Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 53 (31.12.1879)
- Date
- 1879-12-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1399 zu Regensburg befand; ich mußte auch diesmal für mein Bott eintreten; und Gott war mit uns und schützte unS auch in jenen Tagen vor den Ge- I Höffigkeiten vieler Fürsten und Stande." > Der Reichstag zu Regensburg war einer der erregtesten Versammlungen der Fürsten und Stände j des deutschen Reichs. Die Angst vor dem Ein- > falle der Türken erregte die Gemüther; trotzdem ' standen Katholiken und Protestanten in feindlicher Weise gegenüber, nur in einem Punkte einig, im Hasse gegen die Juden, die sie gar zu gern aus Deutschland hätten verbannen mögen, wie die Bedauernswerthen aus England, Frankreich, Spanien, der Schweiz, den Niederlanden, Skandinavien und andern Ländern verbannt waren. Namentlich waren es die Protestanten, die, aufgehetzt von ihren Führern, durch zur Schau getragene VerfolgungSsucht gegen die Juden beweisen zu können vermeinten, daß sie noch Christen seien. Da war nun Rabbi Joselmann der von Gott erkorene Bote, rusersehen, sein Volk zu schützen. Wie einst beim Beginne der Kreuzzüge die Begeisterung für das Ehristenthum die Kreuzfahrer zu den blutigsten Judenniedermetzelungen trieb, so scheint im Zeitalter Kaisers Carl V. die tiefgehende religiöse Bewegung zur bitteren und consequenten Verfolgung Andersgläubiger getrieben zu haben. Das Wunderbarste ist, daß es Rabbi Joselmann gelang, durch Vermittelung des fünften Carl seine Glaubensgenossen izu schützen. Carl V. war, nachdem er einmal für 'den Pabst und den alten Glauben Partei genommen, von streng kirchlicher Gesinnung, ein Begünstiger und Schützer der Inquisition. In den Niederlanden ließ er die Ketzer, in Spanien die Maran. Herr schaarenweise verbrennen; er war es, wie wir bereits oben berichtet, der den milden Pabst Clemens VII. förmlich dazu zwang, seine Einwilligung >ur Einführung der Inquisition in Portugal zu leben, was Tausende heimlicher .Juden in Tod und verderben trieb. Wir werden noch später Gelegenheit haben, zu erzählen, wie Kaiser Carl V. die zuden in Africa verfolgte und Vielen das Leben, ludern das Eigenthum rauben ließ. Und dieser ämliche Kaiser war in Deutschland ein Schirmerr und Beschützer der Juden, der ihnen Freiheim und Privilegien verlieh und mit starker Hand le Verfolgungen und Angriffe der Fürsten und < -tände von ihnen fernhielt. Dieser nämliche Carl, chm Milde und Gnade fern lagen, der die steife, ianische Grandezza selbst seinen nächsten Anverlndten gegenüber nicht einen Augenblick lang absie, der den geringsten Verstoß gegen seine Würde f das Entsätzlichfte ahndete — er verurtheilte ist einen Bauern, der den Kaiser nicht kannte d einen Fluch gegen ihn ausgeftoßen hatte, zum Tode und änderte, auf die Fürbitte seiner Umgebung , die Strafe dahin ab, daß dem Unglücklichen die Nase abgeschnitten werde, was dann auch vollzogen wurde — dieser nämliche Carl, dem die berüchtigte lex Carolina (Kaiser Carls V. hochnotpeinliche HalSgerichts-Ordnung), die grausamste Gesetzgebung aller Zeiten, ihren Ursprung verdankt, war voll Güte, Milde und Gnade, wann Rabbi Joselmann vor ihm erschien, den er nicht anders wie „Mein lieber Jofelin" anredete. Und so gelang es denn auch auf diesem Reichstage zu RegenSburg, auf welchem der erste Religionsfriede abgeschlossen wurde, daß durch des Kaisers persönliches Einwirken den Jaden günstige und freundliche Bestimmungen in den NeichStagsabschied ausgenommen wurden, Bestimmungen. welche nicht allein ihr Leben, ihr Eigenthum, ihr Wohnrecht, sondern auch ihren Handel und Verkehr schützen sollten. Aber nicht lange durfte sich Rabbi Joselmann dieses Erfolges freuen. Es kam die erschreckende Kunde, daß Salomo Molcho und David Rerrbeni mit großem Gefolge und fliegenden Fahnen gen Ri-geuSburg zogen, um den Kaiser für ihre phantastischen Pläne zu gewinnen. Rabbi Joselmann, wiewohl der Kabalah außerordentlich kundig und ihr eifrig anhangend, war trotzdem ein viel zu nüchterner Denker, als daß er sich von den glänzenden Erfolgen und Visionen Molcho's hätte bethören lassen. Wie wir bereits mehrfach Gelegenheit hatten, zu erwähnen, hat er sich nie der praktischen Kabalah hingegeben, sondern lediglich der theorethischen, die ja nichts ist alS eine Art philosophischer Anschauung voll Reinheit und Heiligkeit Daher kam es. daß sich Rabbi Joselmann keinerlei guten Erfolg von Molcho's Treiben versprach, dagegen das Schlimmste befürchtete. Er beschloß ein Abmahnungsschreiben an ihn zu senden. Dasselbe lautete: „Dem göttlichen Weisen, dem großen Manne, dem in der Thora Leuchtenden, dem vollkommen Fromme,n Rabbi Salomo, sein Licht möge leuchten!" „Deinen guten Nus habe ich vernommen, wie Du mit Lebensgefahr bist gekommen unter die Fittige der göttlichen Moiestät, wie Du dich befleißigt hast im Studium der Gotteslehre. in Tugend und Frömmigkeit, in Heiligkeit und Reinheit, wie Du überall Gottes lauteres Wort gepredigt und dadurch Viele veranlaßt hast, vom sündigen Wege zu lassen, das Alles ist mir erzählt worden und deßhalb ehre ich Dich und liebe ich Dich. Aber weil ich Dich ehre und liebe, halte ich mich verpflichtet. Dich abzumahnen von