Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1881)
- Date
- 1881-01-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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10 zugeben, sondern dieselben auch zu Tongebilden zu gestalten, die selbst dem verwöhntesten und vielverlangenden Geschmacke der Neuzeit nichts zu wünschen übrigAassen. Was die Kompositionen Lewandowskys vor allen übrigen ähnlichen auszeichnet, ist die Einfachheit und Klarheit, in der dieselben verfaßt sind, und daß gerade dadurch der Eomponist die alten rituellen Gesänge so wieder giebt, wie man sie im Allgemeinen von tüchtigen, gilt geschulten Cantoren zu hören gewohnt ist. Der Herausgeber des nn hat, wie er selbst in seinem Vorworte bemerkt, ans gut angeführten Gründen mehr auf eine fließende Melodie und natürl. Stimmführung gesehen, und lieber auf die unendlichen Mittel der Harmonik und der Modulation verzichtet. Seine Compositionen eignen sich daher, sowohl für große, als auch für kleine Gemeinden, denn die erwähnten Gesänge lassen sich auch mit weniger Gesangskräften ausführen, ohne daß sie dadurch in erhebender Stärke und erbaulicher Wirkung derselben verlieren. Möge dieses Werk, das in all seinen Piecen sowohl von religiösem als auch von künstlerischem Geist durchdrungen ist, immer mehr Verbreitung und Anerkennung finden und möge dasselbe aber auch dazu beitragen, den jüdischen Gottesdienst zu einer reinen und wahren Andacht des Herzens zu gestalten und dem nach Erbauung suchenden Gemüthe jene Ruhe und Befriedigung zu geben, die es doch allein nur findet in njn rv in der Stimme des frcndigen und weihevollen Gebets. Bruchsal, im Dez. 1880. I. Schwanthaler. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 4. Jan. Donnerstag, 30. Decbr. v. I. hat in Berlin wiederum eine große antisemitische Volksversammlung stattgefunden. Wiederum hat Hr. Dr. Henrici eine fulminante Rede gegen die Juden und das Judenthum vom Stapel gelassen. Was er gesagt hat, ist so lächerlich und thöricht, daß es ein schlechtes Licht auf die Urtheilskraft der Menge wirft, die ihn mit Beifall überschüttete. Herr Dr. H. machte den Juden den Vorwurf, daß sie nicht viel Bier vertragen könnten; er verhöhnte die hl. Schrift, die doch auch den Christen heilig sein sollte. „Hat doch sogar," sagte er, „der alte Abraham es fertig gebracht, mit dem Herrgott zu schachern, bis er ihn auf Eins runter gebracht hat." — Was sagen die Herrn Stöcker und Genossen dazu? — Natürlich hat Herr Dr. Henrici wiederum den Talmud geschmäht. „Was der Talmud", erdreiftete er sich zu behaupten, „über die Heiligkeit der Eye sagt, das kann ich Ihnen nicht wiederholen; ich müßte befürchte!:, mit der Staatsanwaltschaft in Conflikt zu gerathen." Daß dies eine abscheuliche Verleumdung ist, brauchen wir wohl nicht zu versichern. In keiner Religion und bei keinem Volksstamme wird die Ehe so heilig gehalten, wie bei uns Juden, und die Vorschriften, welche der Talmud über die Heiligkeit der Ehe enthält, sind von allen Kundigen als die edelsten und herrlichsten anerkannt. Ferner erging sich Herr Dr. Henrici in Schmähungen gegen Hr Prof. Mommfeu und gegen andere hervorragende Männer. Diese Art der Bekämpfung des Judenthums wird denn doch endlich Vielen die Augen öffnen. Schon haben wir eine gewichtige Stimme zu verzeichnen, welche sich gegen die antisemitische Bewegung erklärt: es ist dies der „Evangelische Anzeiger", das Organ der streng-kirchlichen Partei in Preußen. Dasselbe weist das Vorgehen des Herrn Hofprediger Stöcker auf das Entschiedenste zurück. — Auch Ihre Majestät die Kaiserin hat in demonstrativer Weise unserer Glaubensgenossin, der Frau Lina Morgenstern, ein prachtvolles Medaillon und ein höchst huldreiches Schreiben überreichen lassen. — Seine Königl. Hob. der Großherzog von Baden hat nach dem Vorgänge seines erlauchten Schwagers, des deutschen Kronprinzen, die antisemitische Bewegung als eine Schande für Deutschland erklärt, und die hochherzige Versicherung gegeben, daß in Seinem Lande und unter Seiner Regierung derartiges nicht Vorkommen dürfe; auch hat Hochderselbc unfern Glanbensgenossen, der: badischen Finanzminister Ellstätter, in Gegenwart vieler Zeugen huldvollst begrüßt und ihm die Hand gereicht. — Wenn auch die antisemitische Bewegung vielleicht an Ausdehnung noch gewinnen sollte, so ist sie doch von allen edeldenkenden Christen verurtheilt. Frankfurt a. M., 30. Dezember. Da dir Israelitische Religionsgesellschaft dahier die erste und älteste aus gesetzestreuer Grundlage beruhende Israelitische Religionsgescllschaft in Deutschland ist und ihr Beispiel schon vielfach anregend gewirkt hat, dürfte auch die am 26. d. M. stattgehabte Generalversammlung derselben, nainentlich aber der von den: Vorstande erstattete Jahresbericht für Ihre Leser von Interesse und Ihnen deßhalb Mittheilungen aus deniselben im Verein mit einigen erläuternden Bemerkungen willkommen sein. Wenn auch das Jahr nicht reich an hervorragenden Momenten war, so glaubt doch der Vorstand in der regen und ausgebreiteten, auf den inner» Fortschritt bedachten Thätigkeit die erfolgreichste, die Zukunft sichernde Wirksamkeit zu erblicken. Entsprechend der Grundlage einer jeden jüdischen Ge-