hat ja nur dann einen Werth, wenn wir Gott als Schöpfer und Herrn des Weltalls anerkennen, wenn wir die Gebote beobachten, weil der allmächtige Schöpfer des Weltalls sie gegeben. Daher ist die Heiligung des Sabbats so wichtig wie die Gesammtheit der übrigen religiösen Vorschriften des Judenthums. Wie tief greift doch die Heiligung des Sabbat in das ganze Leben des Juden ein! Sie sondert uns von den übrigen Völkern der Erde und lehrt uns, unsre Bestimmung nicht in dem Irdischen und Vergänglichen zu suchen. Sie gewöhnt uns daran, unsrer Religion Opfer, große Opfer zu bringen. Sie hält den Juden davon zurück, seine Kinder einem Berufe zu weihen, der die Entweihung des Sabbats zu Folge haben müßte und zwingt ihn dadurch, das Wesen des Judenthums in. Höherem zu suchen als in den bloßen Pflichten des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens. Aber selbst in solchen Berufsgeschäften, in denen es möglich ist, den Sabbat nach Vorschrift zu heiligen, tritt die Versuchung in mannigfacher Gestalt heran und muß überwunden werden. Der Kaufmann, welcher beim Eingang des Sabbats seinen Laden schließt und die Verkäufer zurückweist, der Banquier, welcher in erregten Zeiten auf die Chancen verzichtet, welche sich für sein Geschäft gerade am Sabbat bieten, der Handwerker welcher zur bestimmten Zeit die Produkte seines Fleißes abliefern soll und dem der Sabbat das Handwerkszeug aus der Hand windet, der Gelehrte, welcher aus eine ehrenvolle Berufung vernichtet, weil er fürchtet, in der ihm angetragenen Stellung den Sabbat nicht nach Vorschrift feiern zu können, der Arzt, welcher am Sabbat keine Recepte schreibt und in der großen Stadt am Sabbat die weiten Wege zu Fuß zurücklegt — sie alle bringen Opser, große Opfer; aber sie erwerben sich unendlichen Lohn. Der allgütige, Gott sieht diese Opfer und zählt sie und wägt sie und gibt dafür ein Erbtheil ohne Grenzen. Es ist ein Dreifaches, was uns der Sabbat gewährt: Geistige Erhebung, Ruhe des Körpers, und Vergeistigung des Irdischen. Diese drei Punkte wollen wir näher ins Auge fassen. (Fortsetzung folgt.) Die Kennzeichen der jüdischen Wace. Von Naphtali Simon. Wenn wir uns über die Charaktereigenthümlichkeit eines Menschenkreises ein Urtheil bilden wollen, so werden wirkeinen bessern Maßstab anlegen können, als den uns von dem zu Beurtheilenden selbst dargereichten. Während Selbstcrkenntniß bei dem Individuum immerhin einen seltenen Grad von objectiver Anschauung, strenger Gewissenhaftigkeit und scharfer Beobachtungsgabe voraussetzt, gibt ein Volk, ein Stamm, sich in seinem nationalen Schriftthume ungezwungen offen und rückhaltlos, wie es der Wirklichkeit entspricht. Unbewußt drückt sich hier das Besondere, welches dem Volke eigen ist, aus; — unverholen zeigt sich hier die Seele des Volks und gibt sich dem Forscher zu erkennen. So spricht aus der Literatur der Volksgeist zu uns und verräth die geheimsten Falten der Volksseele noch den spätesten Geschlechtern. Ein Volk kennt sich am besten selbst; das Urtheil, das es sich selber spricht, ist meistens ein gerechtes — seine Ideale aber verkünden stets in unantastbarer Wahrheit, was ihm das Höchste, das Erstrebcnswertheste, das Heiligste ist, und gewähren dadurch einen sichern Anhalt für die Erkenntniß seines Charakters. Sollten wir nicht aus dem Geräusche der Gegenwart, wo die Stimme der Leidenschaft, des Hasses und des Neides sich nur allzulaut in der Verurtheilung der jüdischen Race geltend macht, uns hinflüchten zu der Heimstätte des abrahamitischen Genius, um zu lauschen, welche Antwort hier auf die Frage gegeben wird: welches ist das Eigenthümliche des jüdischen Stammes? Sollten wir hier nicht auf eine untrüglichere Beurtheilung, auf größere Wahrheit zählen können, als von der getrübten Anschauung erhitzter Leidenschaften? 'bv'ä' o’jomn r. noieo tc” d’Tcd n»?» nen Mn D'JCD tvd'pjb m ttr>w vv '01 dhdh :n noi«3 „Der jüdische Stamm trägt drei Kennzeichen: Barmherzigkeit, Charakterreinheit, thätige Menschen- liebe; — nur Derjenige, welcher die gleichen drei Zeichen trägt, ist würdig in den Kreis dieses Stammes einzutreten." Jebamoth79.

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