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Der Israelit · 1881-01-05 · Heft 1 (5.1.1881) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 1 (5.1.1881)
Date
1881-01-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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6 welcher die Resultate der Jstöczy'schen Judenhetze in ein drastisches Licht stellt. Die „Dame" ersucht den Doctor, ihr binnen 8 Tagen für die beigeschlossenen 3 fl. ein langsam, aber sicher wirkendes Gift zu übersenden. Zugleich bekennt die Dame offen, daß sie einen Selbstmord vorhabe und gibt ihr Ehrenwort, den Uebersender des Giftes niemals zu nennen. Bis hieher beweist der Brief nur, daß die Schreiberin desselben eine Person von beschränktem Verstände sei; im weiteren Verlaufe des Briefes jedoch zeigt es sich, daß die Dame die Jostczysche Broschüre gelesen habe. Sie schreibt nämlich wörtlich Folgendes: „Ich kenne Sie nicht und habe Sie nie gesehen, sondern nur hie und da Ihren Namen in den Zeitungen gelesen. So viel jedoch weiß ich, daß Sie, Herr Doctor Jude sind, und da der erste und wichtigste Glaubensartikel des Judenthums die Ausrottung der Christen ist (?), werden Sie sich gewiß beeilen, zu der Vernichtung eines Christenlebens behilflich zu sein." Dr. Glück hat das Schreiben natürlich der Polizei übergeben, deren Aufgabe es nun sein wird, den Sachverhalt zu eruiren. Pefth. Der Märamaros-Szigether Briefträger ist ein orthodoxer Jude, der wohl kein Wort ungarisch zu lesen versteht, aber dafür desto mehr Herzensgute besitzt. Derselbe — sein Name ist Alter — ist auch Besitzer eines dortigen Häuschens, in welchem außer ihm eine arme christliche Wittwe wohnt. Vor einiger Zeit stahlen Diebe aus diesem Hause die Kuh des Briefträgers und das einzige Ferkel, welches die Wittwe um ihre sauer ersparten Groschen angekauft hatte. Alter zog seinen eigenen Schaden nicht in Betracht, sondern schenkte vor Allem der Wittwe aus Eigenem 3 fl., außerdem trägt er noch in der Stadt einen Bogen herum, auf welchem er für die Bestohlene milde Spenden zur Anschaffung eines neuen Ferkels sammelt. Brunn, 17. Dec. In dem mährischen Dorfe Lhotta domicilirt seit Jahren der 61jährige Joachim Bauer, seines Zeichens „Dorfgeher." So nennt man nämlich jene Leute, die während der ganzen Woche von Dorf zu Dorf hausirend umherziehen, und nur ihren Sabbat zu Hause feiern. Besagter Dorfgeher trug seit 30 Jahren allsabbatlich jenen schwarzen Rock, in dem er einst als glücklicher Bräutigam unter dem Trauhimmel stand und vergebens suchte ihn sein erwachsener Sohn zu überreden, statt des abgeschabten Rockes einen besseren zu wählen. Da wandte sein Sohn ein Zwangsmittel an. In Abwesenheit des Alten schenkte er den antiken Rock einem bettelnden polnischen Juden und harrte der Dinge, die da kommen würden. Samstag, den 11. d., früh, Morgens, wollte Bauer sen. nach feinem Rocke greifen und erhielt nach langem Suchen von feinem Sohne Aufklärung über dessen Verschwinden. Dcr erhob der Alte ein Zetergeschrei, raufte sich die Haare aus und rief: „Mein Geld ist weg, mein Geld ist weg!" In dem alten Rocke waren nämlich 2500 fl. in Baarem und vier Loose ä 100 fl. im Futter eingenäht! Dabei auch ein Stück Erde aus Jerusalem. Sowohl das Geld, als auch der polnische Jude waren bis heute nicht zu eruiren und ist es auch fraglich, ob Letzterer den Werth des Rockes bereits kennt. Afrika. Ein ganz unbekannter Ort in den Diamantenfeldern Süd-Afrikas, Jagersfontain, 80 Meilen von Kimberley entfernt, war im Mai v. I. der Schauplatz eines isr. Begräbnisses. Ein deutscher Jude, Namens Moritz, war nämlich am 1. Mai daselbst gestorben und alsogleich thaten seine Glaubensgenossen — cs gibt deren nur 8 Familien daselbst — die nöthigen Schritte, um den Verstorbenen nach jüdischem Ritus begraben zu können. Am Platze selbst ist gar kein Friedhof. Das Mincnbürean gestattete den Juden, einen passenden Platz auszusuchen. Die Juden wachten abwechselnd bei der Leiche, und begruben später in Anwesenheit der ganzen weißen Bevölkerung ihren Glaubensgenossen; man war so glücklich, Minjan machen zu können und ein Herr C. Eschwege sagte Kaddisch. Das Minenbüreau wollte die Begräbnißkosten bestreiten, aber die Israeliten wiesen dieses delicate Anerbieten zurück und theilten sich in die Kosten. (Arch. Isr.) Feuilleton. % ß i 6 <1. i. Jerusalem war zerstört, der heilige Tempel ein Raub der Flammen geworden. Unsägliches Elend war über Juda hereingebrochen; das Blut der Erschlagenen und Gemordeten bedeckte den Erdboden; Tausende der Edelsten und Vesten waren zu Sklaven verkauft oder mußten in der Arena gegen die wilden Thiere kämpfen, dem blutdürstigen, römischen Volke ein entsetzliches Schauspiel bietend. Verzweiflung hatte sich der Uebriggebliebenen bemächtigt. Unter dem bluttriefenden Fuße des römischen Siegers schien Juda seine Seele aushauchen zu sollen. Und doch war der Keim der Erhaltung, des Wachsthums und der ewigen Dauer schon vorher gelegt worden, zwar unscheinbar und gering, aber kräftig und Leben verheißend.

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