Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1881)
- Date
- 1881-01-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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11 meinbe, die in der Pflege von moy ,mm cnon besteht, sind alle Anstalten und (lassen der Israelitischen Religionsgesellschaft in drei Sectiouen und zwar Cultus-, Schul- und Stiftungssectiou eingetheilt. Zu der erstereu gehören die Cultuscasse, die Synagoge, drei Fleischhallen, das rituelle Bad, der Friedhof u. drgl., zu der zweiten die Unterrichtsanstalten, die Talmud-Thora, die Freischüler-Caffe ir. s. w. Zu den letzten 13 verschiedenen Casseu wie Wittwen- und Waisencasse, und Pensionsfond für die Lehrer der Religionsgesellschaft, verschiedene Stiftungen, zu welchen erst eine neue die Hachnoseth- Kalle-Easse getreten ist. Die Eultus-Section hat ein Vermögen von Mk. 30,000. Die Schulsection ein solches von Mk. 120,000. Die Stiftungssection ein solches von Mk. 225,000. Außerdem besitzt die Religionsgesellschaft die erforderlichen Grundstücke und Gebäulichkeiten und zwar eine große Synagoge mit nahezu 1000 Sitzplätzen, zwei Vchulhäuser, das rituelle Bad, den Friedhof, ein im Bau begriffenes, im Rohbau vollendetes Schulhaus, zu dessen Herstellung Baron Wilhelm Karl v. Rothschild wie bekannt den Betrag von Mk. 300,000 gewidmet und auf welches die Religionsgesellschaft aus eigenen Mitteln schon Mk. 135,000 verwendet hat; diesem sehr werthvollen immobilen Besitze steht eine Schuld von nur Mk. 270,000 gegenüber. Die Religionsgesellschaft besitzt demnach ein sehr bedeutendes Grundvermögen, dessen Jntraden indessen nur einen sehr geringen Theil der Jahreseinnahmen bilden und zudem vielfach zu bestimmten Zwecken verwandt werden müssen, so daß die Ausgaben fast ganz aus den Mitgliederbeiträgen, welche Mk. 15,000 für den Cultus und Mk. 12,000 für die Schule betrugen, und den Einnahmen und Zuflüssen der verschiedenen Anstalten gedeckt werden müssen. Die Eultnssection hatte eine Gesammteinuahme von Mk. 62,000 gegen eine Gesammtausgabe von Mk. 47,000, so daß sich ein Ueberschuß von Mk. 15,000 ergab, wovon indessen Mk. 13,000 zu Gunsten der Schule verwendet werden mußten, so daß beide Seetioueu nur Mk. 2000 erübrigten. Die Schule wurde von 468 Schülern und Schülerinnen besucht und wirken 28 Lehrer und Lehrerinnen an derselben. Der Unterricht wurde in 19 getrennten Klassen, der Talmudunterricht in 10 Fachklassen ertheilt. In sämmtlichen Klassen züsammengenommen wurden per Woche 624 Unterrichtsftuuden gegeben. Es ist erfreulich zu bemerken, mit welchem Eifer und welcher Hingebung sich Lehrer und Schüler ihrer Ausgabe widmen. Elf Schülern konnte das Zeugniß der Reise, das zum einjährigfreiwilligen Dienst berechtigt, ertheilt werden. Die j Schule bildet eine Pflanzstätte für px -m cy mm; für Erkenntniß unserer heiligen Lehre im Vereine mit! Bildung und erfreut sich der schönsten Erfolge, so! daß sie auch vielfach von auswärtigen Schülern und Schülerinnen besucht wird. Allerdings sind solche Leistungen nur durch sehr wesentliche materielle Opfer zu erreichen. Die Schule erfordert eine Ausgabe von über Mk. 80,000, wovon über Mk. 70,000 für Lehrergehalte, während dieSchuldgelder nurMk.47,000 betrugen. Die gesteigerten Ansprüche der obersten > Schulbehörden kommen wohl dem Unterrichte zu Gute, machen aber auch solche Ausgaben nothwendig, die nur mit großen Anstrengungen zu erschwingen sind. 1 Das mag auch der Grund sein, daß so sehr man auch an vielen Orten sich für den Jugendunterricht; bemüht, doch an keiner zweiten Stadt in Deutschland; eine jüdische Schule besteht, die in gleichem Maße! regierungsseitig anerkannt ist. Rur die Hamburger i Taldmud - Thoraschule hat auch eine wenn auch be- : schränkte Berechtigung, es ist jedoch keine Mädchenschule mit derselben verbunden, während gerade in jetziger Zeit die Gewinnung der weiblichen Jugend, der künftigen Frauen für unsere religiöse Üeberzeugung von ganz besonderer Wichtigkeit ist. Die Synagoge wird im nächsten Jahre einen neuen Schmuck und würdigen Abschluß in einem prachtvollen px ans eararischem Marmor mit reicher Vergoldung erhalten und wird dadurch dem sehr würde- und weihevollen Gottesdienste auch äußerer Schmuck hinzugefügt. Dieser Thoraschrank wird ein Kunstwerk werden, für dessen Herstellung der immerhin ansehnliche Betrag von Mk. 15,000'von Seiten der; Mitglieder mit seltener Freudigkeit gespendet worden j war. Ein Modell aus Gyps geformt in V»» der! wirklichen Größe wurde am Schluß der General-! Versammlung besichtigt und erregte vielseitige Be-! wunderung. Die Wahlen, welche mittelst Stimm- ' zettel in geheimer Abstimmung vorgeuommen worden,! fielen mit einer an Einstimmigkeit grenzenden Mehrj heit auf die von der Verwaltung Vorgeschlagenen. ■ So gewährte denn die Generalversammlung das Blid einer einmüthigen, sich ihrer Ausgabe bewußten und : sich ihr mit allem Ernste hingebenden Gemeinde. Frankfurt a. M., 31. December. Gestern! Abend hielt im Frankfurter Wahlverein Herr Ober-! landesgerichtsrath Petri, Mitglied des preußischen - Abgeordnetenhauses, eine glänzende Rede gegen die antisemitische Bewegung, in welcher er die in jüngster Zeit so vielfach erhobenen Anklagen gegen Juden und Judenthum widerlegte und auf die vielen Tugenden hinwies, welche gerade die Bekenner des Judenthums auszeichnen. Jeder Jude, sagte der Redner, stehe voll und ganz innerhalb der Ration, in welcher er seinen Wohnsitz aufgeschlagen, und habe demnach nicht allein gleiche Pflichten zu tragen, sondern auch gleiche Rechte zu verlangen. Rur ein Träumer könne glauben, daß ein jüdisches Reich in Jerusalem wieder aufgerichtet werde.