Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 53 (31.12.1879)
- Date
- 1879-12-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1400 dem Pfade, den Du jetzt betreten hast. Man hat mir erzählt, Du nahest Dich der Stadt Regensburg, in der gegenwärtig der Kaiser, seine Majestät werde erhöht, weilt, um Dich dem Kaiser vorzustellen und ihn zu bewegen, daß er Dich beauftrage, alle unsere Glaubensgenossen zu berufen, von allen Enden der Erde, damit Du an deren Spitze hinziehest, den Türken zu bekämpfen, ihm das Land Israels zu entreißen und einen jüdischen Staat unter dem Schutze und der Oberhoheit des Kaisers zu begründen. — Mein Freund, — mein Bruder, Du bist groß an himmlischer Weisheit und erfahren in der Gotteslehre, wie wenig Andere, und ich, ich bin der Geringsten Einer; aber Du weißt, was unsere Weisen' lehren, daß das Zeitalter glücklich zu preisen, in welchem die Großen hören auf die Geringen; deßhalb höre auf meine Stimme und gehe ab von diesem Wege! Seit länger als zwanzig Jahren siehe ich an der Spitze der jüdischen Gemeinden in Deutschland und seit dreizehn Jahren kenne ich den Kaiser Carl, seine Majestät werde erhöht. Er war mir stets ein gütiger und freundlicher Herr und der deutschen Juden ein gnädiger Schirmer; er ist weise und bedächtig, ein Feind aller weitschweifenden, unbedachten, sich überstürzenden Unternehmungen. Gehe nicht zu ihm — ich bitte Dich fußfällig darum, Du würdest Dir selber. Gott behüte, Verderben bereiten und vielleicht auch alle Juden unter der Herrschaft des Kaisers in dieses Verderben verstricken. Deßhalb laß' ab von dem tollkühnen, im günstigsten Falle nutzlosen Beginnen. Seitdem Gott unser heiliges Haus zerstört hat, sind wir keine waffenkundige Nation mehr. Du berufst Dich auf Stimmen, die Du vermeinst in Deinen Träumen vernomme» zu haben? ^Die Träume reden Falsches", sagt der Prophet. Nicht so, wie sie es Dir verkündet haben, kann die Erlösung vor sich gehen. Denn es heißt im Midrasch, daß Gott sein Volk beschworen habe, daß es nicht hinziehe, das Land gewaltsam zu erobern. Als Vorbote des Messias wird der Prophet Elijahu kommen und di? Erlösung verkünden, damit wir keinem Jrrthum zum Opfer fallen. Noch haben wir die Füße des Verkünders nicht erscheinen sehen auf den Bergen. Solltest Du bei Deinem Entschlüsse beharren, so sage ich Dir: Ich danke Gott dafür, daß unser Kaiser, feine Majestät werde erhöht, ein bedächtiger Monarch ist, weit davon entfernt, auf so sonderbare, sernliegende Pläne einzugehen. Hätte ich nicht diese Ueberzeugung, so wäre es mir Pflicht, daß icvantrccrtlid'e l>;dcct:cn: Pr. Lehrnann in Main;. ich mich dem Kaiser zu Füßen werfen und ihn flehentlich bitten möchte, nicht auf Deine Stimme zu hören; denn ein Eingehen auf Deine Pläne würde unsägliches Unheil über die zerstreute Lämmerheerde Israels bringen. So aber weiß ich, er wird Dich abweisen und Dich hart anlassen. Aber um Dich trage ich Sorge; ich fürchte Du rennst in Dein Verderben. O, möge der allgütige Gott geben, daß meine Worte Eingang bei Dir finden und Du umkehrest zum Frieden. — Das sind die Worte dessen, der Dich liebt und ehrt, wie Du es so sehr verdienst. „Der geringe Joseph, mit dem Beinamen Joselmann von Rosheim, der Sohn des Gerfon, gesegneten Andekens". „Hier in der Stadt Regensburg am 15. Tage des Monats Siwan des Jahres 292 nach der kleinen Zahl." Rabbi Joselmann versigelte den Brief und sandte ihn durch seinen Diener dem Rabbi Salomo Molcho entgegen. Nach wenigen Tagen kehrte Jakob zurück und erstattete seinem Herrn Bericht. „Ich traf", erzählte Jakob, „den Mann in Passau. Viele Juden, Italiener, sind bei ihm; auch ein fremdartig aussehender Mann, der klein und mager ist und schwarz wie ein Mohr."". „Das ist David Röubeni," sagte Rabbi Joselmann. „„Rabbi Salomon Molcho ist ein großer, schöner Mann von herzgewinnendem Aussehen; ich übergab ihm Euren Brief. Er las ihn zweimal und gab ihn dann feinem schwarzen Begleiter. — Gehe hin und sage Deinem Herrn, sprach er zu mir, daß ich bedaure, seinem Rathe nicht folgen zu können. Ich muß thun, was mir ist geboten worden."" "Jakob", sprach Rabbi Joselmann," fuhr Jakob in seinem Bericht fort, „wir reisen heute noch ab; ich will mit diesem Schwärmer nicht Zusammentreffen; der Kaiser und seine Beamten dürfen nicht glauben, daß ich Theil hätte an diesen thörichten Plänen." Noch an demselben Tage brachte Rabbi Joselmann seine Abreise am kaiserlichen Hoflager zur Anzeige. Dann verließ er mit seinem Diener Regensburg. (Fortsetzung folgt). Hierzu zwei Beilage« nebst Titel «»- Inhaltsverzeichnis. -erlag und Cipebiticn des „Israelit" große Bleiche 45. C'ottsleben's Buchdruckerei < Mainzer Anzeiger).