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Der Israelit · 1879-12-31 · Heft 53 (31.12.1879) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 53 (31.12.1879)
Date
1879-12-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1402 F « u t H e t » n. Laura. ii. Die Beiden eilten denselben Weg zurück, den sie gekommen waren, und als sie in das Empfangs- Zimmer traten, schlug der Papagei wieder sem buntes Geflügel zusammen und rief! Laura! Laura! Die Beiden hielten sich nicht bei ihm auf, und traten eilig in die Hausflur. Da kam ihnen die alte Magd entgegen und fragte: „Nicht wahr, es dauert Ihnen zu lange; ich weiß nicht, wieso Herr Mangold heute so lange bleivt. Wollen Sie unterdessen vielleicht eine Erfrischung nehmen?" „Ich danke", entgcgnete Rüben. „Dienen Sie schon lange bei Herrn Philipp Mangold?" „O," antwortete die Alte, „ich war schon hier im Hause, als es noch Herrn Abraham Mangold gehörte. Die selige Frau hat mich mit ins Haus gebracht. Ich habe schon ihren Eltern gedient und die selige Frau als sie noch ein Kind war, auf den Armen getragen. Als sie sich hierher verheirathele, folgte ich ihr in dieses Hans. „Liebe Sara!" rief Leah. „Um Gott", stieß die Alts hervor, „was ist das für eine Stimme, die ich vernehme? Meine ich doch, die selige Judith sei von den Todten wieder erstanden. O, kommen Sie ans Licht, Madamchen, und lassen Sie mich Ihnen ins Angesicht schauen!" Mit diesen Worten zog sie die junge Frau in den Hintergrund der Hausflur, wo durch ein großes Fenster helles Licht hereinfiel. „Um Gottes Barmherzigkeit Willen", schrie sie, „das ist ja die selige Judith, gerade wie sie damals war, da sie als 16jährige junge Frau in dieses Haus cinzog. Wie heißen Sie, Madamchen? „Laura", antwortete Raben rasch. „Was", schrie die Alte. „Bist Du unsere verlorene, spurlos verschwundene Laura? Was wird Herr Mangold sagen, wenn er zurückkommt!" „Herr Mangold," sagte Rüben, „darf nicht zurückkehren, bis wir uns' zusammen ausgesprochen haben, liebe Sara. — Ich bitte Sie, verschließen Sie die Hausthüre und lassen Sie den Schlüssel inwendig stecken, damit sie von außen nicht aufgemacht wird." „Wie kann ich Herrn Mangold aus seinem eigenen Hause ausschließen?" fragte Sara. „Dieses Hausantwortete Rüben, „gehört Herrn Philipp Mangold nicht; er hat es geraubt, gestohlen; es ist das Erbe meiner Frau. Thun Sie, wie ich Ihnen gesagt habe." Die Alte widersprach nicht mehr; sie verschloß die HauSthüre und ließ den Schlüffe! inwendig stecken. „So," sagte Rüben, „jetzt wollen wir in das Zimmer treten, und da sollen Sie, liebe Sara, uns ausführlich erzählen, wie es kam, daß Laura spurlos aus diesem Hause verschwunden ist." Sie gingen in das Empfangs-Zimmer. Das junge Ehepaar setzt sich auf das Sopha, während die alte Sara einen Stuhl herbeizog, um den jungen Leuten gegenüber Platz zu nehmen „Es war in der Fcanzosen-Zeit", begann die Alte ihre Erzählung, „als ich mit meiner seligen Madame hierherkam. Herr Abraham Mangold war ein sehr reicher Mann; er hatte in der Stadt ein großes Banquier - Geschäft, und im Sommer wohnte er h er mit seiner Familie. Herr Abraham Mangold war nicht mehr jung; meine selige Judith war seine zweite Frau. Nachp-m seine erste Ehe kinderlos gewesen, wurde ihm von seiner zweiten Frau ein Töchterchen geboren, dem die Eltern den Namen Laura gaben. Herr Adraham Mangold vergötterte seine junge Frau und das Kind war feinAugapfel. Der Herr hatte einen Bruder, Philipp, den jetzigen Besitzer dieses Hauses. Dieser hatte während der Kriegszeit große Lieferungs-Geschäfte unternommen, aber, wie man sagte, sein ganzes Vermögen dabei eingebüßt. Als die kleine Laura vier Jahre alt war, kehrten die Trümmer der großen französischen Armee aus Rußland zurück von den Kosaken verfolgt. Hier in der Rühe kam cs zu einem Scharmützel zwischen Franzosen und Kosaken. Die Franzosen wurden in die Flucht geschlagen und ein vornehmer französischer Offizier, der mit Herrn Mangold befreundet war, suchte Schutz in diesem Hause. Die Kosaken verfolgten den französischen General, und als sie die Thüre verschlossen fanden, erstürmten sie das Haus. Des französische General und seine Begleiter wurden von den Wüthenden niedergemacht; dann plünderten sie das Haus, und als sich Herr Mangold dem widersetzen wollte, legte ein Kosak auf ihn an, um ihn niederzuschießen. Meine Madame sah es, und suchte mit ihrem Leibe ihren Gatten zu schützen. Die Kugel ging los und durchbohrte die Unglückliche; da stürzte sich ihr Gatte auf den Mörder, aber ein anderer Kosak spaltete dem Armen das Haupt. Die Verwirrung im Hause war gränzenlos. Die Dienerschaft hatte sich in den Keller geflüchtet. Und als Alles wieder ruhig geworden, da war die kleine Laura spurlos verschwunden."

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